26.12.2018 - 10:00

Pontifikalamt im Kölner Dom Zweiter Weihnachtstag – Fest des heiligen Stephanus

Sind die guten Zeiten vorbei? Das fragte Weihbischof Ansgar Puff zu Beginn seiner Predigt am zweiten Weihnachtsfeiertag. Die Menschheit an sich, jeder einzelne und auch die Kirche würden immer verwundbarer. Dagegen helfe nur eins: Gottes Liebe.

In seiner Predigt betonte Weihbischof Ansgar Puff, dass die Menschheit heutzutage verwundbar geworden sei. "Jede Messerattacke, jede Schießerei in einer amerikanischen Schule, auch der letzte heiße Sommer und der sinkende Rhein, die steigenden Benzinpreise, die Angreifbarkeit von Computersystemen", all das konfrontiere die Menschen mit ihrer Verwundbarkeit.

Die Kirche sei davon nicht ausgenommen, bemerkte Puff. Vor allem der Missbrauchsskandal habe das Vertrauen der Menschen in die Kirche kaputt gemacht. Mit zum Teil verheerenden Folgen, wie der Weihbischof konstatierte: "Seit diesem Jahr sind wir Christen in Köln in der Minderheit. Katholiken und Protestanten zählen zusammen weniger als 50 Prozent der Kölner Bevölkerung."

Make-Up oder besser Gott gegen Verwundbarkeit

Gegen die eigene, ganz individuelle Verwundbarkeit würden die Menschen Make-Up auflegen, sagte Puff. "Weinen tun wir heimlich und auf die Frage Wie geht es dir antworten wir: Ach, ganz gut."

Gegen diese Verwundbarkeit helfe die Weihnachtsbotschaft, schlug der Weihbischof vor. Denn Gott selbst setze sich der menschlichen Verwundbarkeit aus, indem er als schutzbedürftiges Kind zur Welt komme. Und Jesus sei damals wirklich verwundbar gewesen: Schon vor der Geburt zum Teil abgelehnt, geboren in einem Stall, dann auf der Flucht vor Herodes: Jesus Leben habe nicht besonders gut angefangen, bemerkte Puff.

Was hilft es?

"Hilft es irgendwem wenn Gott sich der verwundeten Welt gleich macht?", fragte er dann. Um diese Frage zu beantworten, ging Puff auf die Ursachen der Verwundbarkeit ein: Egoismus, Selbstsucht, gedankenlose Rücksichtslosigkeit. Dagegen helfe nur eins. Die Liebe.

Das sei es, was an Weihnachten gefeiert werde: "Gott kann nicht in seinem himmlischen Glück bleiben solange wir durch unseren Egoismus verletzt sind und nicht leben können."

Weihnachten und der heilige Stephanus

Liebe sei aber immer auch ein Risiko, bemerkte Puff dann. Das zeige sich am Leben des heiligen Stephanus, dem die Kirche am zweiten Weihnachtsfeiertag gedenkt. Seine Liebe zu Jesus habe ihn schließlich in den Tod gebracht. Außerdem: "Stephanus erklärt, dass Jesus sich aus Liebe freiwillig verwunden lässt und dass er auch denen Liebe schenkt, die ihn misshandeln, verspotten und töten."

Puff rief die Gläubigen auf, sich wie Stephanus von der Liebe anstecken zu lassen. "Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich infizieren am Lebensmut dieses Jesus, der geliebt hat bis ans Kreuz." Denn Gott habe aus Liebe die Schwäche der Menschen angenommen, "damit wir an der Heilung dieser Welt arbeiten können. Denn Gott liebt uns wegen unserer Schwäche. Mehr als wegen unserer Stärke."

Übertragung des Pontifikalamts

DOMRADIO.DE übertrug am zweiten Weihnachtstag, dem Fest des heiligen Stephanus, das Pontifikalamt aus dem Kölner Dom mit Weihbischof Ansgar Puff. Es sang der Mädchenchor am Kölner Dom unter der Leitung von Oliver Sperling und Elena Szuczies. An der Orgel: Ulrich Brüggemann.

Christenverfolgung heute

Die katholische Kirche in Deutschland ruft heute zur Solidarität mit verfolgten Christen weltweit auf. In den Gottesdiensten am Zweiten Weihnachtstag solle besonders der Glaubensgeschwister gedacht werden, die weltweit Opfer von Ausgrenzung und Unterdrückung sind. Der 26. Dezember ist der Gedenktag des heiligen Stephanus. Er war der erste christliche Märtyrer.

In diesem Jahr sollten insbesondere die Christen in Kuba und Venezuela im Fokus stehen, die unter Einschränkungen der Meinungs- und Religionsfreiheit litten, so die Bischofskonferenz. Der Gebetstag ist Teil der 2003 gegründeten Initiative "Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit". Mit der Initiative wollen die deutschen Bischöfe in den Kirchengemeinden, aber auch in der Öffentlichkeit verstärkt auf die Diskriminierung und Drangsalierung von Christen in verschiedenen Teilen der Welt aufmerksam machen.

Keine weihnachtliche Liturgie

Die Nähe des Stephanustages zum Weihnachtsfest zeigt, dass der christliche Glaube auch an Weihnachten das Kreuz nicht ausblendet. Im Tod des ersten Märtyrers wird es bereits sichtbar. Die Liturgie ist an diesem Tag gar nicht weihnachtlich, sondern ganz vom Mut des Stephanus zu freiem Bekenntnis geprägt. Sein Tod trägt Züge des Todes Jesu, wenn er sterbend für seine Peiniger um Vergebung bittet, wie es auch von Jesus überliefert wird. Seine Verteidigungsrede wurde als Gotteslästerung gedeutet, worauf der Tod durch Steinigung stand (vgl. Apg 7,54–60). Um das Jahr 40 erlitt Stephanus als erster christlicher Märtyrer den Tod vor den Toren Jerusalems. 

Die Apostelgeschichte, die das Werden und Wachsen der jungen Kirche beschreibt, berichtet von den Überlegungen der Apostel, die verschiedenen Dienste in der Gemeinde zu ordnen. Damit die Apostel frei seien für den Dienst der Verkündigung, wurden sieben Männer als Diakone ausgewählt. Einer von ihnen, ein "Mann, erfüllt von Glauben und vom Heiligen Geist" (Apg 6,5), war Stephanus. Sein griechischer Name deutet auf seine Herkunft aus dem hellenistischen Judentum. Zur Zeit der Urkirche kam es in Jerusalem immer wieder zu heftigem Streit zwischen dem etablierten Judentum, für das der Tempelkult und die kultisch verstandene Tora zentrale Bedeutung hatten, und den tora- und tempelkritischen Judenchristen aus der Diaspora, die später auch unter den Heiden missionierten. Als ein Exponent dieser Gruppe geriet der redebegabte Stephanus ausgerechnet mit Diasporajuden aneinander, die sich für Tempel und Tora starkmachten. Als die Gegner seinen Aussagen mit Argumenten nicht mehr beikommen konnten, griffen sie zu Falschaussagen, hetzten das Volk auf und zerrten Stephanus vor den Hohen Rat, wo sie das Todesurteil gegen ihn erwirkten (vgl. Apg 6,8–15).