Papst Benedikt XVI. kreiert Kardinal Reinhard Marx
Papst Benedikt XVI. kreiert Kardinal Reinhard Marx

19.11.2010 - 10:27

Senat der Kirche erreicht "Allzeithoch" Jubel für die neuen Kardinäle

Wenige Anlässe machen die Universalität der katholischen Kirche so deutlich wie ein Konsistorium zur Kreierung neuer Kardinäle: Bei einer feierlichen Zeremonie im Petersdom nahm Benedikt XVI. 24 Würdenträger aus aller Welt in sein oberstes Beratergremium auf.

Unter den am Samstag Kreierten: der Münchner Erzbischof Reinhard Marx (57), der Augsburger Kirchenhistoriker Walter Brandmüller (81) und der aus der Schweiz stammenden vatikanischen Ökumeneminister Kurt Koch (60). Mit 203 Mitgliedern aus 69 Ländern hat das Kardinalskollegium im dritten Konsistorium von Benedikt XVI. ein "Allzeithoch" erreicht.

Nacheinander traten die neuen Würdenträger vor den Papst, legten ihr Glaubensbekenntnis ab und schworen dem Kirchenoberhaupt Treue und Gehorsam. Benedikt XVI. setzte jedem ein purpurnes Kardinalsbirett auf und überreichte ihm eine Ernennungsurkunde. Als erster trat Kurienpräfekt Angelo Amato vor den Papst, dann der koptisch-katholische Patriarch Antonios Naguib, der anstelle des roten Biretts einen besonderen schwarzen Hut der Orientalen erhielt.

Als letzter der Diözesanbischöfe war Marx an der Reihe. Wie schon zuvor bei den vier afrikanischen Kardinälen war bei ihm der Applaus aus der Basilika besonders lang und laut. Zu Ehren der beiden neuen bayerischen Kardinäle war eine sehr große Gruppe aus Kirche, Bistum und Staat, aber auch aus der Ökumene und von Vertretern des Judentums angereist. Länger als mit den vorherigen sprach dann der Papst noch mit seinem neuen "Senator", seinem "Nach-Nachfolger" in München. Was er ihm sagte, bleibt freilich sein Geheimnis.

Die "Silbertrompeten" kommen wieder zum Einsatz
Für das Konsistorium hatte sich der päpstliche Zeremonienmeister etwas Besonderes einfallen lassen. Neben Orgel, Antiphonen und brillantem Chorgesang kamen erstmals seit Jahrzehnten wieder die "Silbertrompeten" zum liturgischem Einsatz. Hoch oben von der Loggia der Benediktionsaula aus spielte ein halbes Dutzend Bläser zum Einzug des Papstes die "Marcia solenne" von 1846 - dem Jahr der Papstwahl von Pius IX. Später folgten Palestrina und Bach-Fugen. Die Trompeten, die durch ihre besondere Legierung einen ungewohnt weichen Klang haben, waren mit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zwar nicht ganz aus der vatikanischen Liturgie verdrängt worden; sie kamen seither aber nur bei besonderen Anlässen zum Einsatz.

In seiner Predigt betonte der Papst, er habe Persönlichkeiten aus verschiedenen Teilen der Welt in sein oberstes Beratergremium aufgenommen: Personen, die wichtige Diözesen leiten, Behörden der römischen Kurie vorstehen oder die mit "beispielhafter Treue der Kirche und dem Heiligen Stuhl gedient" hätten. Sie unterstützten von nun ab den Papst unmittelbar in seinem Leitungsamt für die Weltkirche. Diese Tätigkeit habe jedoch nichts mit Macht oder Dominanz zu tun, sondern mit einem Dienst in Gehorsam gegenüber Gott und für die Kirche, so der Papst. Die Kirche folge hier nicht der weltlichen Logik von Macht, sie habe ein anderes Modell, das auf eine "Logik des Dienens und eine Logik des Kreuzes" ausgerichtet sei
- bis hin zum Blutvergießen für den Glauben.

An das Konsistorium im Petersdom schlossen sich eine Serie von Feiern an. Die an- und mitgereisten Kardinalsfamilien gratulierten ihren neuen "Senatoren". Die Deutsche Bischofskonferenz gab einen Empfang für die beiden deutschen Purpurträger im Campo Santo Teutonico. Das Northamerican College lud zur Ehrung der beiden neuen US-Kardinäle. Botschaften überall in Rom organisierten Feiern für die Würdenträger ihrer Länder.

Am Nachmittag öffnete dann der Vatikan seine Tore. Unter den Gemälden Michelangelos oder vor dem modernen Christus-Relief der Audienzhalle nahmen die Neukardinäle erneut Glückwünsche entgegen.
Dort konnte sich, auch ohne besondere Einladung, jeder Gratulant einreihen. Für Sonntagmorgen versammelt der Papst dann nochmals die neuen Kardinälen im Petersdom um sich - und feiert den ersten gemeinsamen Gottesdienst mit jenen Senatoren, die einmal seinen Nachfolger wählen werden.