12.07.2009 - 08:28

Prälat Bastgen erinnert beim Kapitelsamt im Kölner Dom an die Bedeutung des Sonntags "Tag des Herrn"

domradio.de übertrug am 16. Sonntag im Jahreskreis das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom. In seiner <a onclick="javascript:WindowAudio('20173'); return false;" href="/comet/audio/20173.wma"> Predigt </a>erinnerte Prälat Johannes Bastgen an den Sonntag als Tag des Herrn. "Nicht nur für uns Christen ist der Tag wichtig, es geht um alle Menschen - und um Gott: ihn zu loben."

Wort und Wahrheit gehen nicht immer zusammen. Sprache kann zu Propaganda und Lüge missbraucht werden; die schönen Sprüche und mitreißenden Reden der Machthaber und Entscheider verschleiern erfolgreich das Prinzip Eigeninteresse. Die alttestamentliche Lesung erinnert heute daran. Religiöse und soziale Missstände im ganzen Land lassen Jeremia zum Gerichtspropheten werden. Der Prophet macht klar: Nicht jede Führergestalt entspricht dem Bild vom guten Hirten. Deutliche Worte findet Jeremia für die Mächtigen, die das Wort Gerechtigkeit im Mund führen, dabei aber nur ihrem privaten Kosten-Nutzen-Kalkül folgen. Sie haben Maß zu nehmen an Gott, dem wahren Hirten: damals wie heute. WortgottesdienstErste Lesung Jeremia hat hier wohl Zedekia, von 597-587 vor Christus König von Juda, im Visier. Er und seine Prinzen verweigern die Aufgabe des Hirten, die den Herrschern aufgetragen ist, sie verkehren das Hirtenamt in sein Gegenteil. Doch Gott, der Eigentümer der Herde, wird für die Seinen sorgen. Er wird diese falschen Hirten bestrafen. Einen Nachkommen Davids wird Gott erwecken, einen, der das zerrissene Volk sammelt und in Gerechtigkeit regiert. Dieser königliche Hirte wird den Namen "Zedekia"  - "Der Herr ist meine Gerechtigkeit" -  zu Recht tragen. Der gegenwärtige Zedekia hingegen straft seinen guten Namen Lügen. Manchmal ist es nötig, die Verhältnisse vom Kopf wieder auf die Füße zu stellen!Zweite Lesung Dieser Abschnitt ist Teil einer ausführlichen Abhandlung über die Einheit, welche die Gemeinde trotz der kulturellen Barrieren, die in der Antike Juden und Heiden trennten, auszeichnet. Vielleicht hat der Autor des Epheserbriefes hier Teile der Taufliturgie verwendet; jedenfalls ist es ein Hymnus auf den, der unser Friede ist. Juden und Heiden werden zur Gemeinschaft innerhalb der Gemeinde aufgerufen, weil sie als Glieder am Leib Christi miteinander verbunden sind. Wie gut würde es auch unseren Gemeinden tun, verengte Milieus aufzubrechen und vermeintliche Gegensätze mutig zu überwinden! Evangelium Nach ihrer ersten "Predigtreise" kehren die Jünger wieder in die Schule zurück. Jesus weiß, dass seine Boten auch die Stille und die Erholung brauchen - wie er selbst immer wieder die Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, um zu beten (vgl. Lk 9,10). Zu schnell gerät man sonst aus dem Tritt, wenn das Alltags-Pendel nicht zwischen Ruhe und Anspannung weit ausschlagen kann. Doch Jesu Wirken zieht Kreise. Man will ihm die Ruhe nicht gönnen und läuft ihm hinterher. Jesus aber bringt wieder die Entspannung ins Geschehen, indem er das Volk lange lehrt. Ruhe können wir auch im ausgedehnten Hören oder Lesen von Gottes Wort finden. Du, Herr, stehst zu den Werken, die du einmal begonnen hast. Vollende auch meine Unvollkommenheit.Aurelius Augustinus(Quelle: Messbuch 2009, Butzon & Bercker Verlag)