Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer
Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer

11.12.2018 - 07:00

Bischöfe im Advent Bischof Wiesemann über nicht erleuchtete Bäume

Jeden Tag ein Impuls: Die deutschen Bischöfe haben für DOMRADIO.DE ihre Gedanken zum Advent formuliert. Bischof Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer erklärt, warum der Baum vor dem Kaiserdom noch nicht erleuchtet ist.

Liebe Hörerinnen und Hörer. Von meinem Arbeitszimmer aus habe ich einen wunderbaren Blick auf den Speyerer Kaiserdom, vor dessen Portal ein imposanter, mit roten und goldenen Kugeln festlich geschmückter Tannenbaum steht. Doch eines ist besonders: Im Gegensatz zur Festbeleuchtung des nur wenige Meter entfernt beginnenden Adventmarktes brennen die Lichter am Baum noch nicht. Immer wieder fragen Menschen, warum der Baum nicht beleuchtet ist. Schließlich sei doch schon Weihnachtszeit. Und das mag von außen etwas kurios anmuten. Die ganze Stadt ist hell erleuchtet, doch vorm Dom bleibt es dunkel. Warum aber lässt die Beleuchtung auf sich warten?

An dem schönen Brauch des Adventskranzes lässt es sich gut erklären. Mit jedem neu entzündeten Licht soll die Wartezeit bis zum Weihnachtsfest verkürzt und die Vorfreude gesteigert werden. Der Advent ist zunächst Warten, Erwarten, eine Zeit der inneren Vorbereitung auf das Kommende und nicht das Ereignis selbst. So schön er doch anmuten mag. Nach alter christlicher Tradition hatte er sogar noch viel mehr den Charakter einer Fastenzeit, wie es bei unseren orthodoxen Brüdern und Schwestern immer noch üblich ist. Der Advent lässt uns ganz bewusst warten, damit wir uns vorbereiten auf das eigentliche Ereignis: auf Weihnachten, auf das Fest der Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth.

Das ist der Grund, warum die Beleuchtung des Weihnachtsbaumes vor dem Dom ebenfalls auf sich warten lässt. Der Advent lebt von der Steigerung. Langsam von Kerze zu Kerze wird es heller. Doch die entzündeten Lichter am Adventskranz verweisen auf ein anderes, größeres Licht, für das symbolisch der Weihnachtsbaum und natürlich noch viel mehr die Krippe stehen.

Schon jetzt spiegeln sich in den Kugeln vor dem Dom die Lichter der Stadt als Vorboten des Kommenden. An Heiligabend selbst aber werden die Lichter des Weihnachtsbaumes festlich aufscheinen. Als Zeichen, dass das eigentliche Fest der Ankunft Gottes auf Erden beginnt. Liebe Hörerinnen und Hörer, haben wir den Mut, im Advent bewusst das Warten auszuhalten und Weihnacht nicht schon voller Ungeduld vorzuziehen. Begehen wir den Advent als Vorbereitungszeit. Dann kann die Gnade des Weihnachtsfestes wie der Weihnachtsbaum vor dem Dom besonders erstrahlen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

(DR)