11.04.2009 - 14:07

Die Feier der Osternacht im Kölner Dom Hochfest der Auferstehung Jesu Christi

domradio.de übertrug die Feier der Osternacht aus dem Kölner Dom. Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner feierte das Hochfest der Auferstehung Jesu Christi mit vielen hundert Gläubigen und taufte zwei Kinder. In seiner <a onclick="javascript:WindowAudio('19035'); return false;" href="/comet/audio/19035.wma"> Predigt</a> erinnerte der Kardinal daran, dass die Feier der Osternacht uns zeige "wo wir sind, wer wir sind und was wir sind." Ostern sei nicht nur ein christliches Sonderfest, sondern bringe "die Welt– und damit den Menschen – wieder zu seiner ursprünglichen Berufung zurück: Abbild Gottes zu sein, wie Gott mit anderen in Freud und Leid verbunden zu sein und zu bleiben und damit durch den Tod ins Osterleben Gottes getragen zu werden."

Die zahlreichen Lesungen der Osternacht zeichnen in großen Schritten wichtige Stationen der Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk nach. Dabei erfahren die Menschen in allen schwierigen Situationen, die das Leben bringt, dass es nicht vergeblich oder naiv ist, auf Gott zu vertrauen. Auch die Ordnung, die er gibt, ist nicht zur Bedrückung, sondern als Hilfe gegeben. Denn Gott liebt die Menschen, trotz ihrer Abwege und ihres Misstrauens ihm gegenüber. So vorbereitet, erfahren wir Hörer schließlich die Osterbotschaft. Gott hat selbst die tödlichen Folgen unseres Tuns auf sich genommen, weil wir anders nicht zu retten gewesen wären. Und dieser Gekreuzigte wurde zu neuem Leben erweckt. Seither gibt es neue Hoffnung, für Opfer und Täter. Hoffnung für die Täter: Egal, wie groß die Schuld ist, Christus hat sie auf sich genommen. Wir können sie nun nüchtern anschauen, ohne sie klein zu reden oder zu verdrängen, aber auch ohne an ihrer Größe zu verzweifeln. Hoffnung gibt es aber auch für die Gekreuzigten dieser Welt. Sie müssen nicht Opfer bleiben, sie werden neues Leben bekommen. Beide können einen Neubeginn wagen. WortgottesdienstErste LesungDer Anfang der Bibel erzählt vom Ursprung des Seins. Die Strophen des Liedes wiederholen: "Gott sprach:  Es werde … und es wurde … Gott sah, dass es gut war; und Gott nannte …" Alles, was ist, liegt in Gottes Willen begründet. Die Welt existiert nicht unabhängig neben Gott her, der sich ab und zu willkürlich dazu entschlösse, sich in Einzelaktionen um sie zu kümmern. Das Lied, das hier von der Schöpfung erzählt, betont: Gott ist von Anfang an an der Welt interessiert, weil sie sein Werk ist. Deshalb dürfen die Menschen trotz aller widrigen äußeren Umstände sich darauf verlassen, dass Gott seine Schöpfung liebt.Zweite Lesung Es ist ein einsamer Weg, auf den Abraham sich macht. Abraham verstummt. Nur sparsamste Anweisungen gibt er den Knechten, die er dann zurücklässt. Die Anwesenheit seines Sohnes macht ihn noch einsamer, denn er weiß, was er ihm antun soll: Geh für dich in das bittere Land und bringe ihn dar auf einem einzelnen der Berge, den ich dir nennen werde … Er legt das Holz auf den Sohn. Bald wird er umgekehrt den Sohn auf das Holz legen. Dennoch wagt er zu sagen: Wir werden zurückkehren. Glaubt er das? Er spricht fast nicht, zeigt kein Gefühl. Umso mehr werden die Zuhörer mit ihm denken und fühlen. Als Isaak ihn anspricht, antwortet er mit demselben Wort wie Gott gegenüber: Hinneni - Hier bin ich. So bereit er ist, den Willen Gottes zu erfüllen - genauso bereit ist er gegenüber dem Sohn, den er liebt. Und dann fragt der nach dem Opfertier. Wie antworten? Er versteht es ja selbst nicht. Einerseits ist Abraham seine völlige Abhängigkeit von Gott klar. Er will ihm auch nichts vorenthalten, selbst diesen Sohn nicht, hat er ihn doch nur durch Gott. Aber Gott will keine Kinderopfer, nur das volle Vertrauen, den Glauben Abrahams. Dritte Lesung Eine erbärmliche Gruppe entflohener ehemaliger Sklaven sieht sich von den hochgerüsteten Verfolgern in die Enge gedrängt. Nach menschlichem Ermessen haben sie keine Chance zu entkommen. Doch diesmal macht Gott die Sache der Schwachen zu seiner eigenen: "So will ich am Pharao und an seiner ganzen Streitmacht … meine Herrlichkeit erweisen." Ein unerwarteter Ausweg eröffnet sich für die Schwachen. Die Armee des selbstgewissen Pharao geht dagegen jämmerlich unter, denn "die Ägypter sollen erkennen, dass ich der Herr bin …". Vierte Lesung Gott hat sein Volk gestraft für seine Untreue. So jedenfalls erklären sich die Israeliten im babylonischen Exil ihre missliche Lage. Doch der Prophet sieht ein Ende der Strafe gekommen. Er umschreibt dies mit einem Bild ehelicher Liebe: Wie ein Bräutigam die erste Liebe seiner Jugend nicht vergisst, so vergisst auch Gott seine Frau Jerusalem nicht. Die Strafe, mit der er sie bedacht hat, tut ihm selbst auch weh. So schwört er jetzt, "dir nie wieder zu zürnen, dich nie wieder zu schelten". Gott spricht mit großer Zärtlichkeit zu seinem Volk. So schön wie die Versöhnung zwischen Liebenden wird die Versöhnung Gottes mit seinem Volk sein. Fünfte Lesung Die Menschen, zu denen Jesaja spricht, kennen körperlichen Hunger und Durst. Die Gefahr, zu verhungern oder zu verdursten, ist vor allem für die Armen unter ihnen immer wieder aktuell. Wie mögen die ersten Sätze in dieser Situation auf sie wirken? Aber schon damals weiß Jesaja, dass dies nicht endgültig glücklich macht. Was erfüllt die Sehnsucht des Menschen? Was stillt seinen Durst nach Leben in Fülle? Die Früchte der Erde allein scheinen es nicht zu sein. Angesichts dessen fragt Gott, warum die Menschen sich so sehr für das anstrengen, was ihnen gar nicht das Glück bringt. Gott bietet seinem Volk dieses endgültige Glück an, die Nachbarvölker werden kommen und es auch haben wollen. Wenn sie auf sein Wort hören, werden sie dieses Glück in der Gemeinschaft mit ihm finden, verspricht er. Und dieses Glück gibt er nicht für Geld, nicht als Preis für besondere religiöse Anstrengung, sondern ganz umsonst. Sechste Lesung Das Buch Baruch gibt vor, von einem Sekretär des Propheten Jeremia im babylonischen Exil geschrieben zu sein. Offiziell richtet es sich an die Exilierten. Vermutlich ist es aber erst im zweiten vorchristlichen Jahrhundert entstanden, als Israel von den Griechen besetzt war. Im Gewand einer Ermutigung an die Exilgemeinde gibt der Autor seinen Zeitgenossen Stärkung und Orientierung. Wie können sie ihr praktisches alltägliches Leben gut gestalten? Die Thora, Gottes Weisung, wird dabei als die wahre Weisheit angesehen. Sich an ihr auszurichten bedeutet, im Einklang mit der Ordnung der Schöpfung, also auch in Übereinstimmung mit der Vernunft zu leben. Dabei geht der Autor eher vereinfachend von einem klaren Zusammenhang zwischen Tun und Ergehen aus, der sich so sicher nicht auf den Einzelnen anwenden lässt. Es wird aber deutlich, dass das schlechte Ergehen der Menschen nicht einfach unabänderliches Schicksal ist, sondern oft das Ergebnis eigenen oder fremden Fehlverhaltens. Siebte Lesung "Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren", lautet das zweite Gebot. Viele verstehen darunter, nicht zu fluchen, den Namen Gottes nicht unbedacht auszusprechen. Aber hier ist mit der Heiligung des Namens Gottes noch etwas anderes gemeint. Israel ist das Volk Gottes, das er sich zum Eigentum erwählt hat. Das ist nicht nur ein Privileg, sondern auch eine Verpflichtung, denn wenn das Volk Gottes nicht der Ordnung Gottes gemäß lebt, bringt es auch Gott in Verruf. Die umgebenden Völker schließen aus dem Verhalten des Volkes zurück auf den Charakter des Gottes, an den es glaubt. Der Prophet warnt daher: Um seiner eigenen Ehre willen rettet Gott hier das Volk, das er zuvor für die Sünden gestraft hat. Um seines Namens willen will er das Volk nun von innen, vom Herzen her erneuern, sodass die Menschen aus eigenem Antrieb seiner Weisung künftig folgen wollen. Wir Christen glauben, dass diese Erneuerung durch Christus möglich ist. Aber auch wir müssen uns fragen lassen, ob wir diesem Anspruch selber entsprechen. Epistel Ostern ist traditionell der wichtigste Tauftermin der Christen. Der Apostel Paulus macht der Gemeinde in Rom Mut, ihr Leben auf Gott auszurichten. Er zeigt, wie die innere Erneuerung, von der der Prophet Ezechiel spricht, in Christus möglich ist: In der Taufe werden wir in das Leben und Sterben Christi hineingenommen, sodass wir mitgekreuzigt werden, mitsterben, mitbegraben werden, dann aber auch hoffen dürfen, mit ihm auferweckt zu werden, ja es eigentlich schon sind. Daher  können wir das vorherige Sündige in uns getrost ablegen, wir sind nicht für immer darauf festgelegt. Da hat auch Bedeutung für das Zusammenleben der Christen: Nun müssen sie auch den anderen die Möglichkeit zugestehen, sich zu ändern; sie dürfen niemanden für immer auf alte Fehler festlegen. Evangelium Die Erde wird erschüttert. Ein Furcht erregender Engel mit großer Kraft kommt vom Himmel, leuchtend wie ein Blitz. Auf diese Weise verdeutlicht der Evangelist das Gewaltige, das ganz im Stillen geschehen ist. Nachprüfbar ist nur: Der Leichnam Jesu ist nicht mehr hier. Die Deutung müssen die Frauen dem Engel glauben: Der Gekreuzigte ist auferstanden, der Gestorbene lebt. Die Ersten, die den Auftrag bekommen, dieses Evangelium den anderen Jüngern zu verkünden, sind die Frauen. Als sie sich schon auf den Weg gemacht haben, bekommt ihr anfanghafter Glaube eine Bestätigung: Sie begegnen dem Auferstandenen, der, anders als der Engel, ganz unspektakulär daherkommt. Dennoch fürchten sie sich zunächst. Doch er führt sie ein in das Geheimnis, dass das gewaltige, Furcht erregende Ereignis die beste Nachricht ist, die es geben kann. Und auch er sendet sie zu den Jüngern, damit sie ihnen dieses Evangelium verkünden. Die Frauen haben keine formale Autorität, die sie ausweist, sie haben nur die Botschaft selbst. Auch in ihrer Verkündigung kommt die gewaltige Botschaft  leise und unspektakulär zu den Menschen.(Quelle: Messbuch 2009, Butzon & Bercker Verlag)