Der Kölner Dom
Der Kölner Dom
Domkapellmeister Metternich dirgiert den Kölner Domchor
Domkapellmeister Metternich dirgiert den Kölner Domchor
Mädchenchor am Kölner Dom
Mädchenchor am Kölner Dom
Kardinal Reinhard Marx
Reinhard Kardinal Marx beim Michael-Jahresempfang
Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen
Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen
Erzbischof Stefan Heße
Erzbischof Stefan Heße
Bischof Peter Kohlgraf
Bischof Peter Kohlgraf
Schwingt nicht gerne die moralische Keule: Bischof Genn
Bischof Felix Genn
Bischof Georg Bätzing
Bischof Georg Bätzing
Der Trierer Bischof Ackermann feiert das Patronatsfest im August
Bischof Stephan Ackermann
Bischof Michael Gerber
Der Bischof von Fulda, Michael Gerber
Erzbischof Ludwig Schick
Erzbischof Ludwig Schick
Bischof Franz-Josef Bode
Bischof Franz-Josef Bode
Bischof Helmut Dieser
Bischof Helmut Dieser
Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim
Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim
Landesbischof Heinrich Bedford-Stroh
Heinrich Bedford-Strohm

31.12.2019 - 18:30

Kardinal Woelki begrüßt junge Klimaschutzbewegung - Predigten im Überblick Fridays for Future, Reformen und mehr

Fridays for Future, Willkommenskultur, Organspende und Reformen: Der Kölner Erzbischof Kardinal Woelki hat in seiner Jahresabschlusspredigt eine Einordnung zu vielen Themen gegeben. Die Stimmen der deutschen Bischöfe hier im Überblick.

In seiner Predigt zum Jahresabschluss (Video) hat der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki viele Themen angesprochen, die die Menschen in diesem Land und in dieser Kirche 2019 bewegt haben - und 2020 weiterhin bewegen werden. Wir dokumentieren auszugsweise:

Fridays for Future / Bewahrung der Schöpfung

"Mit offener Skepsis blicken junge Menschen, die sich weltweit und hier bei uns in Deutschland an der Bewegung "Fridays for Future" beteiligen, in die Zukunft. Und ganz gleich, wie man nun zu der Protagonistin dieser Bewegung und zum Schulstreik für das Klima auch stehen mag: Die Mahnungen der jungen Klimaschutzbewegung decken sich in vielen mit den Forderungen von Papst Franziskus in seiner viel beachteten, ja wegweisenden Enzyklika Laudato Si. Diese machte bereits 2016 "Every Day for Future"."

Willkommenskultur

"Nach Deutschland und in unser Erzbistum sind in den vergangenen Jahren Flüchtlinge aus schwerwiegenden Gründen wie Krieg und Bürgerkrieg und Verfolgung zu Tausenden gekommen. Wir müssen nur jetzt nach Syrien schauen und sehen, was dort gerade los ist und dass da gewissermaßen drei verschiedene Kriege gegeneinander geführt werden. Bereits im November 2014 haben wir in unserem Erzbistum die Aktion Neue Nachbarn ins Leben gerufen. Welch ein Segen! Medial ist es um das Sterben im Mittelmeer fast ebenso still geworden wie um das medial kaum dokumentierte Sterben von Menschen im Norden des afrikanischen Kontinents auf ihrem Weg zum Mittelmeer. Wir leben in einer Region und in einer Gesellschaft, die persönliche Sicherheit bieten kann und die daher als Zufluchtsort gilt. 

Mit der Aktion Neue Nachbarn haben wir als Christen im Erzbistum Köln bewiesen, dass ein Zusammenleben, das ein Zusammenkommen, dass Integration gelingen kann und möglich ist. Eine beeindruckende Zahl von Maßnahmen zeugt vom Engagement vieler, die sich Zeit und Herz genommen haben für unsere neuen Nachbarn. 

Und es darf uns in dieser Stunde fünf Jahre danach mit Freude und auch mit Zuversicht erfüllen, dass sich zeitweilig über 20.000 Menschen an ganz unterschiedlichen Orten dafür eingesetzt haben, dass aus Fremden Nachbarn und oftmals sogar Freunde wurden. Manche haben ganz einfach Schulmaterial besorgt, andere Hausaufgaben-Hilfen gegeben. Wieder andere Treffen in Gemeinschaftsunterkünften organisiert oder ihre Begleitung und Unterstützung bei Bewerbungen um Wohnraum und Arbeit angeboten. Und natürlich haben auch wir als Bistum strukturell unseren Beitrag geleistet und nicht nur Koordinatoren eingestellt und finanzielle Mittel bereitgestellt, sondern zum Beispiel auch Wohnraum-Konzepte entwickelt." 

Organspende

"Da in Deutschland täglich im Durchschnitt drei Menschen sterben, weil sie vergeblich auf ein Organ warten, ist die Dringlichkeit der Fragestellung hoch. Im zu Ende gehenden Jahr wurde ein Gesetzentwurf der Bundesregierung vorgelegt, der gleich zu Beginn des neuen Jahres in die abschließende Lesung gehen wird. Es geht darum, eine Widerspruchslösung bei der Organspende einzuführen. 

Diese sieht vor, jeden zum Organspender zu machen, der dieser Regelung nicht ausdrücklich widerspricht. Da aber Schweigen nicht mit aktiver Zustimmung gleichzusetzen ist, steht diese Regelung dem Recht auf Selbstbestimmung entgegen. 
Sie würde unseren Körper nach dem Tod zu einem Objekt der sozialen Flüchtigkeit machen. Natürlich ist es moralisch geboten, die Auseinandersetzung mit der Organspende zu wecken und zu stärken und zu fördern. Aber die Organspende behält nur dann ihren Spendencharakter, wenn sie mit der freiwilligen Entscheidung für eine Spende verbunden bleibt. Ansonsten wird die Organspende Zug um Zug zur Organabgabepflicht."

Brief des Papstes an die deutschen Katholiken / Synodaler Weg

"Die Kirche in Deutschland will sich in den kommenden beiden Jahren auf einen sogenannten Synodalen Weg begeben und dabei auch sogenannte Reformen anstoßen, von denen sich mancher einen Bruch mit der bisher gültigen Lehre und dem Glauben der Kirche erhofft. Unterwegs zu sein, ist dabei durchaus angemessen für eine Glaubensgemeinschaft, deren erster Name der Weg war. Weil aber der Weg, Charakter, Merkmal und Kennzeichen nicht nur der Kirche in Deutschland, sondern eben auch für die ganze Kirche ist, erinnert uns der Papst in seinem Brief daran, dass wir niemals als einzelner Christ oder als einzelne isolierte oder gar als Nationalkirche voranschreiten können, sondern immer nur in der Gemeinschaft der weltweiten Kirche. Im Zentrum des anzustrebenden Reformprozesses stehen für den Papst nicht irgendwelche kirchenpolitischen Fragen, für den Papst steht im Zentrum nur eines: der Primat der Evangelisierung. Alles kirchliche Handeln muss und kann für ihn nur unter diesem Aspekt gesehen werden. Evangelisierung bildet die eigentliche und wesentliche Sendung, die eigentliche Aufgabe der Kirche. Die eigentliche Reform besteht darin, dass es uns gelingt, unser Leben immer mehr an Christus auszurichten und immer mehr Christus gemäß zu leben." 

Pastoraler Zukunftsweg im Erzbistum Köln

"Als eine diakonische Kirche in unserem Bistum geht es genau darum, wenn wir unseren Pastoralen Zukunftsweg gehen wollen. Im Rahmen von dessen aktueller Etappe kamen im Herbst über 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu drei großen regionalen Foren zusammen, um sich aktiv in die Diskussion über einen solchen Weg der Evangelisierung in unserem Bistum einzubringen. Vorgestellt wurde dabei unter anderem ein erstes Zielbild, an deren Erstellung im Vorfeld mehr als 10.000 Gläubige beteiligt waren. Für dieses eindrückliche Engagement in Sachen pastoraler Zukunftsfähigkeit und partizipative Kirche bin ich zutiefst dankbar. Es zeigt, dass der Ruf Gottes auch in unserer Zeit nicht ungehört verhallt und dass Menschen sich Zeit nehmen für das, was zählt und was trägt, und dass sie bereit sind, etwas dafür zu tun gemeinsam Kirche zu werden und zu sein. So wurde dann hier etwas erfahrbar von dem, wozu der Heilige Vater uns in seinem Schreiben eingeladen hat: Im Angesicht des Herrn zu leben und zu wissen, dass er uns begleitet und umgibt. Was trägt und was die Basis von allem ist, das ist und bleibt die Freude an Gott, die Freude an Christus, die Freude am Glauben, auch die Freude an der Kirche."

Bischöfe blicken auf Reformdebatte

Die Neujahrsbotschaften der katholischen Bischöfe in Deutschland richten sich in diesem Jahr vor allem auf die Reformdebatte zur Zukunft ihrer Kirche. Die große Mehrheit der Predigten zu Silvester thematisierten den sogenannten Synodalen Weg. So riefen Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und Hamburgs Erzbischof Stefan Heße zu einer breiten Beteiligung daran auf. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf warnte vor Schwarzmalerei und Münsters Bischof Felix Genn appellierte, dem Reformdialog eine echte Chance zu geben.

Die deutschen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wollen mit dem Synodalen Weg nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Schwerpunktthemen des zunächst auf zwei Jahre angelegten Projekts sind die Sexualmoral, die priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen in der Kirche.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat zum Jahreswechsel zu einem Denken jenseits aller Schablonen, in Kirche und Gesellschaft aufgerufen. Christus selbst sei zornig über jene gewesen, „die in verbohrten Vorurteilen sitzen, die die gewohnten Bahnen nicht verlassen und denen das Leid anderer gleichgültig ist, die ihre eigenen menschlichen Traditionen höher stellen als den Willen Gottes“, so der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Die Brücken der Tradition dürften in der Reformdebatte nicht abgebrochen werden, so Marx, sondern sie seien zu begehen an die anderen Ufer.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing äußerte sich in diesem Zusammenhang kritisch dazu, dass Frauen in der katholischen Kirche von Weiheämtern ausgeschlossen sind. Er müsse "als Bischof ernst nehmen, dass der Ausschluss der Frauen von Weiheämtern als grundlegend ungerecht und unangemessen wahrgenommen wird in einer gesellschaftlichen Umgebung, die Frauen und Männer lange schon in ihren Rechten gleichstellt", sagte Bätzing.

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, sieht die katholische Kirche in einem grundlegenden Wandel. Die "Umbruchsituation" treffe "mit spürbarer Wucht jeden engagierten Katholiken in seinem alltäglichen Kirchenerleben". Die Kirche sei stärker zu einer "Freiwilligkeitsgemeinschaft" geworden, die auf "die Initiative ihrer einzelnen Glieder angewiesen" sei.

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber mahnte, keine Macher-Mentalität an den Tag zu legen. "Nicht wir machen Kirche", betonte er. Vielmehr müsse man sich als Kirche dem Wirken Gottes "zur Verfügung" stellen. Das habe nichts mit Rückzug in die Passivität zu tun.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick erinnert unterdessen zu Silvester daran, dass Frieden nicht vom Himmel falle. Er werde geschenkt und sei eine Gnade, die auf der Erde immer wieder neu ausgebreitet und bewahrt werden müsse. Die Welt sei indes gewaltbelastet. Kriege und Bürgerkriege nähmen zu, so der deutsche Weltkirche-Bischof.

Berlins Erzbischof Heiner Koch betonte, Silvester als Nacht der Dankbarkeit zu feiern. "Gerade im Rückblick erkennt der Mensch, dass er vieles, was geschehen ist, nicht erklären kann, dass das Leben erstaunlich bleibt."

Bischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück mahnt eine Umkehr der katholischen Kirche zurück zu den Ursprüngen an. Dabei könne er sich auch eine stärkere Beteiligung von Frauen und Priester mit Familie vorstellen, sagte er im Gottesdienst am Silvesterabend im Osnabrücker Dom. Der Kirche dürfe es nicht um eine «Rückeroberung alter Herrlichkeit» gehen, sondern darum, mitten unter den Menschen zu sein.

Der Aachener Bischof Helmut Dieser ruft zum neuen Jahr dazu auf, gemeinsam die Zukunft zu gestalten und dabei niemanden auszugrenzen. Derzeit fühlten sich viele Menschen in Deutschland übersehen und übergangen, sagte er am Silvesterabend im Aachener Dom: "Darin liegt Sprengstoff für eine Gesellschaft." Nach Diesers Ansicht muss sich auch die Kirche an diesem gesellschaftlichen Prozess beteiligen.

Der katholische Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer und Hannovers evangelischer Landesbischof Ralf Meister haben in einem ökumenischen Gottesdienst im Zoo von Hannover zu mehr Umweltschutz aufgerufen. Dringend notwendig sei ein neues Denken, eine Umkehr und die Einsicht, „dass die Erde nicht unser Besitz, sondern uns anvertraut ist - ein Geschenk“, sagte Wilmer in der Predigt.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, rief zum Jahreswechsel dazu auf, getrost auf Gott zu vertrauen. Es gebe viele, die nicht glauben könnten, die aber Sympathie für das Christentum hätten, sagte der bayerische Landesbischof. Sie seien froh, dass es die Kirche gebe, und sie wünschten ihren Kindern, diesen innerlichen Anker für sich entwickeln zu können.

(DR, KNA)