Kölner Dom
Kölner Dom

13.12.2020 - 10:00

Gaudete – Pontifikalamt am dritten Adventssonntag Wegweiser und Wegbereiter

Weihbischof Steinhäuser blickte in seiner Predigt im Pontifikalamt am dritten Adventssonntag auf die Figur Johannes des Täufers und seine Verkündigung der Gegenwart Gottes.

Das heutige Evangelium konfrontiere mit einem Paradox, so Weihbischof Steinhäuser. Denn der ganze Text kreise um die Gestalt Johannes des Täufers, aber eigentlich gehe es um eine Aussage über Jesus Christus.

Dies werde bereits zu Beginn deutlich, so Steinhäuser. Die Abgesandten der jüdischen Obrigkeit fragen nach der Identität des Johannes. Dies sei eigentlich die Frage nach seiner Legitimation, erklärt Weihbischof Steinhäuser.

Johannes aber antwortet ehrlich, er sei nicht der Messias. "Als Leser des Johannesprologs wissen wir mehr," so der Kölner Weihbischof. "Johannes ist nicht der, bei dem wir stehen bleiben und ausruhen sollen. Er ist nicht das Ziel. Johannes ist nicht die Mitte, aber er hält die Mitte frei für Jesus. Dennoch, und vielleicht gerade deshalb, ist er unerlässlich," führt Steinhäuser aus. Als Wegweiser und Wegbereiter werde er zum "Vorbild jedes christlichen Verkündigers".

Weihbischof Steinhäuser erklärt, er habe dies sehr deutlich empfunden, wenn er die äußerst unterschiedlichen Auftritte von Donald Trump oder Papst Franziskus beobachte. Beide hätten in den Sozialen Medien auf Twitter viele Millionen Follower und seien auf ihre Art Medien-Stars. Doch während Trump stets selbstbezogen sei, gelinge es Franziskus, den Blick "auf die Freude des Evangeliums Jesu Christi zu lenken, dass die Menschen von Sünde, Traurigkeit, von innerer Leere und Vereinsamung befreien will." Franziskus brauche nicht viel Platz für sich. Für ihn gelte wie für Johannes den Täufer: "Er ist nicht selbst das Licht. Er soll nur Zeugnis ablegen für das Licht."

Gegenwart Gottes

Johannes verkündige die Gegenwart Gottes. Wer Gott finden wolle, müsse der irdischen Realität also nicht davonlaufen und der Erde nicht untreu werden, im Gegenteil: Er müsse an die Dinge und die Menschen herangehen und vordringen bis an die Mitte der Wirklichkeit, so Weihbischof Steinhäuser.

Gott bleibe aber auch in der Mitte der Menschen unentdeckt. Nur ein paar Viehhirten und einige sehr weise Männer erkennen seine Gegenwart. Mit Jesus sei es wie mit Johannes, erklärt Steinhäuser. Es reiche nicht, seinen Namen zu kennen. Es gehe "um ein inneres Wissen. Man muss ein Gespür dafür entwickeln, wer dieser Jesus ist. Und erst wer glauben kann, dass sich hier Gott verbirgt und auch zeigt, nur der wird ihm bedingungslos sein Herz öffnen," erklärt Steinhäuser.

Aufgabe des Johannes und seiner Nachfolger als Verkündiger, Prediger, Seelsorger sei es, hinzuweisen und immer wieder deutlich zu machen: Hier begegnet euch Gott.

"Hier in dieser Situation, in diesem Menschen, in diesem Wort, in diesem Brot ist er mitten unter euch. Eigentlich erstaunlich, wie nah dran wir sind an der Situation unseres Sonntagsevangeliums – ja, eigentlich mittendrin", schließt Steinhäuser.

Übertragung

DOMRADIO.DE übertrug am dritten Adventssonntag das Pontifikalamt aus dem Kölner Dom mit Weibischof Rolf Steinhäuser. Es sang der Kölner Domchor unter der Leitung von Eberhard Metternich und Gregor Loers. An der Orgel: Winfried Bönig

Das Pontifikalamt wurde insbesondere für die verstorbenen Kölner Domkapitulare und Weihbischöfe gefeiert.

"Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe." (Phil 4,4f.)

»Gaudete« – »Freut euch (im Herrn)!« Dieser Ruf eröffnet die Messfeier an diesem Sonntag. Es ist ein Ruf in eine Welt, die noch auf ihren Erlöser wartet: in der Kriege geführt werden, Kinder verhungern, Reiche reicher und Arme ärmer werden und Menschen unter Einsamkeit, Krankheit leiden.

»Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung«, heißt es dann im Tagesgebet. Bereit sein für die Erlösung, das heißt, sich lösen von Dingen und Menschen, die uns besetzen, sich lösen von alldem, was uns mit Sorgen und Wünschen in Beschlag nimmt und dieser Freude keinen Raum gibt.

Wenn wir das aus eigener Kraft oft nicht vermögen, dürfen wir vertrauen, dass Gott dafür den Raum schaffen kann, vielleicht sogar dadurch, dass er uns nimmt, woran unser Herz zu sehr hängt. »Wer zu solchen Verlusten Ja sagt, gewinnt mehr, als er verliert: den Frieden Gottes, der seit Betlehem real in unserer Welt existiert« (Dirk Grothues). Gaudete – Freut euch, freut euch im Herrn allezeit!

Aus: TeDeum – Das Stundengebet im Alltag, Dezember 2020, www.tedeum-beten.de

Ablaufplan Pontifikalamt 13.12.2020

(DR)