domradio.de wünscht Frohe Weihnachten
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25.12.2014 - 10:00

Pontifikalamt aus dem Kölner Dom Hochfest der Geburt des Herrn

domradio.de übertrug am 1. Weihnachtstag das Pontifikalamt aus dem Kölner Dom mit dem Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki. Es sang der Kölner Domchor unter der Leitung von Eberhard Metternich und Joachim Weller. An der Orgel: Winfried Bönig

In ihren Weihnachtspredigten haben die deutschen Bischöfe zu Solidarität mit Flüchtlingen und anderen Menschen in Not aufgerufen. Vor Tausenden Gläubigen verurteilten sie jede Form von Ausgrenzung und verwiesen auf die Weihnachtsgeschichte, die von der Suche der Heiligen Familie nach Zuflucht berichtet. Zugleich verwahrten sie sich gegen eine Vereinnahmung des Christentums durch die Dresdner "Pegida"-Bewegung.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki rief in seiner Predigt dazu auf, sich vor allem den Menschen am Rande der Gesellschaft zuzuwenden, wie etwa den Obdachlosen, Drogenabhängigen und Flüchtlingen. In Deutschland lebten rund ein Fünftel der Bevölkerung in Armut oder seien von sozialer Ausgrenzung bedroht. Über 16 Prozent seien armutsgefährdet.

Marx kritisiert Vereinfachungen

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, nannte Weihnachten eine "Revolution ohne Vergleich". Dadurch, dass Gott Mensch werde, seien die Anerkennung des anderen und Respekt vor jedem Menschen grundgelegt. Kritisch bewertete der Kardinal, dass auf die "Verunsicherung, ja Verstörung" über die derzeitigen Krisen oft mit "Vereinfachungen, Schuldzuweisungen, Verschwörungstheorien, politischen Ressentiments" reagiert werde.

Der Aachener katholische Bischof Heinrich Mussinghoff plädierte dafür, Zuwanderern Deutsch beizubringen und sie gut auszubilden. Er ermunterte dazu, Flüchtlinge in Sportvereinen zu integrieren, sie zum Kaffee einzuladen oder Familien mit Spielzeug zu unterstützen.

Münsters Bischof Felix Genn kritisierte die asylkritischen Pegida-Proteste ("Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands"). Zwar müssten manche Ängste der Demonstranten ernst genommen werden, doch wer die Herbergssuche von Maria und Josef ernst nehme, müsse sich von dem Schicksal der über 50 Millionen Flüchtlinge zutiefst bewegen lassen und Hilfsbereitschaft zeigen.

Löhr gegen Waffen

Gegen religiös begründete Gewalt und Terrorakte hat sich der Limburger Weihbischof Thomas Löhr in seiner Weihnachtspredigt gewandt. "Im engen Stall von Bethlehem gibt es keinen Platz für Waffen und Rüstung", sagte Löhr im Limburger Dom. Wer meine, mit Krieg und Gewalt die Welt erlösen zu können, irre und halte das Heil auf, das Gott der Welt bringe. Eindringlich appellierte der Bischof auch, Flüchtlingen zu helfen. Christen seien zu Solidarität mit den Opfern von Gewalt verpflichtet.

Vorderholzer für menschenwürdige Betreuung der Asylsuchenden

Der Regensburger katholische Bischof Rudolf Voderholzer hat die Politik aufgerufen, die Ursachen der Flüchtlingsmigration zu bekämpfen. Gleichzeitig sprach er sich in seiner Predigt an Heiligabend für eine menschenwürdige Betreuung der Asylsuchenden aus. Nur wenige der rund weltweit 51 Millionen Flüchtlinge schafften den Weg nach Deutschland. "Ich bin froh, dass wir ihnen ein Bett und ein Dach über dem Kopf, dass wir ihnen vielleicht sogar eine bessere Zukunft bieten können."

Auch der Augsburger katholische Bischof Konrad Zdarsa hat zu einer herzlichen Aufnahme von Flüchtlingen aufgerufen. Wer den Weihnachtsglauben ernst meine, könne die Flüchtlingsstrom der Vielgeplagten nur als einen solchen Appell verstehen, sagte Zdarsa in seiner Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag.

Fürst gegen Pegida

Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst kritisierte, wer unter dem Vorwand, das christliche Abendland vor Überfremdung bewahren zu wollen, Flüchtlingen Hilfe verwehre, verrate christliche Werte, auf denen das Abendland gründe. Wer Weihnachtslieder singe, müsse deren Sinn erfassen: dass Gott mit den Notleidenden und Heimatlosen sei.

Protestanten erinnern an Flüchtlinge

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm forderte in seiner Predigt eine Neuorientierung der Flüchtlingspolitik. Europa müsse mit fairen Handelsbeziehungen und internationalen Kontakten auf Augenhöhe dazu beitragen, dass Menschen nicht mehr zur Flucht gezwungen werden: "Das christliche Europa hat heute die Aufgabe, seinen Umgang mit Flüchtlingen so neu zu gestalten, dass kein Mensch mehr im Mittelmeer ertrinken muss." Zuvor hatte Bedford-Strohm bei einer Begegnung mit Asylbewerbern zu mehr persönlichen Kontakten mit Flüchtlingen aufgerufen.

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, warnte davor, das Leid der Flüchtlinge aufzurechnen. "Gerade Menschen auf der Flucht haben bei Gott einen unzerstörbaren Wert, haben Würde, lange bevor sie auch nur einen Cent zur Steigerung des Bruttosozialproduktes beigetragen haben."