Heilige Messe aus dem Kölner Dom
Heilige Messe aus dem Kölner Dom

19.12.2009 - 11:35

Kapitelsamt aus dem Kölner Dom - Predigt als Audio und Video Vierter Adventssonntag

domradio.de übertrug am Vierten Adventssonntag live aus dem Hohen Dom zu Köln das Kapitelsamt. Zelebrant war Domdechant Prälat Johannes Bastgen. In seiner Predigt beschäftigt er sich mit der "einflussreichsten Frau der Weltgeschichte": Maria. Sie war in der entscheidenen Stunde der Menschen da. In der Sternstunde der Menschheit, Christi Geburt.

"Rorate, caeli, desuper!" - "Tauet, ihr Himmel, von oben!" Der heutige Eröffnungsvers formuliert die Hoffnung auf Leben im Bild vom Tau, der dringend vom Himmel erfleht wird. In der Tradition der Rorate-Messen stehen die leuchtenden Kerzen in der dunklen Kirche für die Zuversicht, dass alles gut werden kann. Leben spendendes Wasser für dürres Land, Licht in der Finsternis - adventliche Bilder der Sehnsucht, der wir uns im Advent ganz besonders stellen können.Erste LesungDer Prophet Micha ("Wer ist wie Jahwe?") tritt in seiner Zeit als leidenschaftlicher Sozialkritiker auf. Er protestiert gegen die Zerstörung der gesellschaftlichen Solidarität und die Verarmung weiter Kreise der Bevölkerung. Er droht kommendes Unheil an. Er entwirft aber auch das heilvolle Gegenbild - so in dem Abschnitt, den wir heute hören. Aus der kleinen Stadt Betlehem, aus der der legendäre König David stammte, wird wieder ein großer Herrscher hervorgehen. Heimkehr, Sicherheit, Friede sind doch möglich, in der Kraft Jahwes. Christen stellen sich in die Tradition dieser prophetischen Hoffnung Israels und sie sehen sich darin durch Jesus bestätigt.Zweite LesungDer Verfasser des Hebräerbriefs wendet sich gegen Ende des 1. Jahrhunderts an Christen, die aus der jüdischen Tradition kommen. In seinem seelsorgerlich mahnenden Schreiben will er sie ermuntern, auch in Schwierigkeiten und leidvollen Situationen am Glauben festzuhalten. Er zeigt auf den Juden Jesus, wie er, ganz in der kritischen Tradition der Propheten seines Volkes verwurzelt, gegen einen falsch verstandenen Opferkult angeht. Gott will keine veräußerlichte, zur Schau getragene Frömmigkeitsübung. Es kommt darauf an, "den Willen Gottes zu tun". Jesus hat in seinem Leben darum gekämpft, Gottes Willen zu ergründen und sein Leben mit allen Konsequenzen danach ausgerichtet. "Dein Wille geschehe" - so hat er auch uns zu beten gelehrt. Es ist eine große, lebenslange Aufgabe, aus den vielen Stimmen, die zu mir und in mir sprechen, die herauszuhören, die von Gottes Willen spricht. Und ihr zu antworten.EvangeliumUnzählige Künstler hat es inspiriert: das Bild der beiden schwangeren Frauen, Maria und Elisabet, die einander staunend gegenüberstehen und sich viel zu sagen haben. Lukas stellt es uns lebendig vor Augen. Was ist so berührend an dieser Szene? Elisabet erkennt die Größe der jungen Frau, die zu ihr kommt, und kann sie groß sein lassen. Maria lässt in ihrem "Magnificat" Gott groß sein, der das Kleine groß macht. Wir dürfen glauben, dass, wenn wir uns begegnen, Gottes Geist am Werk sein kann, dass er uns in der Begegnung von Mensch zu Mensch verstehen lässt, was lebenswichtig ist, dass er uns ermutigt, dies einander mitzuteilen. Wir hören, dass ein Mensch ein Segen sein kann. Und wir erfahren, dass es gut tut, Dankbarkeit und Freude jubelnd zu äußern und darin Gott zu entdecken. (Quelle: Messbuch 2009, Butzon & Bercker Verlag)