18.03.2011 - 08:39

Katholiken beten bundesweit in Gottesdiensten für Japan Die Hoffnung bleibt

Bei Gottesdiensten in ganz Deutschland haben am Zweiten Fastensonntag Katholiken für Japan gebetet. "Wir leiden mit den Opfern der Katastrophe und bangen mit ihnen, dass sie vor einer noch größeren Nuklearkatstrophe bewahrt werden", sagte im Kölner Dom Generalvikar Schwaderlapp. Bayrische Bischöfe mahnten einen schnellen Atomausstieg an.

"Ohne Hoffnung können wir nicht leben", zitierte Dominik Schwaderlapp in seiner Predigt am Sonntag (20.032011) einen im Fernsehen interviewten Japaner. Und fragt weiter: "Wie können wir zu dieser Hoffnung kommen?" Das Matthäus Evangelium von der Verklärung des Herrn (17,1-9) könne hier helfen.

"Wenn wir die Nähe Gottes suchen, finden wir die Hoffnung, die uns den Halt gibt, wenn alles andere zerbricht." Außerdem seien das "Zutrauen zu Gottes Allmacht" und "Geduld als Lebenshaltung" notwendig.

Marx: Politik muss Brücke zum Atom-Ausstieg auch beschreiten
Aus der Atom-Katastrophe in Japan müssen nach Auffassung des Münchner Kardinals Reinhard Marx Konsequenzen gezogen werden. Die Gefahren der Atomenergie dürften kein zweites Mal in Vergessenheit geraten, wie es nach Tschernobyl 1986 passiert sei, sagte Marx am Wochenende in Waldkraiburg. "Unsere Skepsis ist gestiegen, weil das Restrisiko der Atomkraft nicht beherrschbar und die Endlagerung nicht geklärt ist." Das von der Politik benutzte Wort "Brückentechnologie" bedeute, dass die Brücke zum Ausstieg auch beschritten werden müsse.

Marx erinnerte daran, dass bereits 1980 der damalige Kölner Kardinal Joseph Höffner die Atomtechnik für nicht beherrschbar und aus Sicht der Kirche für auf Dauer nicht akzeptabel erklärt habe. Katholiken seien aufgerufen, die Frage der Grenzen des Menschen umfassender und ganzheitlicher zu beantworten. Energiepolitik und Schutz des Lebens gehörten zusammen, sagte der Erzbischof mit Blick auf die Debatte um die Präimplantationsdiagnostik. - Marx äußerte sich bei der Frühjahrsvollversammlung des Münchner Diözesanrats.

Schick: Atomausstieg geht nur mit Verzicht im Lebenswandel
Der Ausstieg aus der Atomkraft muss nach den Worten des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick mit einem bescheideneren Lebensstil einhergehen. Alles andere wäre verlogen und sinnlos, sagte Schick am Sonntag in Burgebrach. Als konkrete Schritte nannte er, regionale Produkte einzukaufen, ein klares Bekenntnis zu Niedrigenergiehäusern, aber auch weniger energieverbrauchende Schwimmbäder und andere öffentliche Gebäude sowie weniger Bräunungs- und Fitnessinstitute.

"Auch die Autoindustrie kann sich umstellen", so der Bamberger Erzbischof. Schon jetzt sei es möglich, benzinsparendere Autos herzustellen. Dies würde auch viele neue Arbeitsplätze schaffen. Mit dieser Umstellung schone man auch das Klima und helfe damit den von Dürre- oder Flutkatastrophen betroffenen Menschen in den Entwicklungsländern. Generell brauche es weltweit einen unverzüglichen, geordneten Ausstieg aus der Atomkraft "ohne Wenn und Aber". - Schick äußerte sich bei der diözesanen Eröffnung der Misereor-Fastenaktion.

Aufruf der Bischöfe
Die katholischen Bischöfe Deutschlands hatten am Donnerstag in einem am Donnerstag bei der Frühjahrsvollversammlung in Paderborn veröffentlichten Brief an den Vorsitzenden der Japanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Leo Jun Ikenaga, zum Gebet für die Menschen in Japan aufgerufen.

"Die deutschen Katholiken wissen sich in dieser Lage ihren Glaubensgeschwistern und allen Menschen in Japan besonders nahe. Seit dem Erdbeben wird täglich in den Fürbitten für sie gebetet", betonen die Bischöfe. Die deutschen Katholiken seien beeindruckt von der Gefasstheit und Disziplin sowie der Hilfsbereitschaft der japanischen Bevölkerung. "In der Krise geben die Japaner aller Welt ein Beispiel dafür, dass die Stunde von Not und Gefahr auch die Stunde von Mitmenschlichkeit und Solidarität sein kann. Für dieses Zeugnis dürfen auch wir dankbar sein."

Am Freitag (25.03.2011) findet erneut ein Gedenkgottesdienst im Kölner Dom statt, den domradio.de live überträgt.