07.09.2008 - 09:26

Kapitelsamt aus dem Kölner Dom - Predigt hier nachhören 23. Sonntag im Jahreskreis

domradio übertrug am 23. Sonntag im Jahreskreis das Kapitelsamt mit Domkapitular Josef Sauerborn aus dem Kölner Dom. Der Mädchenchor am Kölner Dom sang unter der Leitung von Natalie Badura "A little Jazz Mass" von Bob Chilott. An der Orgel spielte Winfried Bönig, am Klavier Oliver Sperling.

Wer meine Hilfe braucht, ist mein Nächster und meine Nächste - auch dann, wenn ich mit diesen Leuten sonst nichts zu schaffen habe. Wo immer ich mich fremder Not öffne, da darf ich wissen, dass ich nicht allein bin, dass Gott in der Nähe ist. Gottes gute Gegenwart und meine  Verantwortung für den Nächsten schließen sich nicht aus. Der jüdische Philosoph Emmanuel Levinas (1906-1995) hat es einmal so ausgedrückt: Gottes Fürsorge besteht darin, dafür zu sorgen, dass der andere mir in die Arme läuft. WortgottesdienstErste LesungIm Jahre 597 vor Christus wird die Jerusalemer Oberschicht von der Großmacht Babylon in die Verbannung gezwungen. Nach der Eroberung und Zerstörung der Stadt trifft die breite Masse  der Bevölkerung das gleiche Los. Ezechiel, der zur Vorhut gehörte, wird in Babel von Gott zum Propheten berufen. Er wird Gottes Menschenwächter. Seine Verantwortung für die Verbannten löscht deren eigene Verantwortung nicht aus. Doch wenn jemand zugrunde geht, weil der Prophet sein Amt vernachlässigt hat, wird ihn Gott zur Rechenschaft ziehen. Sich in Gottes Nähe rufen zu lassen, das braucht gewiss Mut. Doch noch gewisser ist dies: Gottes Nähe macht Mut.Zweite LesungNiemandem etwas schuldig bleiben, das ist ein wichtiger Leitsatz. Es ist gut, wenn wir so zu leben versuchen. Die anderen sind dann vor unseren Übergriffen, vor Betrug und Ausbeutung geschützt. Aber es gibt eine Erfahrung, die über das Lebensziel, mit dem anderen quitt zu sein,  hinausweist, hinausschießt. Es ist die Erfahrung der Liebe. Lieben heißt Geben. Geben  heißt nicht tauschen. Ich gebe nicht, damit du gibst. Ich spekuliere nicht auf deine Gegengabe. Nur in einer Atmosphäre des Ver-trauens, nicht in Angst und Unsicherheit, ist gelöstes Geben möglich. In Christus hat Gott diese Atmosphäre geschaffen. (Quelle: Messbuch 2008, Butzon & Bercker Verlag)