Kölner Dom bei Nacht
Kölner Dom bei Nacht
Kardinal Woelki
Kardinal Woelki
Erzbischof Stefan Heße
Erzbischof Stefan Heße
 Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx auf dem St. Michael-Jahresempfang der DBK
Paderborns Erzbischof Franz-Josef Becker
Paderborns Erzbischof Franz-Josef Becker
Bischof Franz-Josef Overbeck
Screenshot: Overbeck
Bischof Felix Genn
Bischof Felix Genn
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann

24.12.2017 - 23:30

Deutsche Bischöfe rufen zu mehr Gottvertrauen auf Frohe und gesegnete Weihnachten

Zu Weihnachten haben die Kirchen in Deutschland die nachlassende Gläubigkeit bedauert und die Menschen zu mehr Gottvertrauen aufgerufen. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki appellierte an die Menschen, die Bedeutung des Festes nicht aus den Augen zu verlieren.

"Wir wissen, warum wir Weihnachten feiern und es sehr wohl einen Sinn hat." – Damit widerspricht der Kölner Erzbischof dem Schriftsteller Kurt Tucholsky, der behauptet hat, die Menschen würden Weihnachten ohne Sinn und Verstand feiern. Um Feste zu feiern, brauche es einen Inhalt, ein Festgeheimnis, so Kardinal Woelki in der Christmette im Kölner Dom. Doch überfordere die Menschwerdung Gottes auch, dass er nun einer von uns geworden ist. "Gott hätten wir da schon etwas anderes zugetraut und – ehrlich gesagt – auch von ihm erwartet. Immerhin ist er ja Gott." Gott komme aber in dieser Nacht ganz anders als wir das von den Großen dieser Welt her kennen, nämlich "in die Armut eines ganz gewöhnlichen Menschenlebens." Damit wolle Gott uns bedeuten, dass nicht wir die Rettung der Welt betreiben könnten und uns nicht das geben könnten, wonach wir uns sehnen. Was wir nicht leisten könnten, das werde uns in dieser Nacht geschenkt, so Woelki. "Für Gott gilt nämlich: Human being first! Der Mensch zuerst!"

Der Kölner Erzbischof erinnert daran, dass Weihnachten und Ostern zusammen gehören, denn das Kind in der Krippe von Betlehem werde später auch der Gekreuzigte sein. "Was heute Nacht hier in Betlehem in der Krippe beginnt, wird einst am Ostermorgen auf ewig besiegelt." Damit vollende sich unsere tiefste Sehnsucht, dass wir im Tod nicht zerfallen. In dieser Nacht erblicke die sterbende Menschheit wieder den Baum des Lebens, von dem sie einst aus dem Paradies vertrieben wurde. Die goldenen Kugeln an den Weihnachtsbäumen erinnerten uns an die Früchte des Paradieses, das Leben in Gott, die Geborgenheit in seiner Liebe und die Erfüllung aller Sehnsucht.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte in seiner Predigt, das Weihnachtsfest gebe eine Antwort auf die Frage, was die Gesellschaft zusammen halte. "Wenn ich glaube, dass Gott in Jesus der Bruder aller geworden ist, stärkt das meine Verbundenheit und Offenheit, meine Bereitschaft zur Solidarität und zum Miteinander."

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch erinnerte an die Zuversicht, die von der Geschichte der Geburt Jesu ausgehe. Erzbischof Koch rief in seinem Bischofswort dazu auf, sich von Gott und dessen Wärme anrühren zu lassen. Es könne darauf vertraut werden, dass er die Nöte der Menschen erkenne und deren Rufen höre. "Und wir können es dir gleich tun, können uns öffnen für die Sorgen der Anderen", sagte Koch. Allen, die einsam und deren Herzen schwer seien, schenke Gott Hoffnung und Zuversicht.

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße hat die Menschen an Weihnachten dazu aufgerufen, Jesus Christus in ihr Leben einzulassen. Sie sollten sich die Frage stellen: Habe ich ihn auf der Liste meines Lebens?, forderte Heße am Heiligabend im Hamburger Mariendom. Jesus sei in einer Zeit zur Welt gekommen, als Kaiser Augustus die Menschen "des ganzen Erdkreises" und damit der damals ganzen bekannten Welt in Steuerlisten erfassen ließ, wie es im Weihnachtsevangelium heißt.

"Ich habe geradezu den Eindruck, das Kind kommt zu einem Zeitpunkt zur Welt, damit es noch auf dieser Liste erscheint", sagte Heße. "Das neugeborene Jesuskind darf auf dieser Liste offenbar nicht fehlen." Mit dem Namen Jesus von Nazareth sei zugleich die Bedeutung Jesu für die ganze Welt und die ganze Menschheit eingeschrieben worden.

Jesus wolle im Leben eines jeden Menschen dabei sein, verdeutlichte der katholische Bischof. Er wolle vorkommen und mitmachen. "Er will für mich und dich Heil, Heiland, Erlöser, Befreier, Retter sein. Das heißt, er will die Bilanz deines Lebens ins Positive wenden", sagte Heße. Deshalb könnten die Mensch auf ihn vertrauen und sollten ihn "auf den Bildschirm" ihres Lebens lassen.

Der Paderborner Erzbischof Heinz-Josef Becker hat an Weihnachten Krieg, politische Unfreiheit und Hunger beklagt. Gott teile diese Not mit den Menschen, indem er als Kind auf die Welt gekommen sei, sagte er in der Christmette an Heiligabend im Paderborner Dom. Jesus sei das "Licht der unbedingten Solidarität Gottes".

Der Erzbischof nannte es erstaunlich, dass ein neugeborenes und hilfloses Kind Retter der Welt sein soll. "Das heißt doch: Unsere Rettung kommt nicht von außen oder von oben herab, sondern unsere Rettung kommt von innen." Sie geschehe, indem Gott in alles Menschliche eintauche. Dabei spare er die Not nicht aus, sondern teile sie mit den Menschen.

"Wenn Gott selbst Mensch geworden ist, dann ist alles Menschliche und Allzu-Menschliche von Gott her wertvoll und würdig gemacht", betonte der Erzbischof. "Kein Mensch mehr, der keine Würde hat; kein Leben mehr, das wertlos ist."

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat an Weihnachten Kompromissfähigkeit in Politik und Kirche angemahnt. Diese sei in der heutigen pluralen Gesellschaft unerlässlich, sagte der katholische Sozialbischof in der Christmette im Essener Dom. Er wandte sich gegen eine "kämpferische Rechthaberei" und forderte die Fähigkeit ein, sich selbstkritisch zu ändern und "korrekturoffen" zu bleiben.

"Wer Politik gestaltet, übernimmt heute mehr und mehr Verantwortung für das Ganze", so Overbeck. Diese Verantwortung umfasse neben der Innen- auch die Außenpoiltik. "Kein Friede entscheidet sich nur innenpolitisch", sagte der Bischof und verwies auf Kriege und Flüchtlingsströme.  Notwendig sei, "neu nach dem Gemeinsamen zu suchen, das uns alle bindet". Identität könne "nie nur die isolierte Identität einer einzelnen Gruppe sein", sondern müsse "immer unter der Rücksicht von Frieden, Sicherheit, Gleichheit und Freiheit für alle Menschen" stehen.

Nach einer Zeit, die vor allem von der Suche nach dem eigenen Ich bestimmt gewesen sei, gehe es heute um "die Entdeckung des anderen", betonte Overbeck. Dies sei "zweifellos eine große Herausforderung", weil es bedeute, "auch im anderen Wahrheit zu entdecken". Grenzen für Kompromisse sieht der Bischof allerdings bei "klaren Gewissensentscheidungen". Doch auch in solchen Auseinandersetzungen müssten die Partner "Respekt vor dem anderen" bewahren. Dies gelte in Politik und Gesellschaft ebenso wie für den Glauben und die Kirche.

"Ökumene ist nicht billig zu haben", sagte der Bischof mit Blick auf die verschiedenen Konfessionen. Sie sei ein beständiges Ringen um das rechte Verstehen der Wahrheit in Fragen der Ethik und des Glaubens, der Heiligen Schrift, der Sakramente, des Amtes und des Wesens der Kirche. Das Reformationsgedenkjahr 2017 habe aber gezeigt, dass sich eine spirituelle Bewegung Bahn breche. Die Glaubwürdigkeit der Kirchen hänge heute vor allem "von ihrer spirituellen Kraft" und geistlichen Überzeugungsleistung ab. In einer pluralen Welt mit Wertvorstellungen jenseits der institutionalisierten Kirchen "erwächst für viele Christen eine Sehnsucht nach Einheit", sagte Overbeck.

Die Geburt Jesu als "Retter der Welt" ist nach Ansicht des Bischofs von Münster, Felix Genn, der Mittelpunkt der Weihnachtsbotschaft. Wer sich Gott anschließe, könne "den Kriegsmantel austauschen mit dem Festtagskleid des Getauften", sagte Genn in seiner Predigt an Heiligabend in Münster. Die Christen sollten dieses "Gegenmodell" im Alltag leben.

Der Bischof beklagte in der Christmette, dass es in der Welt "so viel Krieg" und "so viel Bedrohung" gebe. Als Beispiele nannte Genn laut Redetext das Gegeneinander der Großmächte, die Bedrohung durch Nordkorea und den andauernden Krieg in Syrien. Weil aber "ein Kind geboren wurde", verkünde die Weihnachtsbotschaft, dass der Krieg im Frieden "verschlungen" sei. Das Kind in der Krippe zeige mit seinem weiteren Leben, dass von Gott Rettung ausgehe, wenn man sich ihm anschließe, sagte der Bischof.

Der Aachener Bischof Helmut Dieser hat an Weihnachten dazu aufgerufen, bei der Lösung der gesellschaftlichen und sozialen Probleme Maß an Christus zu nehmen. "Der wahre Fortschritt liegt darin, mehr und mehr von Jesus zu lernen", sagte er an Heiligabend im Aachener Dom. "Das Urbild allen Menschseins ist im Original zu finden in Jesus Christus."

Die Menschen in der westlichen Kultur leben laut Dieser wesentlich freier und unabhängiger als ihre Vorfahren und die große Mehrheit der heutigen Menschheit. Zugleich seien die größeren Freiheiten mit noch mehr Fragen verbunden. So sei zu beantworten, wie die Klimaziele und eine artgerechte Tierhaltung zu erreichen sind, wie die Zusammengehörigkeit in Europa gestaltet werden kann, wie die Migrationsströme abzubauen und Flüchtlinge zu integrieren sind oder wie Deutschland eine richtige Regierung bekommt.

Das Vertrauen in einen stetigen Fortschritt zum Besseren "trägt uns nicht mehr", sagte der Bischof. Und die Gefahr, zu früheren Zuständen zurückzuwollen, sei groß. Zurück bedeute dann aber nicht, Probleme zu lösen, sondern wegzudrücken oder sich selbst zu überlassen. Die Lösung liege im Wunder der Heiligen Nacht, betonte Dieser. "Gott löst das Ganze dieser Welt und unseres Lebens." Schlüssel für die Zukunft seien die christlichen Werte und das von Gott geprägte christliche Menschenbild.

Die Weihnachtsbotschaft richtet sich nach Worten des Trierer Bischofs Stephan Ackermann nicht nur an Christen. Die christliche Botschaft sei keine abgehobene Lehre, die nur Experten zugänglich wäre, sagte Ackermann in seiner Predigt am Sonntagabend im Trierer Dom. Sie stehe allen Menschen guten Willens offen. Das mache die Anziehungskraft des Weihnachtsfestes aus, trotz aller Übermalung, allen Kitsches und aller Ökonomisierung, sagte Ackermann laut Redetext. Die Botschaft gelte auch für Menschen, die sich dem Christentum und der Kirche fern fühlten.

Der Kern der Weihnachtsbotschaft sei, das Gott Mensch werde, sagte Ackermann weiter. Das sei ein für Religionen völlig ungewöhnlicher und einzigartiger Vorgang.