Kölner Dom
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Stadtdechant Msgr. Robert Kleine
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Das "Wort Gottes" - die Bibel lesen
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Japanische Kirchenzeitung – die Partnerschaft zwischen dem Erzbistum Köln und Tokio währt seit Jahren
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31.01.2021 - 10:00

Kapitelsamt im Kölner Dom am vierten Sonntag im Jahreskreis "Zeichen der Herrschaft Gottes"

In der Synagoge von Kafarnaum werde schon ganz zu Beginn des Markusevangeliums deutlich: "Das Reich Gottes ist zum Greifen nahe", erklärt Domdechant Robert Kleine in seiner Predigt im Kapitelsamt am vierten Sonntag im Jahreskreis.

Das Reich Gottes sei in diesem Jesus von Nazaret schon gegenwärtig. Dies zeige er im Wort und in der Tat.

Wort und Verkündigung

In der Synagoge ergreife Jesus das Wort und lege die heiligen Schriften aus. Dabei hören wir nicht, "was er sagt, sondern nur, wie die Zuhörer reagieren. Die Menschen waren betroffen über seine Lehre, "denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten" (Mk 1,22). "Als Jesus in der Synagoge predigt, sind die Menschen hin und weg", so Monsignore Kleine. Er unterscheide sich in seinem Auftreten und in seinem Inhalt von anderen Autoritäten.

"Was ist nun diese Lehre mit Vollmacht, die da von Jesus verkündet wird?", fragt Domdechant Kleine, und antwortet: "Es sei die Botschaft von der Gottesherrschaft, die nahe gekommen ist." Jesus spreche von Gott, der die Liebe ist, und der die Menschen liebe.

Jesus verkünde aber nicht nur diesen menschenfreundlichen Gott, sondern mache "ihn selbst erfahrbar – und zwar in seinem eigenen Verhalten", erklärt der Kölner Dom- und Stadtdechant.  

Tat und Heilung

Nach der Verkündigung folge "in der Synagoge eine Tat: Die Heilung eines Mannes", so Kleine. Was für ein unreiner Geist es genau war, von dem der Mann besessen war, werde nicht erzählt und sei letztlich unwichtig. Viele Krankheiten seien damals als Besessenheit gedeutet worden, erklärt Domdechant Kleine. "Allen war gemeinsam, dass sie einen Menschen daran hindern, ein normales Leben zu führen und an der Gemeinschaft teilzunehmen".

In den Heilungen Jesu zeige sich konkret an Leib und Seele, "was Gott für die Menschen will: Er will nicht ihr Unglück, sondern ihr Heil", so Kleine. Für den Mann in der Synagoge habe die Begegnung mit Jesus "sehr konkrete Auswirkungen. Zunächst einmal wühlt sie ihn auf, und dann befreit sie ihn, schenkt ihm Ruhe und Heilung." Und diese Heilung schenke dem Mann, dass er wieder ins normale Leben zurückkehren und wieder an der Gemeinschaft teilnehmen könne.

"Zeichen der Herrschaft Gottes"

Diese Szene zu Beginn des Markusevangeliums habe wegweisende Bedeutung, erklärt Monsignore Robert Kleine. Dort, wo Jesus auftrete, da berühre er "Menschen im Innersten, in ihrer Seele – und wandelt Unruhe in Ruhe, Verwirrung in Heilung". Die Heilung des von einem unreinen Geist Besessenen sei ein "Zeichen der Herrschaft Gottes, die eben nicht etwas weit entferntes Zukünftiges ist, sondern die in Jesu Leben und Wirken schon begonnen hat", so Kleine.

Übertragung

DOMRADIO.DE übertrug am vierten Sonntag im Jahreskreis das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom mit Domdechant Robert Kleine. Kantor: Eberhard Metternich. An der Orgel: Ulrich Brüggemann.

An diesem Sonntag ist der Ökumenischer Bibelsonntag.

Im Erzbistum Köln wird zudem alljährlich am letzten Sonntag im Januar der Gebets- und Hilfsgemeinschaft mit der Erzdiözese Tokyo gedacht.

Auslegung zum Sonntagsevangelium (Mk 1,21-28)
von Peter Köster

Nach der Berufung der ersten Jünger kommt Jesus mit ihnen nach Kafarnaum. Dort geht er am Sabbat, wie es Brauch ist, in die Synagoge. Sie ist der übliche Versammlungsort der Gemeinde. Hier finden sich die Menschen auch zu Gebet, Schriftlesung und anschließender Auslegung ein. Jedes geeignete Gemeindemitglied konnte dazu aufgefordert werden. Jesus fügt sich in das normale religiöse Leben seiner Landsleute (vgl. Mk 3,7 f.; 6,2). Dennoch geht von seinem ersten öffentlichen Auftreten in der Synagoge von Kafarnaum eine Signalwirkung aus.

Als Jesus in der Synagoge lehrt, geraten die Leute außer Fassung. Sie sind bestürzt, „denn er lehrt wie einer, der Vollmacht hat“. Sie sind von seinem Wort in ihrem Innersten getroffen. Hier spricht einer zu ihnen, dessen Worte noch frisch sind und voller Kraft, noch nicht abgegriffen von berufsmäßigem Können und belanglos vom Staub überkommener Lehrmeinungen. Jesus redet zu den Menschen aus unmittelbarer Autorität. Seine Worte sind ursprünglich und meinen, was sie sagen. Sie sind voll Leben und haben Bezug zu ihrem Leben.

Aus: Magnificat. Das Stundenbuch. Januar 2021