08.06.2008 - 08:53

Kapitelsamt aus dem Kölner Dom - Predigt hier als Video und Audio Zehnter Sonntag im Jahreskreis

domradio übertrug am zehnten Sonntag im Jahreskreis das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom mit Domkapitular Prälat Dr. Günter Assenmacher. Sie hörten die Missa Octavi Toni von Orlando di Lasso. Es sang der Kölner Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Prof. Eberhard Metternich. Die Orgel spielte Domorganist Winfried Bönig.

Wer gut aussieht, hat es leichter - das findet mehr als die Hälfte der Deutschen. Vierzig Prozent äußerten bei einer Umfrage sogar die Bereitschaft, "mit allen technischen Mitteln" gegen unerwünschte Spuren des Alterns vorzugehen. Dass es vor allem auf das Äußere ankommt, scheint immer mehr zum Credo unserer Gesellschaft zu werden. Das allerdings ist nicht die Sicht Gottes, wie uns die Lesungen an diesem Sonntag vor Augen führen. Gott sieht in unser Herz und will, dass wir es für ihn öffnen. Erste LesungWankelmut und einen bloß äußerlichen Glauben - das prangert der Prophet Hosea im Namen Gottes bei seinem Volk an. Vieles, was wir aus diesem Buch des Alten Testamentes hören, kommt uns heute fremd vor, vor allem, dass der Prophet die Untreue des Volkes gegenüber Gott durch seine Ehe mit einer Kultdirne zeichenhaft darstellen soll. Anderes ist uns umso leichter zugänglich. Besonders in Zeiten wirtschaftlichen Wachstums (und überall, wo Wachstum vergöttert wird) besteht die Gefahr, die Beziehung zu Gott zu vernachlässigen. Allzu leicht schließt man dann Kompromisse mit anderen "Kulten", der Gottesdienst gerät zur reinen Pflichtübung. Daran hat sich seit Hosea wenig geändert.Zweite LesungAm Beispiel des Erzvaters Abraham führt Paulus aus, dass es entscheidend auf den Glauben ankommt - nicht auf religiöse "Leistung". Diese Erkenntnis kann froh und frei machen. Doch wie schwer fällt es oft, sich wirklich darauf einzulassen! Unsere handfesten Erfahrungen und der im Alltag geforderte "Realitätssinn" scheinen näherzuliegen. Schließlich sind wir es gewohnt, Geschäfte zu machen; alles muss sich rechnen, muss von uns selbst abgesichert sein. "Unglaube" nennt Paulus eine solche Haltung.EvangeliumGott sieht das Herz und nicht nur die Taten des Menschen - das ist auch die Botschaft des heutigen Evangeliums. Natürlich weiß Jesus, dass ein Zöllner alles andere als vorbildlich lebt. Und so steht Matthäus beziehungsweise Levi (so heißt der Zöllner im Lukas- und Markus-Evangelium) als Kollaborateur der römischen Besatzungsmacht im gesellschaftlichen Abseits. Doch Jesus spricht genau diesen Menschen an und der lässt sich berühren. Die ungerechten Taten des Zöllners werden damit nicht vom Tisch gewischt. Jesus spricht ausdrücklich von "Kranken" und "Sündern"; er erwartet also eine Änderung dieses Verhaltens. Entscheidend ist aber, dass sich der Mensch von Gott rufen ließ.(Quelle: Messbuch 2008, Butzon & Bercker Verlag)