Internationaler Soldatengottesdienst im Kölner Dom
Internationaler Soldatengottesdienst

23.01.2014 - 09:00

Internationaler Soldatengottesdienst im Kölner Dom Brüderlichkeit und Geschwisterlichkeit

Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat beim Internationalen Soldatengottesdienst im Kölner Dom vor über tausend Soldatinnen und Soldaten aus dem In- und Ausland Geschwisterlichkeit als "Grundlage und Weg für den Frieden“ bezeichnet.

In seiner Predigt bezog sich der Kölner Erzbischof auf die Botschaft von Papst Franziskus zum Weltfriedenstag. Brüderlichkeit werde gefordert, so Meisner, herbeigesehnt und beschworen. "Für so manche Ideologie musste sie herhalten. Im Namen der Brüderlichkeit wurden selbst Kriege angezettelt. Und schon unter leiblichen Geschwistern ist es mit der Geschwisterlichkeit manchmal nicht weit her." Die Wohlstandskultur vermindere offenbar das Gespür für die gegenseitige Verantwortlichkeit. "Gerade in Zeiten schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen ist sich jeder gern selbst der Nächste", beklagte der Kölner Erzbischof.

Der 80 Jahre alte Kardinal appellierte an die Soldaten, in der Begegnung mit Fremden nicht nur nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Es sei zwar verständlich, dass man immer erst schaue, was einen mit dem anderen verbinde, aber dieser Blick auf das Vertraute enge auch ein. "Denn oft ist es ja gerade das, was mich vom anderen unterscheidet, das eine Begegnung reich macht und neue Horizonte erschließt." Meisner nahm einen Begriff von Papst Franziskus auf und warnte vor einer «Globalisierung der Gleichgültigkeit». Er sagte: "Unsere Wohlstandskultur vermindert offenbar unser Gespür für unsere gegenseitige Verantwortlichkeit."

Notwendig seien Begegnungen in aktiver Zuwendung, erklärte der Kardinal. "Offenheit für den Nächsten und Mitmenschen lässt den anderen nicht nur gelten, sondern ist neugierig auf ihn." Ein weiterer Schritt auf dem Weg zu mehr Geschwisterlichkeit und zum Frieden sei Einfachheit: "Gelebte Einfachheit setzt dann auch Mittel frei für die, denen aufgrund ihrer miserablen Lebensumstände die Bedürftigkeit aufgezwungen ist: den Armen und Randständigen unserer Welt."

Warnung vor einer "Kultur der Gleichgültigkeit"

Vor dem Dom protestierten ungefähr zwei Dutzend Demonstranten gegen den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. «Kriegsverbrecher Bundeswehr» stand auf ihren Transparenten und "Selig sind, die Frieden stiften".

Der seit November amtierende katholische Militärgeneralvikar Reinhold Bartmann warnte bei einem anschließenden Empfang vor einer «Kultur der Gleichgültigkeit» gegenüber dem Leiden von Menschen in Konfliktsituationen. Die kirchliche Friedensethik spreche der internationalen Gemeinschaft eine Schutzverantwortung zu. «Prävention und Hilfe beim Wiederaufbau sind wichtige Bestandteile dieser Schutzverantwortung, aber eine bewaffnete Reaktion mit militärischen Mitteln kann, - wenn die Notlage anders nicht abzuwenden ist -, Pflicht sein», sagte Bartmann.

An dem Gottesdienst nahmen neben zahlreichen Generälen die vier Staatssekretäre im Verteidigungsministerium, Markus Grübel, Ralf Brauksiepe, Gerd Hoofe und Stephane Beemelmans, sowie der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hellmut Königshaus, teil.

Grübel würdigte die Militärseelsorge: «Wie wichtig diese Arbeit ist, lässt sich auch daran erkennen, dass so mancher Soldat sich nach dem Einsatz taufen lässt.»

Die Geschichte der Soldatengottesdienste

Auf Anregung des damaligen Militärgeneralvikars, Dr. Martin Gritz, haben die Gemeinschaft Katholischer Soldaten und das Apostolat Militaire International im Jahre 1975 in Rom anlässlich einer Soldatenwallfahrt während des Heiligen Jahres beschlossen, zu Anfang jeden Jahres (praktisch innerhalb des ersten Halbjahres) Veranstaltungen zum Weltfriedenstag unter dem jeweils vom Heiligen Vater gewählten Motto durchzuführen.

Den Internationalen Soldatengottesdienst in Köln gibt es seit 1977. Diesen ersten Soldatengottesdienst feierte Kardinal Höffner mit ca. 1.100 Soldaten aller im Erzbistum Köln stationierten Nationen in der Apostelkirche zu Köln. Da die Apostelkirche nicht groß genug war, fand der nächste Soldatengottesdienst 1978 im Hohen Dom zu Köln statt. Es feierten zeitweise bis zu 3.000 Soldaten mit dem Erzbischof von Köln diesen Internationalen Soldatengottesdienst. Am 30. Januar 1990 feierte der damals neue Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner, zum ersten Mal den Gottesdienst mit den Soldatinnen und Soldaten.