Der Ostertermin fällt in diesem Jahr aus der Norm
Ostern
Rainer Maria Kardinal Woelki
Rainer Maria Kardinal Woelki
So eng beisammen singen die Knaben des Domchores zurzeit nicht
Kölner Domchor

04.04.2021 - 10:00

Pontifikalamt im Kölner Dom Hochfest der Auferstehung des Herrn – Ostersonntag –

DOMRADIO.DE übertrug am Ostersonntag das Pontifikalamt aus dem Kölner Dom mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Es sang ein Ensemble des Kölner Domchores unter der Leitung von Eberhard Metternich. An der Orgel: Winfried Bönig

In seiner Predigt geht Kardinal Woelki auf die Tränen Maria Magdalenas am Ostermorgenn ein. "Sie weint um Jesus, der ihr Ein und Alles gewesen ist, von dem sie allerdings glaubt, dass sie ihn im Tod verloren hat und dessen Leichnam zudem auch noch verschwunden ist", so Woelki. Zusammen mit dem Leichnam Jesu habe sie ihre ganze Hoffnung begraben. "Maria weint, weil ihr mit dem Tod Jesu jede Zukunft entzogen worden ist."

Ein solcher Entzug von Zukunft mache die eigentliche Melancholie des menschlichen Lebens aus. Das wecke in uns auch eine Frage, so der Kardinal weiter: "Haben wir schon einmal geweint, darüber, dass wir Jesus verloren haben? Wie tief würde uns sein Verlust berühren?"

"So ereignet sich Ostern"

Maria habe Jesus gesucht. Und damit ihre Zukunft. Aber: "Sie sucht den Herrn gerade dort, wo sie ihn gemäß der beinahe vorwurfsvollen Frage von zwei Männern in leuchtenden Gewändern im Lukas- Evangelium nicht suchen sollte", meint Woelki und zitiert aus dem Lukas-Evangelium: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?"

Dabei merke sie gar nicht, dass der Auferstandene vor ihr steht. Erst als er ihren Namen rufe, verstehe Maria. "Genau hier und genau so ereignet sich Ostern", sagt Woelki. Der Osterglaube beginne bei Maria. Ihr Erlebnis gelte auch für uns: "Persönlich beim Namen gerufen zu werden: Darin besteht das größte Geschenk, das der Osterglaube uns macht und das uns die schönste Zukunft eröffnet."

Den Ruf Jesu annehmen

Geschehen der das bei einem jeden von uns schon am Tag der Taufe. "Die ist ja unser ganz persönliches Ostern." Wie die Mitte der Osterfeier der Hinübergang vom Tod Jesu in das Leben seiner Auferstehung sei, so sei die Taufe die sakramentale Teilhabe an diesem Hinübergang vom Tod zum Leben, weil der Auferstandene selbst einen jeden beim Namen gerufen habe.

"Das Osterfest wird uns deshalb zur Einladung, diesen namentlichen Ruf Jesu in der Taufe anzunehmen und aus ihm zu leben. Das aber hat dann Konsequenzen - wie bei Maria von Magdala", so Woelki und erklärt, was das für das Leben eines Gläubigen bedeute: "Auch wir sind auf den Weg geschickt, um unseren Schwestern und Brüder zu sagen, dass wir den Herrn gesehen haben."

Stunde der Verkündigung

An Ostern komme die Stunde der Verkündigung, auch wenn Ostern nicht allein mit Worten zu verkünden sei. "Wohl aber sind wir eingeladen, mit unserem Leben Zeugnis zu geben", sagt der Kardinal. Das bedeute vor allem, als österliche Menschen, also im "Lebenswasser der Liebe" zu leben versuchen. 

Denn die Liebe sei das deutlichste Erkennungszeichen von Ostern. "Die Liebe eröffnet Zukunft, weil sie stärker ist als der Tod." Diese Botschaft enthalte Hoffnung und sei Zukunft. Den Menschen, die - wie Maria von Magdala – immer wieder Grund zum Weinen hätten, dürften die Gläubigen die tröstliche Botschaft überbringen, dass auch sie vom auferstandenen Herrn persönlich beim Namen gerufen sind.

Ostersonntag

Und schließlich – und zu allererst – ist es Jesus und seine Liebe, die der Tod nicht bezwingen konnte. Er lebt! Das mussten die Jünger und Jüngerinnen gegen ihren gesunden Menschenverstand wahr sein lassen. Denn er stellte sich ihnen leibhaft in den Weg, als sie nach der großen Erschütterung und Enttäuschung des Karfreitags rasch in ihren kleinen Alltag zurückkehren wollten. Er lebt. Und er ließ sie nicht los. Mit Haut und Haaren, mit Herz und Verstand hat er sie als Zeugen in Anspruch genommen. Nie wieder war für sie Alltag. Denn dieser eine Tag – Ostern – veränderte alles.

Bischof Georg Bätzing

Aus: Magnificat. Das Stundenbuch. Die Heilige Woche 2021

Die Eucharistiefeier am Ostersonntag ist bereits ein Ausdruck des Überflusses, in dem das Ereignis der Auferstehung auch noch nach der Osternacht weiter gefeiert werden muss. Dieser Überfluss setzt sich fort in der Osteroktav, also acht Tage lang bis zum Weißen Sonntag, ja sogar fünfzig Tage bis Pfingsten. Das Wort »Pfingsten« kommt von griechisch pentekoste hemera = 50. Tag – 50 Tage, die gleichsam als ein einziger Tag gefeiert werden, dessen besonderes Kennzeichen als Ausdruck nicht enden wollender Freude das häufige Halleluja ist und der ausklingt in der Ausgießung des Heiligen Geistes.

Aus: TeDeum – Das Stundengebet im Alltag, April 2021, www.tedeum-beten.de