01.09.2011 - 11:15

Pontifikalamt im Kölner Dom Jubiläum 150 Jahre Deutscher Schützenbund

Der Deutsche Schützenbund feiert in diesem Jahr sein 150-Jahr-Jubiläum. Aus diesem Anlass übertrug domradio.de in Bild und Ton das Pontifikalamt im Kölner Dom. Es zelebrierte Weihbischof Dr. Heiner Koch, der Bundespräses des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften e.V.

Schützen und katholische Kirche - das ist eine sehr alte und bewährte Verbindung. Schon die ältesten Schützengesellschaften, die vor 800 Jahren entstanden, hatten eine ganz besondere Beziehung zur christlichen Gemeinschaft.

Der Ursprung der Schützenvereine geht auf die mittelalterliche Stadtverteidigung zurück. Eine dafür ausgebildete Gruppe von Bürgern hatte die Aufgabe, die Mauern zu besetzen und die Stadttore zu bewachen. Im Fall der Verteidigung widmeten die Schützen den Gotteshäusern eine besondere Aufmerksamkeit. Auch die vor den Stadtmauern gelegenen Klöster und (Wallfahrts-) Kirchen standen unter dem Schutz der Schützengesellschaften.

Darüber hinaus übernahmen die Schützengesellschaften auch allgemeine kommunale Aufgaben. In der Nachfolge der adligen Ritterturniere führten sie im Rahmen von überregionalen Einladungsturnieren Vergleichswettkämpfe durch, die als älteste bürgerliche Sportaktivitäten und zugleich als Ursprung unserer modernen kommunalen Festkultur gelten. Es gibt im Deutschen Schützenbund heute etwa 800 Schützenvereine, die nachweislich vor dem Jahr 1700 gegründet wurden.

Heilige als Schutzpatrone
Die Verbindung des Schützenwesens zur christlichen Tradition zeigt sich schon ganz äußerlich durch die Vielzahl der Sportschützenvereine nicht nur im Rheinland sondern in ganz Deutschland, die sich nach den Schutzpatronen, vor allem nach dem Heiligen Sebastian und dem Heiligen Hubertus, benennen. Die besondere Verbindung von Kirche und Schützen geht auf das Mittelalter zurück,

Bis heute gestalten in vielen Gegenden Deutschlands die Schützenvereine Fronleichnamsprozessionen und andere kirchliche Anlässe mit, haben spezielle Altäre oder Bereiche im Gotteshaus. Kein moderner Sportschützenverein führt eine neue Vereinsfahne ohne Fahnenweihe ein. In der Regel wird ein Schützenfest durch einen feierlichen Gottesdienst eingeleitet.

Die Wiedergründung des Deutschen Schützenbundes nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte im Jahr 1951 mit tatkräftiger Unterstützung von Pater Dr. Peter Louis, dem Generalpräses des Zentralverbandes (heute: Bund) der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften. Die feierliche Proklamation am 18. November 1951 wurde mit einem Gottesdienst im Dom zu Köln eingeleitet.

Der viertgrößte Spitzensportverband im Deutschen Olympischen Sportbund
Heute ist der Deutsche Schützenbund (DSB) mit 1,4 Millionen Mitgliedern in über 15.000 Vereinen der viertgrößte Spitzensportverband im Deutschen Olympischen Sportbund. Er ist in 20 Landesverbände unterteilt. Neben den olympischen Disziplinen Gewehr, Pistole, Wurfscheibe und Bogen betreut der Deutsche Schützenbund die nichtolympischen Bereiche Laufende Scheibe, Vorderlader, Feldbogen, Armbrust und Sommerbiathlon. Seit 1951 hat der Deutsche Schützenbund seinen Sitz in Wiesbaden.

Nachdem sie in der Folge des Dreißigjährigen Krieges an Bedeutung verloren hatten, kamen die Schützengesellschaften im frühen 19. Jahrhundert als Freiwilligenbataillone im Rahmen der Befreiungskriege gegen Napoleon und als Bürgerwehren in der Zeit der 1848er Revolution wieder zur Geltung. Die parallel zu ähnlichen Entwicklungen bei den Turnern, Sängern und Studenten verlaufenden Vereinigungsbestrebungen führten am 11. Juli 1861 zur Gründung des Deutschen Schützenbundes in Gotha. Er ist damit der älteste deutsche Sportverband. Er gilt als Teil der nationalen und liberalen Einheitsbewegung des 19. Jahrhunderts und zählt zu den Wegbereitern der modernen Demokratie in Deutschland.

Seine Rolle als Vorhut eines geeinten Deutschlands büßte der Deutsche Schützenbund mit der Reichsgründung 1871 ein. Im Kaiserreich konnte er sich gegenüber den populären nationalistischen und Wehrsport treibenden Krieger- und Veteranenverbänden nur schwer behaupten; in der Weimarer Zeit blieb er lange auf das traditionelle Schießen mit Scheibengewehr und -pistole beschränkt. Ab 1933 fiel der Deutsche Schützenbund wie alle anderen Sportverbände der Selbstgleichschaltung zum Opfer und wurde im April 1938 nach dem Eingreifen der Gestapo aus dem Vereinsregister gelöscht.

Einer der erfolgreichsten Sportverbände in Deutschland
Seit der Wiedergründung im Jahr 1951 ist der Deutsche Schützenbund eine der tragenden Säulen des Sports in Deutschland. Der Zusammenschluss mit den neuen Landesverbänden auf dem Gebiet der ehemaligen DDR brachte 1991 einen kräftigen Mitgliederschub und sportliche Impulse. Der Deutsche Schützenbund versteht sich aufgrund der traditionell karitativen, kulturellen und allgemein sozialdienlichen Aktivitäten seiner Mitglieder als Sportverband mit einer besonderen gesamtgesellschaftlichen Bedeutung. Schießen ist eine Sportart, die von Frauen, Männern und selbstverständlich auch von Menschen mit Behinderungen von der Jugend bis ins hohe Alter gleichermaßen betrieben werden kann. Die Deutschen Meisterschaften im Sportschießen sind mit mehr als 7.500 Teilnehmern eine der größten jährlich stattfindenden Sportveranstaltungen in Deutschland.

Der Deutsche Schützenbund ist als führendes Mitglied unter anderem in zwei internationalen olympischen Sportverbänden weltweit vernetzt und regelmäßig Ausrichter von Weltcups, Weltcup-Finalwettbewerben und Weltmeisterschaften.

Der Deutsche Schützenbund ist einer der erfolgreichsten Sportverbände in Deutschland. Schon bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit im Jahr 1896 gehörte das Sportschießen zum olympischen Disziplinenkanon. Seitdem haben deutsche Sportschützinnen und -schützen 15 Gold-, 21 Silber und 15 Bronzemedaillen gewonnen. Die Welt- und Europameistertitel gehen in die Hunderte.

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums wurde die Bedeutung des Deutschen Schützenbundes durch die Herausgabe einer Sonderbriefmarke gewürdigt.