06.07.2008 - 08:18

Kapitelsamt aus dem Hohen Dom zu Köln und Choralamt aus der Benediktinerabtei auf dem Michaelsberg in Siegburg Vierzehnter Sonntag im Jahreskreis

domradio übertrug parallel das Kapitelsamt mit Domkapitular Gerd Bachner aus dem Kölner Dom und das Choralamt aus der Benediktinerabtei auf dem Michaelsberg in Siegburg (Dom: Bild und Ton; Siegburg: Ton). Aus Siegburg hörten Sie die Choralschola unter der Leitung von Altabt Placidus - gesungen wurde die VIII. Choralmesse und das III. Credo. Die Orgel spielte Frater Fridolin Hönig, Pater Hieronimus Horn stand der Eucharistiefeier vor.

Der Gott der Bibel mutet uns viel zu. Er wagt es, um der Liebe willen wehrlos und ohnmächtig  zu sein. Das ist nicht unser Bild von Gott, von Allmacht, von Weisheit. Sein Geist ist anders als der Geist dieser Welt. In Jesus ist das sichtbar und anfassbar geworden, ganz gemäß der Formulierung eines Schlussgebetes aus dem Mess-buch: „Gott, dein Sohn hat uns von dir Kunde gebracht. Er hat uns erkennen lassen, wie du bist: groß in deiner Huld für deine Geschöpfe, gewaltig in deiner Hoheit, wehrlos in deiner Liebe."Fragt sich nur, ob wir bereit sind, unsere Vorstellungen infrage stellen zu lassen, ob wir bereit sind, unser Leben von diesem Geist berühren zu lassen. Wer die befreiende Tiefe dieser ganz anderen Weisheit Gottes einmal entdeckt hat, kann juchzen und jauchzen wie die Tochter Zion in der Lesung oder wie Jesus im Evangelium. WortgottesdienstErste Lesung Hier wird ein König, ein Messias  gezeigt, vor dem man keine Angst zu haben braucht. Er sitzt nicht auf einem Streitross, sondern  auf einem Esel; ja nicht einmal auf einem ausgewachsenen Esel, nein - ein ganz zu Herzen gehendes Bild -, er sitzt auf dem Fohlen einer  Eselin! Da brauche ich mich nicht zu wappnen, zu verteidigen, da kann ich loslassen, da kann ich mich einlassen, da kann Friede werden, Leben.Wie steht es mit uns? Reiten wir „auf hohem Ross", wohl gepanzert und bunt geschmückt? Halten wir am Imponiergehabe fest? Oder können auch wir einmal loslassen? Zweite Lesung Jesus bringt einen anderen Geist, eine andere Weisheit, die Umwertung der Werte. „Fleisch" im Sinne des Paulus ist die Existenzweise, wie man so lebt, wenn man sich in die Schemata dieser Welt hineinpressen lässt, wenn man sich von den Trends und Sachzwängen dieser Welt voll bestimmen und treiben lässt. Daraus entsteht kein wirklicher Friede, keine tiefe Freude, kein Sinn. Paulus denkt nicht leibfeindlich: Auch unser Leib kann der Verherrlichung Gottes dienen (1 Kor 6,20). Aber es braucht dann einen Leib, der vom Geist  durchtränkt ist und als Frucht hervorbringt: Friede, Freude, Gerechtigkeit, Güte, Menschenfreundlichkeit (Gal 5,22f.)! EvangeliumEin Grundmotiv der Weisheit von Märchen ist es: Nicht die älteren, angeseheneren und weltgewandteren Geschwister finden den Schatz oder das Wasser des Lebens, sondern der Jüngste, der Dummling, der, bei dem man es am wenigsten erwarten würde. Und so scheint es auch zu sein, wenn es um das Verstehen des Evangeliums geht, vor allem um das Erahnen des tiefen Geheimnisses, dass unser Gott Beziehung ist, Liebe (vom Vater zum Sohn im Geist) - eine Beziehung, in die er uns Menschen mit hineinnehmen möchte. Nur denen, die als Erwachsene auch Kind bleiben, Anfänger, Suchende, Menschen, die sich bei aller Mühe beschenken lassen können: nur denen wird sich dieser Gott auftun, im Letzten „kinderleicht", wie von selbst. Da ist eine Lektion zu lernen, eine Veränderung unseres Wahrnehmens und Urteilens. Und der beste Lehrmeister dafür ist Jesus selbst, der manchen Druck von uns nehmen kann, den andere und manchmal auch wir selbst uns machen. Denn selig, die arm sein können vor Gott, denn ihrer ist die Weite des Himmelreichs! (Quelle: Messbuch 2008, Butzon & Bercker Verlag)