17.12.2018 - 18:14

Bischöfe im Advent Bischof Jung über den Mut gegen die eigene Unbequemlichkeit

Jeden Tag ein Impuls: Die deutschen Bischöfe haben für DOMRADIO.DE ihre Gedanken zum Advent formuliert. Einige Dinge dümpeln so vor sich hin, das kennt jeder. Der Würzburger Bischof Franz Jung gibt einige Tipps, sich vor Weihnachten zu überwinden.

"Macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest, sagt den Verzagten habt Mut, fürchtet euch nicht. Seht, hier ist euer Gott". So ruft uns der Prophet Jesaja in diesem Advent zu.

Manchmal kommt man sich vor wie im Dämmerschlaf. Die Dinge dümpeln so vor sich hin, ohne wirkliches Ziel und ohne Energie. Mutlos, kraftlos, lustlos, langweilig. Da braucht es dann bisweilen einen Donnerschlag, dass alle aufwachen und aufschrecken. So versteht sich auch der Advent. Die Ankündigung, dass Gott naht, um sein Volk zu retten, ist wie ein Fanal. Weil Hilfe vom Höchsten kommt, muss der Mensch endlich aufwachen. Es gilt wieder anzupacken und aufzustehen. So sieht es zumindest der Prophet Jesaja, der sein Volk aufrütteln möchte, das sich bequem eingerichtet hat in seinem Exil und gedankenlos vor sich hin lebt.

Es ist gut, dass wir Jahr für Jahr etwas unsanft aufgerüttelt werden, wie das Volk Israel. Denn auch bei uns dümpeln nicht selten die Dinge so vor sich hin. Freundschaften zum Beispiel. Beziehungspflege ist mühsam, aber raff Dich gerade in diesen Tagen vor Weihnachten auf. Schau, wer auf dich wartet und macht die schreibmüden Hände wieder stark oder brich auf zu einem Besuch. Oder unser Engagement angesichts fremder Not: viele sind erst aus ihrem Dämmerschlaf erwacht, als sie während der Flüchtlingskrise die Scharen hilfeesuchender Menschen sahen und spürten, hier ruft Gott, hier bin ich gefragt.

Mit anzupacken und zu helfen, weil in der globalen Welt die ferne Not plötzlich ganz nahe rückt – nicht zuletzt in der Kirche und unseren Gemeinden. Auch hier lassen wir es oftmals entnervt einfach laufen. Ach, kommt doch keiner, interessiert ja niemanden mehr, was bringt es noch. So legt sich die eigene Resignation wie Mehltau über unseren Eifer, der langsam abkühlt. Aber Gott kommt. Deshalb faltet die erschlafften Hände wieder zum Gottesdienst, beugt die wankenden Knie vor Gott in der Anbetung und so werdet ihr stark und fasst neuen Mut.

Wo Menschen ordentlich wachgerüttelt werden und sich auf ihre Verantwortung besinnen, da passiert genau das, was Jesaja vor 2700 Jahren beschrieben hat. Da springt die Energie förmlich über. Blinde beginnen wieder zu sehen, Taube können plötzlich neu hören, Lahme fangen wie die Hirsche zu springen an. Und die, die zuvor stumm waren, haben auf einmal etwas zu verkünden. Was ein wunderbares, mutmachendes Bild.

Der wiederkehrende Herr sei auch für uns der große Mutmacher, jetzt in diesem Advent. Das wünsche ich Ihnen von Herzen. 

(DR)