Bischöfe im Dom zu Fulda
Bischöfe im Dom zu Fulda

24.09.2015 - 18:00

Festakademie und Pontifikalvesper in Fulda Fundamente des Glaubens bewahren

Die katholischen Bischöfe haben ihre Herbstvollversammlung in Fulda beendet. Im Abschlussgottesdienst forderte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck die Katholiken auf, nach neuen Wegen für die Kirche zu suchen.

Im Hohen Dom zu Fulda mahnte Overbeck, dass alte Formen der Glaubensausübung an ihre Grenzen stießen, dürfe nicht zu Resignation führen. Wer an Grenzen stoße, könne auch Kräfte für Neues entwickeln. Entscheidend sei, dass die Fundamente des Glaubens und die Nähe zu Gottes Wort bewahrt würden.

Overbeck sprach von einem "radikalen Traditionsabbruch" im kirchlichen Leben. "Viele unserer Riten, Traditionen und Sprachmuster sind heute nicht nur den allermeisten der jüngeren Generation fremd geworden." Das sorge bei vielen für große Ängste, könne aber beflügeln. Es gelte, eine andere Sprache und damit auch neue Formen des Glaubenslebens zu entwickeln. Papst Franziskus mache deutlich, dass die Kirche von Gott einen neuen Ort zugewiesen bekomme: Gefordert sei "eine Mitleidenschaft für die Menschen von heute", etwa für die Flüchtlinge, die Armen und Ausgeschlossenen.

Festakademie zu "50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil"

Mit einer Festakademie hatte die katholische Deutsche Bischofskonferenz zuvor an das Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren, am 8. Dezember 1965, erinnert. In seiner Begrüßung der rund 500 Gäste betonte der Konferenz-Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx, das Konzil bleibe eine "visionäre Botschaft". Es sei heute so aktuell wie damals und ein zentraler Impuls für das Wirken der Kirche im 21. Jahrhundert.

In seiner Festrede über "Das Konzil und seine Wirkungsgeschichte" unterstrich der frühere langjährige Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, das Feuer des Konzils sei nicht erloschen. Das "Gedächtnis des Konzils" sei ein "herausforderndes Abenteuer", das die "Sensibilität unseres Glaubens" auf die Probe stelle, sagte Lehmann. Gerade deshalb tue lebendige Erinnerung Not.

Der Kardinal forderte dazu auf, die Texte des Konzils in ihrer umfassenden Komplexität zu lesen. Die innere Vielschichtigkeit zahlreicher Aussagen müsse den Vorrang behalten vor einer wenig reflektierten Auswahl oder einer selektiven Wahrnehmung, so Lehmann. Die neuere Forschung habe gezeigt, dass die kirchliche Krise, die vielfach dem Konzil angelastet wurde, in Wahrheit schon vor dem Konzil begonnen habe.

"Fortführende Interpretation" der Konzilstexte

Mit Blick auf den künftigen Umgang mit den Beschlüssen und Texten des Konzils erinnerte Lehmann an dessen Bezugnahme auf die "Zeichen der Zeit". Das verlange eine "fortführende Interpretation". Zu den nach seinen Worten nun "neuen Zeichen der Zeit" gehört für den Kardinal eine schleichende Säkularisierung. Vor diesem Hintergrund kommt laut Lehmann alles darauf an, "wieder von neuem das Antlitz des lebendigen Gottes zu suchen". Darum müsse eine Erneuerung der Frage nach Gott an erster Stelle aller Aktivitäten stehen.

Ausdrücklich rief der Kardinal dazu auf, die Kirche noch viel stärker in ihrer "radikal dienenden Hinordnung auf Gott und die Menschen" zu einem glaubwürdigen Zeugnis zu machen. Lehmann machte zudem deutlich, dass es in Zukunft noch viel mehr auf das lebendige, persönliche Zeugnis der Christen ankomme, und mahnte eine neue missionarische Initiative an.

Es geht laut Lehmann darum, "in der geistigen Auseinandersetzung von einer Verteidigungsstellung mit dem Rücken zur Wand loszukommen und inmitten des vielfältigen Pluralismus in unserer Gesellschaft den eigenen Standort offensiver zu markieren". Rückblickend bemängelte der Kardinal, in einer Zeit, in der sich tiefgreifende Umbrüche vollzogen hätten, sei die aktive Verantwortung der Christen für die Gestaltung gesellschaftlicher und politischer Verhältnisse "oft wie in einem Dornröschenschlaf" gewesen. (KNA)