19.04.2011 - 16:17

An Ostern auch politische Forderungen der Bischöfe Hoffnung auf Auferstehung

Kardinal Joachim Meisner sieht in der Hoffnung auf die Auferstehung eine zentrale Botschaft der Ostergeschichte. Mit der Auferstehung Jesu "blieb zum ersten Mal der Tod nicht Sieger im Zweikampf mit dem Leben", sagte der Kölner Erzbischof am Ostersonntag im Kölner Dom. Einige Bischöfe forderten in ihren Predigten Konsequenzen aus Fukushima und Libyen.

"Zum ersten Mal hob sich der eiserne Vorhang, der das Land des Todes vom Land des Lebens scheinbar für immer trennte, vor der Menschheit." Damit sei der Ostermorgen "der Anfang einer neuen Schöpfung", deren Keim der gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus sei, sagte Meisner. Daraus entfalte sich neues Leben über Räume und Zeiten, bis es am Jüngsten Tag in der Auferstehung der Toten im neuen Himmel und der neuen Erde zur Volleindung komme.

Erzbischof Zollitsch ruft zu neuer Solidarität auf
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat an Ostern dazu aufgerufen, "Frontstellungen" in Kirche und Politik abzubauen und sich neu zu solidarisieren. "Visionen werden selten umgesetzt, wenn sich Milieus, Parteien und Glaubensgemeinschaften in sich verkapseln", sagte der Freiburger Erzbischof in seiner Predigt am Ostersonntag im Freiburger Münster.

Er wünsche eine neue Solidarität als "innerkirchliche Perspektive", hoffe aber zugleich, dass diese Haltung auch auf das politische Leben überspringe, fügte Zollitsch hinzu. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima und mit Blick auf andere aktuelle Herausforderungen gelte dies gelte mehr denn je.

Der Erzbischof mahnte insbesondere einen neuen Lebensstil in Rücksicht auf die kommenden Generationen an. "Wir finanzieren unseren Wohlstand zu Lasten kommender Generationen und der Ärmsten in dieser Welt", sagte er. Ostern fordere aber "ein grundsätzliches Umdenken, ja eine Kursänderung von jedem".

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen kritisierte die Präimplantationsdiagnostik (PID) scharf, mit der menschliche Embryonen auf genetische Fehler untersucht werden. "Es geht um die Tendenz einer Gesellschaft, die sich anschickt, nicht nur nach den Schwächen eines Menschen zu fahnden, sondern nach den Schwachen, um sie auszusondern", sagte Algermissen.

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst erinnerte an die Opfer der politischen Unruhen in Libyen und Syrien. Man werde "stumm", wenn Menschen gewaltsam Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden vorenthalten werde.

Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle, zugleich Vorsitzender der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, rief dazu auf, die Menschen in Nordafrika nicht alleine zu lassen. Die Dynamik der Umwälzungen verbiete es, nur Zuschauer zu bleiben. "Ob wir wollen oder nicht - wir sind Nachbarn jener Menschen, die ihre Hände ausstrecken, damit wir ihnen Verständnis, Hilfe und Unterstützung zukommen lassen", sagte Trelle.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx plädierte für eine europäische Lösung des Flüchtlingsproblems. Deutschland stehe ebenso in der Verantwortung wie die Mittelmeer-Anrainer. Für die 20.000 oder 30.000 Flüchtlinge, um die es gehe, gelte es eine "menschenwürdige Lösung" zu finden. Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Bischofskonferenz, Erzbischof Ludwig Schick aus Bamberg, kritisierte die Reaktion der EU-Staaten. Italien handle irrational, indem es Visa ausstelle und das Schengener Abkommen gefährde; Frankreich wiederum sperre die Grenzen. Aber auch in Deutschland würden Angst und Ablehnung gegen die Flüchtlinge geschürt.

Schick gegen Waffenlieferungen an Libyen
Mit deutlichen Worten sprach sich der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick gegen Waffenlieferungen nach Libyen aus. Es sei richtig, die Waffenlager des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi zu zerstören, aber falsch, den Gegnern Waffen zu liefern.

Mehrere katholische Bischöfe erneuerten ihre Forderung nach einem grundsätzlichen Verbot der Präimplantationsdiagnostik. Der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff, sagte, der Mensch mache sich "zum Herren über Leben und Tod", wenn er im Reagenzglas befruchtete Eizellen auf Erbschäden untersuche und gegebenenfalls töte.

Reinelt warnt vor "Kultur des Todes"
Der Bischof von Dresden-Meißen, Joachim Reinelt, sieht in der Methode ein Beispiel für eine "Kultur des Todes". Ähnlich äußerte sich der Magdeburger Bischof Gerhard Feige. Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen bezeichnete die Auswahl zwischen sogenannten Wertvollen und sogenannten Unwerten als weit unter der Würde des Menschen stehend. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck mahnte einen kompromisslosen Lebensschutz an. Das Leben beginne mit der Verschmelzung von Samen- und Eizelle. Deshalb sei die katholische Kirche gegen eine Zulassung der Präimplantationsdiagnostik.

Paderborner Erzbischof wendet sich gegen Idee der "Wiedergeburt"
Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat sich in seiner Osterpredigt gegen den Gedanken der "Wiedergeburt" gewandt. Viele Menschen und nicht wenige Christen seien der Auffassung, dass sie Teil eines Lebensstromes seien und immer wieder in je neuer Gestalt zur Welt kommen, sagte er am Ostersonntag im Paderborner Dom. Diese Sicht deute in Wirklichkeit auf eine Flucht vor dem Tod und eine Flucht vor dem Leben. Sie mache das Leben beliebig und wiederholbar und entwerte "das Leben hier und jetzt". Dagegen bedeute Auferstehung im christlichen Sinne, dass das Leben in der Gemeinschaft mit Gott zu seinem Ziel komme, sagte Becker. Dies sei die wichtigste Osterbotschaft.

Genn: Osterbotschaft erfüllt Sehnsucht nach Unsterblichkeit
Der Bischof von Münster, Felix Genn, hat zu Ostern dazu aufgerufen, sich ganz auf die Botschaft von der Auferstehung einzulassen. "Hier wird wahr, dass die tiefste Sehnsucht unseres Herzens, unsterblich sein zu dürfen, nicht leer ausgeht", sagte er am Ostersonntag im Dom zu Münster. Wer sich vom auferstandenen Jesus berühren lasse und Ostern aus der Freundschaft mit ihm heraus feiere, der wisse um die vielfältigen Gefährdungen des Lebens und setze sich für den Schutz des Lebens ein.

Schneider: Ostern muss Christen in Bewegung bringen
Nach den Worten des evangelischen Präses Nikolaus Schneider muss Ostern zum Handeln gegen Katastrophen und Leid bewegen. Auch gläubigen Christen sei die Furcht vor zerstörerischen Mächten vertraut; "aber die Furcht kann uns nicht mehr lähmen", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland
(EKD) am Ostersonntag in der Düsseldorfer Johanneskirche. Dies gelte bei Unglücksfällen wie in Fukushima, aber auch angesichts fremder Not.

"Wir können an der Not auch der fernen Nächsten nicht einfach vorüber gehen", sagte Schneider. Er erinnerte an die Opfer von Kriegen und Bürgerkriegen sowie an die Bootsflüchtlinge aus Nordafrika. Die Osterfreude helfe, "vor dem Leid unserer Mitmenschen nicht abzustumpfen".

Die Auferstehung zeige, dass der Tod Jesu "nicht der Schlusspunkt der Geschichte des Gottessohnes" und der Geschichte Gottes mit den Menschen sei. "Menschen müssen ihr Vertrauen, ihr Hoffen und ihr Lieben nicht unter Leid und Todeserfahrung begraben." An Gottes Handeln in der Welt zu glauben, bedeute nicht, alles durch eine rosarote Brille zu sehen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende.

"Christenmenschen verschließen nicht die Augen vor den schrecklichen Realitäten der Welt. Und Christenmenschen weichen ihnen auch nicht aus", sagte Schneider. Deutsche und Westeuropäer lebten auf Kosten anderer und über ihre Verhältnisse, "uns allen ist klar, dass wir uns einschränken und sparen müssen", so Zollitsch angesichts von Finanzkrise und Gefahr für die Sozialsysteme. Ostern könne dabei eine "unglaubliche Dynamik" entfalten. Denn der Glaube an den Auferstandenen ermögliche einen neuen Blick für die Mitmenschen und die "Herausforderungen, vor denen wir als Gesellschaft stehen".

Ostern feiern Christen die Auferstehung Jesu Christi. Die Botschaft von Kreuz und Auferstehung ist das Fundament des Glaubens. Christen sehen in ihr die Gewähr dafür, "dass am Ende das Leben über den Tod, die Wahrheit über die Lüge, die Gerechtigkeit über das Unrecht, die Liebe über den Hass und selbst über den Tod siegen wird", so der Erwachsenen-Katechismus.

Seit dem Konzil von Nizäa im Jahre 325 wird das älteste Fest der Christenheit am Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond gefeiert. Da die orthodoxe Kirche der Kalenderreform unter Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 nicht folgte, feiern Ost und West zumeist an unterschiedlichen Tagen. In diesem Jahr allerdings feiern katholische, evangelische und orthodoxe Christen das Fest von Tod und Auferstehung Jesu am selben Tag.

In der Bibel wird der Akt der Auferstehung nicht beschrieben. Nirgends ist davon die Rede, dass sie jemand beobachtet habe. In der Heiligen Schrift gibt es jedoch Berichte über das leere Grab, die Verkündigung der Auferstehung durch einen Engel, über Erscheinungen des Auferstandenen und die Bekenntnisse, die diesen Glauben bezeugen. Schon früh gab es Versuche, die Auferstehung als Betrug hinzustellen, so mit einer Betrugs- und Diebstahlshypothese oder der Verwechslungs- und Scheintodhypothese.

In der Liturgie der Osternacht wird eine Reihe von Symbolen genutzt, um den Auferstehungsglauben zu verdeutlichen: So etwa das zu Anfang des Gottesdienstes entzündete Feuer, mit dem Christus als Licht der Welt begriffen werden soll, oder das während der Feier gesegnete Wasser, das an die Taufe erinnert.

Im Zusammenhang mit Ostern gibt es zahlreiche Bräuche. Der bekannteste ist, bemalte Eier zu verschenken. Das Ei ist in den meisten Kulturen ein Symbol für Fruchtbarkeit und neues Leben. Es soll Zeichen dafür sein, dass durch die Auferstehung neues Leben möglich wird.