19.04.2011 - 16:12

Kardinal Meisner in der Osternacht "Wir sind bei Gott"

Ostern lässt sich nach den Worten von Kardinal Joachim Meisner mit dem Gefühl beim Aufstieg eines Flugzeugs vergleichen. "Aufwärts, dem Himmel entgegen, die Erde aber bleibt unten", sagte der Kölner Erzbischof in seiner Osternachtspredigt im Kölner Dom.

Während es in der Weihnachtsbotschaft heiße "Gott ist bei uns", laute es in der Osternacht "Wir sind bei Gott". Das Osterhalleluja gläubiger Christen bedeute "Jesus lebt - mit ihm auch ich!"

"Christus ist wirklich auferstanden von den Toten", betonte der Kardinal. Wen diese Botschaft nicht berühre, bei dem bleibe alles beim Alten, bei der Todesverfallenheit. Der Erzbischof warf die Frage auf, warum das Glaubensleben "oft von einer solchen inneren Lähmung, von schleppenden Schritten und von Pessimismus und Hoffnungslosigkeit erfüllt" sei. Meisner rief die Christen auf, "in einer guten Osterbeichte und in einem ehrlichen Bekenntnis" ihr Taufversprechen zu erneuern.

Kardinal Lehmann ruft zur Solidarität auf
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann ruft die Menschen zu Ostern zu mehr Solidarität auf. "Der Glaube, der aus der Auferstehung kommt", lasse uns "eine neue Solidarität entdecken, die unsere Welt ganz dringen braucht", heißt es in Lehmanns Osterpredigt am Sonntag im Mainzer Dom laut vorab veröffentlichtem Manuskript. Die Menschen hätten aber oft Angst, "grundlegend solidarisch zu sein mit Bedrängten in aller Welt".

Laut Lehmann setzten die Menschen die Zukunft der Welt ohne großes Nachdenken mit dem eigenen Leben gleich. Dies führe häufig auch zu einem Leben, das nicht an die nachfolgenden Generationen denke. An Ostern könne es durch den Gegensatz von Leben und Tod durch die Auferstehung Jesu gelingen, ganz neue Lebensfreude zu gewinnen, "aber eben nicht nur für uns, sondern für die ganze Welt".

Erzbischof Becker: Jesus als Lebenden bezeugen
Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker hat die Christen zu Ostern aufgefordert, Jesus als Lebenden zu bezeugen. Bei der Osternachtsfeier im Paderborner Dom warnte er vor einem "Sterben der Menschen vor dem Tod". Dies könne besiegt werden, indem Menschen sich Freude schenken, gegenseitig Mut machen, helfen, einander vergeben und "alles Kleine und Kleinliche vergessen". Der Erzbischof rief dazu auf, "dass wir auferstehen aus dem Grab unserer Missgestimmtheiten, aus dem Grab unserer Resignation, aus dem Grab der Mutlosigkeit, aus dem Grab der Herzenshärte, aus dem Grab der Müdigkeit und Trägheit".

Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff plädierte für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID). Der Mensch mache sich "zum Herren über Leben und Tod", wenn er im Reagenzglas befruchtete Eizellen auf Erbschäden untersuche und gegebenenfalls töte. Auch andere "Dunkelheiten" wie die Waffenlieferungen des Westens an den libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi, die Atomkatastrophe in Japan oder der sexuelle Missbrauch durch Priester würfen die Frage auf, ob es Gott gebe. Die Botschaft von der Auferstehung löse "nicht all unsere Dunkelheiten" auf, betonte Mussinghoff, sie lasse aber die Welt "im Licht der Hoffnung sehen".

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck drängte auf einen Ausstieg aus der Atomenergie. "Ihre Gefährdungen und Belastungen für die nach uns kommenden Generationen verhindern Leben", betonte er. Auch Overbeck wandte sich gegen die PID. Zudem forderte er ein Ende der gewaltsamen Auseinandersetzungen in den arabischen Ländern.

Ostern, was ist das?
Ostern feiern Christen die Auferstehung Jesu Christi. Die Botschaft von Kreuz und Auferstehung ist das Fundament des Glaubens. Christen sehen in ihr die Gewähr dafür, "dass am Ende das Leben über den Tod, die Wahrheit über die Lüge, die Gerechtigkeit über das Unrecht, die Liebe über den Hass und selbst über den Tod siegen wird", so der Erwachsenen-Katechismus.

Seit dem Konzil von Nizäa im Jahre 325 wird das älteste Fest der Christenheit am Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond gefeiert. Da die orthodoxe Kirche der Kalenderreform unter Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 nicht folgte, feiern Ost und West zumeist an unterschiedlichen Tagen. In diesem Jahr allerdings feiern katholische, evangelische und orthodoxe Christen das Fest von Tod und Auferstehung Jesu am selben Tag.

In der Bibel wird der Akt der Auferstehung nicht beschrieben. Nirgends ist davon die Rede, dass sie jemand beobachtet habe. In der Heiligen Schrift gibt es jedoch Berichte über das leere Grab, die Verkündigung der Auferstehung durch einen Engel, über Erscheinungen des Auferstandenen und die Bekenntnisse, die diesen Glauben bezeugen. Schon früh gab es Versuche, die Auferstehung als Betrug hinzustellen, so mit einer Betrugs- und Diebstahlshypothese oder der Verwechslungs- und Scheintodhypothese.

In der Liturgie der Osternacht wird eine Reihe von Symbolen genutzt, um den Auferstehungsglauben zu verdeutlichen: So etwa das zu Anfang des Gottesdienstes entzündete Feuer, mit dem Christus als Licht der Welt begriffen werden soll, oder das während der Feier gesegnete Wasser, das an die Taufe erinnert.

Im Zusammenhang mit Ostern gibt es zahlreiche Bräuche. Der bekannteste ist, bemalte Eier zu verschenken. Das Ei ist in den meisten Kulturen ein Symbol für Fruchtbarkeit und neues Leben. Es soll Zeichen dafür sein, dass durch die Auferstehung neues Leben möglich wird.

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Bilder und Worte des Trostes - Trostbüchlein von Pater Georg Geisbauer (Überschrift zum Verknüpfen)----Erhältlich in folgenden Pfarrbüros in Köln:--St. Joseph und St. Mechtern, St. Peter, St. Anna und St. Barbara--oder über den Autor selbst:--Pater Georg Geisbauer O.Carm.--Klarastraße 17--50 832 Köln--email: patergeorg@gmx.de