21.12.2008 - 09:30

Kapitelsamt aus dem Kölner Dom Vierter Adventssonntag

domradio.de übertrug am vierten Adventssonntag das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom. In seiner Predigt erinnerte Dompropst Dr. Norbert Feldhoff an den Weg des Glaubens, den die Gottesmutter Maria gegangen ist. "Sie hat Schmerz, Trauer und Verzweiflung erlebt. Maria ist die, die geglaubt hat."

Das Fest der Ankunft Gottes steht bevor. Die Zeit der Vorbereitung läuft auf ihr Ziel zu: Erfüllung aller Erwartung. Die Sehnsucht kommt nach Hause, findet Ruhe. Und doch - die Hoffnung findet in dem Mensch gewordenen Gotteswort nicht das Erwartete, das ihren Vorstellungen, Wünschen und Plänen Entsprechende, sondern das Unverhoffte, denn das Geheimnis, das nun vor aller Welt offenbar wird, bleibt Geheimnis, durchkreuzt immer wieder unsere Vorstellungen und Wünsche, überschreitet und überbietet und verwandelt sie.WortgottesdienstErste LesungDavid hat sich als König etabliert und ist sesshaft geworden in seinem Palast in Jerusalem. Sollte das seinem Gott, der ihn auf dem Weg zum Königtum begleitet hat, nicht auch zukommen? Denn David hat sein Herumirren, sein Leben auf der Flucht, als Last erfahren und diese Last will er jetzt auch Gott abnehmen. Er will dem Herrn ein Haus bauen, einen festen Tempel aus Zedernholz. Aber Gott lässt sich nicht berechnen, nicht in unsere Pläne einbauen, er lässt sich von uns nicht festnehmen und festsetzen. Ich baue dir ein Haus, so lautet Gottes Botschaft für David. In Gottes Perspektive meint Haus keinen festen Ort oder klar umgrenzten Raum. Das Wort "Haus" wird zu einem dynamischen Begriff, wenn Gott dem David den Fortbestand seiner Dynastie in seinem Sohn verheißt. Gott bleibt - in Bewegung.Zweite LesungPaulus verkündet am Ende des Briefes an die Gemeinde in Rom die Erfüllung der Schrift in zweifacher Weise: Das große Geheimnis, auf das die prophetischen Schriften verweisen, ist jetzt offenbar: Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus. Der Größe dieses Geheimnisses entspricht die Erfüllung einer anderen prophetischen Hoffnung: Alle Völker kommen zum Glauben an Gott, den einen Herrn. Paulus jubelt der zum Glauben gekommenen christlichen Gemeinde zu: Ihr seid es, ihr seid die Erben dieser Hoffnung, und ich danke Gott, dass er euch die Kraft dazu gegeben hat.EvangeliumDu wirst einen Sohn bekommen. Diese Botschaft trifft Maria aus heiterem Himmel. Nicht geplant und nicht erwartet - erhofft vielleicht für später. Aber jetzt, nein! Und als ob das nicht genug wäre, kündigt der himmlische Bote das Kind als Erfüllung der prophetischen Hoffnungsbotschaften an: Er wird Sohn des Höchsten heißen, Gott selbst ist sein Vater. Seiner Herrschaft soll kein Ende sein, so verkündete Jesaja einst, und das ewig bestehende Reich ist ein Friedensreich. Maria verachtet prophetisches Reden nicht. Mir geschehe, wie du gesagt hast - ich vertraue ganz und gar auf dich und deinen Plan. Gott sieht den Weg vor, aber bittet uns um unser Mitgehen, um unsere vertrauende Antwort.(Quelle: Messbuch 2009, Butzon & Bercker Verlag)