Kölner Dom
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Domkapitular Markus Bosbach
Domkapitular Markus Bosbach
Vokalensemble Kölner Dom
Vokalensemble Kölner Dom

17.03.2019 - 10:00

Kapitelsamt im Kölner Dom Zweiter Fastensonntag

In seiner Predigt sprach Domkapitular Markus Bosbach über die Bedeutung von "Heimat". Ausgangspunkt war ein Satz aus dem Philipperbrief: "Denn unsere Heimat ist im Himmel". Gemeint sei damit vor allem der Staat.

Würde man den Satz aus der Lesung wörtlich übersetzen, merkte der Domkapitulat an, so müsste es indes heißen: "Denn unser Staatswesen ist im Himmel". 

Staat im Himmel, Staat auf Erden?

"Unser Staat im Himmel" könne missverstanden werden als eine "Vertröstung ins Jenseits, die man so gerne den Christen unterstellt". Aber: Der Christ sorge sich vielmehr um den Staat auf Erden, so Bosbach, weil er ihn für ein Abbild des Staates Gottes im Himmel halte; so wie er sich um den Menschen sorge, wie er ein Abbild Gottes sei.

Deswegen verdiene der Staat auf Erden die Verantwortung der Menschen, folgerte Bosbach. Diese Verantwortung teilte er in drei Punkte auf, die er an Heiligen darstellte. "Sie zeugen uns, wie wir heute Verantwortung wahrnehmen können".

Heiliger Benedikt: Beten und arbeiten

Der heilige Benedikt, geistiger Urvater des geeinten Europas, sei jemand, der sein Leben weder in Aktionismus verschleudert habe, noch in "fernöstlicher Guru-Begeisterung" verträume. Heute brauche es wieder Menschen wie Benedikt, die weniger egoistisch sind. "Wir brauchen ein Mehr des Gedankens von Leistung und Opfer." Ein Staat lebe nur vom Einsatz von Menschen, die nicht sofort schreien würden: "Was tut der Staat für mich?" 

Außerdem setze Benedikt nicht auf das Patriarchat, sondern auf eine Gleichberechtigung von Mann und Frau. "Nur ein Staat, der die Familie als Keimzelle respektiert und fördert, lebt aus der Kraft dieser kleinen Einheiten, in der der Mensch zuerst lernt zu geben und zu empfangen"; folgerte Bosbach. 

Heiliger Franz von Assisi: Erneuerung von Staat und Kirche

Ein weiteres Vorbild für den Christen im modernen Staat sei Franz von Assisi: "Im notleidenden Menschen, im Armen und Schwachen, begegnet der Mensch Christus." Darin stecke soziale Gerechtigkeit, die sich heute auch als Option für die Armen, Arbeitslosen, die Schwachen, Behinderten, die Fremden, Kinder und die Menschen ohne Lobby zeige.

Diese Nächstenliebe als konkrete Solidarität werde heute vorbildlich gelebt vom amtierenden Papst. Bei Franziskus werde das etwa deutlich in der Aussage, wonach Eigentum verpflichte, so Bosbach. "Reichtum ist keine Sünde - aber erfordert Verantwortung und aktive Nächstenliebe", betonte der Domkapitular.

Es gehe darum, das "Antlitz Christi in jedem Menschen zu entdecken", und so Staat und Kirche zu erneuern. 

Heiliger Thomas Morus: Der Staat darf den Menschen nicht beherrschen

Mit Thomas Morus entstehe erst vollkommen der moderne Mensch: "Der, der sich nicht knechten und knebeln lässt, weil er weiß, dass er in der letzten Wahrheit seinem eigenen Gewissen folgen muss." Das breche jeden Herrschaftsanspruch von Königen.

Das gelte auch heute, so Bosbach: So dürfe Globalisierung den Menschen nicht verzwecken und: "Kein Staat darf das Lebensrecht Ungebroener, Behinderter oder alter Menschen, ja noch nicht einmal mit demokratischen Mitteln hinwegfegen. Die letzte Wahrheit ist nicht mehr demokratisch abzustimmen."

Gottesdienst auf DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE übertrug am zweiten Fastensonntag das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom mit Domkapitular Markus Bosbach. Es sang das Vokalensemble Kölner Dom unter der Leitung von Eberhard Metternich. An der Orgel: Winfried Bönig.

"Petrus und seine Begleiter ... sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen." (Lk 9,32)

Auslegung zum Sonntagsevangelium (Lk 9,28b–36)

Von Rainer Dillmann und César Mora Paz

Durch die drei Begleiter Jesu werden Leserinnen und Leser in die Bewegung des Geschehens mit hineingenommen. Sie erleben, wie Jesus in einer entscheidenden Situation seines Lebens im Gebet ganz nahe ist bei Gott, seinem Vater. Gott selbst stellt sich auf die Seite Jesu und bekennt sich zu ihm.

Trotz vorhandener Missverständnisse – wie etwa die Naivität des Petrus – haben die drei Jünger dies verstanden. In der Gemeinschaft mit Jesus erfahren sie die Herrlichkeit Gottes. Die Bilder – der Schlaf, das strahlende Licht, die Wolke – lassen eine mystische Erfahrung anklingen. Dieses Erleben der Jünger fordert Leserinnen und Leser heraus, ihre eigenen Gotteserfahrungen zu reflektieren. Wer sich betend mit Jesus in ein solches Geschehen hineinnehmen lässt, wird die Herrlichkeit Gottes erfahren. Diese aber kann nicht festgehalten werden. Darin liegt das Missverständnis des Petrus. Leserinnen und Leser selbst stehen wie Petrus, Johannes und Jakobus am Scheideweg (vgl. Lk 6,39–40).

Lukas hat die Verklärung Jesu als Aktualisierung der Gotteserscheinung des Mose, wie sie in Ex 33,18–23 erzählt wird, verstanden. Nachdem Israel sich von Gott abgewandt und um das goldene Kalb getanzt hatte, gab Gott dem Mose noch einmal die beiden Tafeln des Gesetzes, damit Israel durch sie Leben finde. Mose und Elija, Tora und Propheten, weisen auf Jesus. Indem die Leserinnen und Leser diese lesen, erfahren sie, wer Jesus ist.

Jetzt sind Leserinnen und Leser aufgefordert, Jesus nachzufolgen, um in dieser Nachfolge Leben zu finden. Jesus nachfolgen heißt, den Armen und Schwachen nahe sein, für sie eintreten und ihnen zu ihrem Recht verhelfen. Wer Jesus nachfolgt, wird Gottes Herrlichkeit schauen.

Trotz unheilvoller Ahnungen, die in der Leidensankündigung und im Gespräch Jesu mit Mose und Elija anklingen, entscheiden sich die Jünger, mit Jesus den Weg nach Jerusalem zu gehen. Sie entscheiden sich für die Gemeinschaft mit Jesus und damit für Gott. Sie werden so zum Vorbild für alle, die Jesus nachfolgen. Leserinnen und Leser dürfen sich in diese Gemeinschaft einreihen.

Aus: Magnificat. Das Stundenbuch. März 2019