Kölner Dom
Kölner Dom

05.07.2020 - 10:00

Kapitelsamt im Kölner Dom Vierzehnter Sonntag im Jahreskreis

Domkapitular Thomas Weitz betrachtet an diesem Sonntag in seiner Predigt die Demut. Entscheidend sei die Demut Gott gegenüber. Diese sei keine Demut, die einen "das Fürchten" lehre.

Ein jeder habe in seinem Leben bereits schon Demütigungen erlebt, stellt Domkapitular Thomas Weitz fest. Christliche Demut aber sei eben nicht "sklavische Unterwürfigkeit." "Christliche Demut, die den Namen verdient", wurzele "in der Wahrheit", so Weitz.

"Wenn Bevölkerungsteile andere über Jahrhunderte demütigen, die Würde des anderen aus dem Blick verlieren, oder sie gar nicht erst in den Blick bekommen", dann entwickle sich "eine Fehlhaltung", auf die die Antwort keine neue Sprachregelung oder Gesetze oder Gewalt seien, sondern eine Umkehr, wie sie der Herr auch seinen Jüngern im heutigen Evangelium nahe lege: "Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele." (Mt 11,29)

"Weshalb sollen wir von ihm lernen?", fragt Weitz. Eben weil er gütig und "von Herzen demütig" sei. Diese Demut sei eine, "die im freien Entschluss, im Wissen und in der Überzeugung" wurzele.

Ruhe für unsere Seele

Wer Demut lerne, der werde nicht demütigen, so Domkapitular Weitz weiter. Entscheidend sei die Demut Gott gegenüber. Diese sei keine Demut, die einen "das Fürchten" lehre.

Die Demut Gott gegenüber gründe in dem Wissen, "dass er es gut mit mir meint". Gott sei nicht darauf angewiesen, "zu demütigen, um selbst groß zu sein."

"Nehmt mein Joch auf euch"

Jesus lade ein, die Lasten mit ihm mitzutragen. Diese seien aber nicht allein zu tragen, und sie führen zum Guten.

Wenn wir die Demut vor Gott mehr lernen würden, so würden wir zu einer neuen Freiheit kommen, stellt der Kölner Domkapitular fest.

Übertragung

DOMRADIO.DE übertug am vierzehnten Sonntag im Jahreskreis das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom mit Domkapitular Thomas Weitz. Es sangen die Herren des Kölner Domchores. Kantor war Eberhard Metternich. An der Orgel: Winfried Bönig

"Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast." (Mt 11,25)

Auslegung zum Sonntagsevangelium (Mt 11,25-30)
von Hans Urs von Balthasar

Die Offenbarung an die Unmündigen. Alles geht vom Vater aus; Jesus, der Offenbarer, dankt dem Vater, dass er es sein darf. Und es liegt schon im Plan des Vaters, dass Jesus nicht die „Weisen und Klugen“ mit seiner Offenbarung erreichen wird, denn die meinen, schon alles zu wissen und besser zu wissen, sondern die „Unmündigen“, das heißt die in der Theologie der Schriftgelehrten Unerfahrenen, die gleichen wie „die Armen im Geist“, wie die „Kranken“, die nach dem Arzt Ausschau halten, wie die „abgematteten Schafe“, die keinen Hirten haben. Diese Armen haben einen offenen und nicht mit tausend Theorien vollgestopften Geist; auch wenn sie von den Gelehrten verachtet werden: sie hat Gott als Empfänger seiner Offenbarung vorgesehen. Es wird sich noch tiefer erweisen, dass der Sohn, in seiner Demut und Niedrigkeit, sowohl als der Vermittler der Gesinnung des Vaters und aufgrund seiner eigenen Gesinnung nur von den „Unmündigen“, die er anspricht, verstanden werden kann.

Aus: Magnificat. Das Stundenbuch. Juli 2020