Erfurter Dom und Severikirche
Erfurter Dom und Severikirche

20.09.2020 - 10:00

Wallfahrtsgottesdienst aus dem Erfurter Dom "Es tut mir sehr leid, dass Ihr übersehen worden seid"

DOMRADIO.DE hat am fünfundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis den Wallfahrtsgottesdienst aus dem Erfurter Dom übertragen. In seiner Predigt entschuldigte sich Bischof Neymeyr bei den Kindern, die in der Corona-Pandemie aus dem Blick geraten seien.

In seiner Predigt ging der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr vor allem auf die Situation der Kinder in der Corona-Pandemie ein. "Es tut mir sehr leid, dass Ihr in dieser Zeit übersehen worden seid“, so Neymeyr. "Auch in der Kirche haben wir zu wenig an Euch gedacht", räumte der Erfurter Bischof ins seiner Predigt ein. 

Im Vordergrund habe gestanden, wie Gottesdienste, Erstkommunionen und Firmungen gefeiert werden könnten oder wie kranke und alte Menschen begleitet werden könnten. Neymeyr dankte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bistums, die dennoch mit Kindern in Kontakt geblieben seien und ihnen gezeigt hätten, dass die Kirche auch in Corona-Zeiten für sie da sei.

Bis nach den Osterferien habe es gebraucht, bis der Blick der Politiker und Journalisten auf die Bildung gefallen sei. Anlässlich der Vernachlässigung in den vergangenen Monaten rief der Bischof zu einer größeren Wertschätzung der pädagogischen Einrichtungen auf. "Kindergärten und Schulen sind nicht nur Orte der Betreuung, sondern vor allem Orte der Bildung und Erziehung", betonte Neymeyr. "Das muss sich die Gesellschaft etwas kosten lassen." Es dürfe nicht sein, "dass in Sonntagsreden von Bildung und Erziehung gesprochen wird und werktags der Rotstift angesetzt wird".

Vertrauen oder Vorsicht?

Bezeichnend sei in Zeiten der Pandemie das Hin- und Hergerissen-Sein zwischen Vertrauen und Vorsicht. Die Bibel rate "eindeutig" zu Vertrauen auf Gott. In einem Psalm etwa heiße es, dass Gott die Menschen vor der Seuche beschützt: Eine solche Seuche sei auch das Coronavirus. Wachsam solle man Jesus zufolge jedoch auch sein, so Neymeyr – allerdings weniger in Bezug auf Infektionskrankheiten als auf die "die Wirklichkeit und Wiederkehr Gottes". 

Leitwort "Die Verbindung halten" aktueller als gedacht

Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes im Rahmen der Erfurter Bistumswallfahrt übernahmen SängerInnen aus Pueri Cantores-Chören des Bistums Erfurt unter der Leitung von Elisabeth Lehmann-Dronke; an der Hauptorgel spielte Ekkehard Fellner.

Als im Herbst 2019 die Vorbereitungsgruppe das Thema "Die Verbindung halten" wählte, wusste noch niemand, dass daraus ein die ganze Gesellschaft bewegendes Thema werden würde. Das Wallfahrtsthema soll als Hoffnungszeichen verstanden werden und als Aufforderung, alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Verbindung mit allen Menschen im Bistum Erfurt zu halten. Daher auch die Live-Übertragung des Wallfahrtsgottesdienstes. Auch die Menschen, die zu Hause bleiben müssen, die in Pflegeheimen leben oder im Krankenhaus behandelt werden, sollen an der Bistumswallfahrt teilnehmen können. 

Kollekte für den Libanon

Der Erlös der Kollekte kommt bedürftigen Menschen im Libanon zu Gute. Vor Corona und der verheerenden Explosion im Beiruter Hafen war eine Delegation des Bistums Erfurt ins Land gereist, um sich ein Bild von der damals schon dramatischen Lage der Bevölkerung zu machen und die kirchliche Entwicklungsarbeit kennen zu lernen. Das Bistum will die Verbindung halten und bittet um Spenden für das "Food Box Projekt", das notleidende Familien im Libanon mit Nahrungsmitteln versorgt.

Empfänger: Bistum Erfurt
IBAN: DE05 3706 0193 5040 1000 50, Pax-Bank eG
Verwendungszweck: Spende Libanon

Für Gruppen und einzelne Pilger ist der Erfurter Domberg mit seinen Kirchen ein zentraler Ort. Neben der Romanischen Madonna sind die Hochgräber mit den Gebeinen der Heiligen Adolar und Eoban (Domkrypta) und des Heiligen Severus mit seiner heiligen Ehefrau Vinvencia und heiligen Tochter Innocentia (Severi-Kirche) alte Stätten der Andacht. In unserer Zeit führen die zentrale Bistumswallfahrt und die Kinderwallfahrten jedes Jahr viele hundert große und kleine Beter hier zusammen.
Auch für Einzelpilger ist der Berg eine wichtige Station auf dem Ökumenischen Pilgerweg (Görlitz – Vacha) und dem „Weg der starken Frauen“ (Erfurt-Arnstadt-Paulinzella bis Coburg).