23.09.2018 - 10:00

Fünfundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis Kapitelsamt im Kölner Dom

DOMRADIO.DE übertrug am fünfundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom mit Domkapitular Thomas Weitz. Es sang das Vokalensemble Kölner Dom unter der Leitung von Eberhard Metternich. An der Orgel: Michael Krebs.

In seiner Predigt zitierte Domkapitular Thomas Weitz das Markusevangelium. Darin heißt es über die Jünger, die Jesus zuhörten: "Sie aber verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch ihn zu fragen."

Es gebe auch in unserem Alltag Situationen, in denen wir uns scheuen nachzufragen, gab Domkapitular Weitz zu bedenken: Lässt unser Gegenüber überhaupt Fragen zu? Oder versetzen wir damit eine Autorität, einen Vorgesetzten oder unsere Eltern in Wut? "Fragen zu stellen, braucht Mut", sagte Domkapitular Weitz dazu in seiner Predigt.

Es könne aber auch sein, dass die Jünger nicht weiter fragten, weil sie nicht mehr wissen und verstehen wollten. "Fragen sind gefährlich, weil es Antworten geben kann", so Domkapitular Weitz. Dadurch müssten die Jünger ihr Weltbild nicht überdenken. Doch in seiner Predigt gab Domkapitular Weitz zu bedenken: "Eine Antwort finden wir nur, wenn wir den finden, der die Mitte nicht mit seinem Ich anfüllt, sondern in der Mitte Platz lässt, um aufzunehmen und anzunehmen. Den Reichen und den Armen, den Klugen und den Nichtsoklugen, den Linken und den Rechten, den Geschickten und den Ungeschickten."

"Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat." (Mk 9,36f.)

Auslegung zum Sonntagsevangelium von Klemens Stock

Die Jünger Jesu haben sich mit Rang und Plätzen befasst (Mk 9,34; vgl. 10,35–41). Und was kann es für ernste, strebsame Männer Wichtigeres geben als Rang, Stellung, soziales Prestige? ... Ihnen nennt Jesus den Dienst als einzigen Maßstab von Größe. Und mitten in ihre würdige Runde stellt er ein Kind. Die Jünger mögen das als unpassend empfunden haben. Ein Kind kann doch nur stören. Jesus will sie mit seinem Handeln aber auf das aufmerksam machen, was wirklich wichtig ist, was wirklich groß macht. Er sagt ihnen: Wer ein solches Kind aufnimmt, der nimmt mich auf und den, der mich gesandt hat. Der Dienst am Kind ist Dienst für Gott. Es kann nichts Größeres geben als Gott einen Dienst erweisen. Ein Kind aufnehmen heißt nicht, ihm ein Almosen geben und es wegschicken, sondern heißt, die Sorge und Verantwortung für das Kind übernehmen.

Es wird die Meinung vertreten, dass Jesus dieses Beispiel für Dienst gewählt hat, weil zu seiner Zeit die Kinder zu den Geringsten zählten und missachtet waren. Am Beispiel des Kindes habe Jesus zeigen wollen, dass die Jünger auch den Geringsten dienen müssen. Vielleicht kann man noch weitergehen und sagen, dass Jesus hier ein Beispiel gebraucht hat, das durch kein anderes ersetzt werden kann. Er hat hier wohl einen umfassenden Maßstab aufgestellt für das, was im menschlichen Leben und Handeln wirklich wichtig und richtig ist. Wir können heute dafür ein besonderes Verständnis haben. ... Die Kinder sind die hilflosesten und zugleich die sensibelsten Mitglieder der menschlichen Gesellschaft. ... Der Zustand der Kinder zeigt an, wie es in Wahrheit mit dem menschlichen Leben und Zusammenleben steht. ...

Aus: Magnificat. Das Stundenbuch. September 2018