Adam und Eva im Paradies
Adam und Eva im Paradies

14.08.2016 - 09:50

Die Sünde Das "Ich" als Maß aller Dinge

Viele sagen: "Ach, die Kirche redet immer von den Menschen als Sündern, ist das nicht zu negativ?" Doch schon der Blick auf die eigentliche Wortbedeutung von Sünde zeigt: So einfach ist es nicht.

Wer heute von der Sünde spricht meint damit meistens eine moralische Verfehlung. Doch dem eigentlichen Wortsinn nach bedeutet Sünde "Trennung". Und daran wird deutlich, worum es bei der Sünde im Kern geht. Denn "Sünde hat immer zu tun mit der Trennung vom 'Du'", so erklärt es Pfarrer Gerhard Dane: "Die Sünde ist im Kern der Egoismus: Wenn das 'Ich' sich ohne das 'Du', zum Maß aller Dinge macht - auf Kosten des 'Du'."

Sünde bedeutet "Trennung"

Viele sagen, mit dem Reden von der Sünde, will die Kirche die Menschen doch nur an die kurze Leine nehmen. Aber Pfarrer Dane meint, dass die Kirche, wenn sie von der redet eben nicht unsere Freiheit beeinträchtigen will, "sondern vielmehr, dass das menschliche Zusammenleben gelingt und es auf Dauer glücklich macht: Ein gelungenes Leben ist keine kurzfristige Befriedigung."

Und trotzdem: viel zu oft kommt es nicht zum gelungenen Leben und manchmal kann Fehlverhalten in den größten menschlichen Tragödien enden. Nicht selten wird dann die Gottesfrage gestellt. Wenn Gott gut ist und er den Menschen gut geschaffen hat, wieso lässt er das zu? Wieso gibt es die Sünde?

Die Sünde ist eine Folge der Freiheit

"Die Sünde ist eine Folge der Freiheit: Gott lässt uns die manchmal unbegreifliche Möglichkeit – z.B. mit dem Auto Leben zu retten und zu zerstören. Es gibt ja jeden Tag Nachrichten, bei denen man sich an den Kopf fasst und denkt: Wie kann Gott das zulassen? Er lässt es zu, weil ihm offenbar unsere Freiheit das allerwichtigste ist. Wir sollen uns frei entscheiden."

Und in Freiheit neigt der Mensch zur Sünde?
Nicht unbedingt, sagt die Kirche und hier wird deutlich, warum Sünde eigentlich Trennung bedeutet und zwar: Trennung von Gott. Der Mensch ist von Gott getrennt, d.h. er ist nicht der, der er sein könnte, nicht so, wie Gott als sein Schöpfer ihn gedacht hat. Die Bibel beschreibt dieses Phänomen in Bildern. Da heißt es im Buch Genesis, dass die ersten Menschen - Adam und Eva - selbst sein wollen wie Gott und sich damit entfernen aus dem Paradies, das heißt, aus der Nähe und Freundschaft zu ihrem Schöpfer.

Pfarrer Dane verweist auf Gottes Reaktion darauf, wie es in der Erzählung weiter heißt, dass er Adam und Eva ein Gewand macht, damit sie draußen nicht frieren und kümmert sich damit um den weiteren Weg des Menschen.
"Da hat man das Gefühl: Gott hat auch etwas Verständnis dafür, dass der Mensch mal ausprobieren will, wie das ist, wenn man auf eigene Rechnung und ohne Gott lebt."

Die Bibel beschreibt die Erfahrung, die jeder kennt

Was die Bibel in Bildern beschreibt, ist eine Erfahrung des Menschen, die der Heilige Paulus so beschreibt: "Ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Schlechte, das ich nicht will." (Römerbrief 7,19)
Und doch erfährt der Mensch gerade in dieser Schwäche die Nähe Gottes - insbesondere in Jesus Christus. Er ist die Antwort Gottes auf die Trennung. In Jesus zeigt Gott den Menschen einen Weg auf, heraus aus seiner überzogenen Selbstliebe, aus der Verstrickung der Sünde zurück zu Gott.

Pfarrer Dane kann dann auch sagen, dass Sünde immer das Gegenteil von Liebe ist, denn: "Gott ist die Liebe und möchte, dass wir seine Abbilder werden, indem wir lieben. Jesus bringt es auf die wunderbare Formel: 'Liebe deinen Nächsten wie dich selbst'. Du darfst dich lieben, du sollst dich lieben - aber mit der gleichen Intensität und der gleichen Hingabe deine Mitmenschen im Blick haben."