Symbolbild: Raum der Besinnung
Die Fastenzeit: Zeit für Rückbesinnung und Verzicht
Domkapitular Msgr. Dr. Markus Hofmann
Domkapitular Msgr. Dr. Markus Hofmann
Domkantor Oliver Sperling dirigiert im Kölner Dom
Domkantor Oliver Sperling dirigiert im Kölner Dom

28.02.2021 - 10:00

Kapitelsamt im Kölner Dom am zweiten Fastensonntag Die Antwort auf die Frage nach dem "Warum"

In seiner Predigt ging Generalvikar Markus Hofmann über die Ähnlichkeit zwischen Abraham und Isaak und dem himmlischen Vater und Jesus. Es gebe viele Parallelen, aber auch einen entscheidenden Unterschied.

 Dazu ging er zunächst auf die Verklärung ein. "Kurz vor der Szene auf dem Berg war die Frage: 'Wer ist eigentlich Jesus?' im Markusevangelium noch eher vorläufig beantwortet worden", so Hofmann. Aus dem Munde Gottes selbst sei dann die endgültige Antwort gekommen: "Das ist mein geliebter Sohn."

So wie Jesus das geliebte Kind Gottes sei, sei Isaak das geliebte Kind Abrahams, um den es in der ersten Lesung ging. Es gebe noch eine Verbindung: "Beide Male geht es um einen Sohn, der zum Leiden, ja zum Tod bestimmt ist." Auch hätten beide Söhne das Holz, das für die Umstände ihres jeweiligen Todes elementar war, selbst auf einen Berg getragen.

Warum?

"Das Opfer Abrahams ist also ein Hinweis, eine Andeutung dessen, was sich im Opfer Christi dann erfüllt hat", so Hofmann. Es gebe aber einen Unterschied und der sei entscheidend: Gott gab seinen Sohn tatsächlich hin. "Er hat in gewisser Weise das Opfer Abrahams jetzt erfüll"“, erklärte der Generalvikar. Der Widder, den Abraham opferte, sei wie ein Platzhalter für das wahre Opfer gewesen.

Doch wie könne die väterliche Liebe Gottes es zulassen, dass der Sohn auf diese schmerzliche Weise die Erlösung bewirken? Warum die vielen Tieropfer? Warum schließlich das Kreuzopfer? Es sei nicht falsch, zu erschaudern, angesichts dieser Fragen, so Hofmann, aber: "Nicht vor einer vermeintlichen Grausamkeit Gottes, sondern erschaudern vor dem hohen Preis, den Gott bereit war für unsere Erlösung einzusetzen."

Weder Gott noch Abraham hätten gleichgültig gehandelt. Bei Paulus würde man auch eine Antwort auf die Fragen nach dem Warum finden: "Weil Gott uns alles schenken wollte, weil er uns beweisen wollte, wie sehr, wie tief er uns lieb"“, so Hofmann.

Der zweite Fastensonntag

"Und er wurde vor ihnen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann."
(Mk 9, 2 f.)

Auslegung zum Sonntagsevangelium (Mk 9, 2–10)
von Hubertus Brantzen

Jesus nimmt Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen hohen Berg, der Tradition nach auf den Berg Tabor. Der Berg erinnert an den Sinai als Berg der Gottesoffenbarung an Israel (Ex 19) und besonders an Mose (Ex 3) und Elija (1 Kön 19).

Im Judentum kannte man ein Nachdenken über die messianische Endzeit und stellte sich die Gerechten als verklärte Menschen vor – in leuchtend weißen, glänzenden Gewändern. Jesus, der Gerechte schlechthin, wird in reine Gestalt verwandelt, die solche Kleider trägt.

Dieses Bild wird ergänzt durch das Erscheinen von Elija und Mose. Von beiden glaubte man in Israel, dass sie in den Himmel entrückt worden waren und nun zur himmlischen Welt gehörten. Wenn Jesus mit den beiden spricht, besagt das also, dass auch er zu dieser himmlischen Welt gehört. Jesus, den die Jünger als irdischen Menschen erleben, gehört zugleich der himmlischen Wirklichkeit an. In ihm ist der Himmel auf die Erde gekommen. In ihm ist die Erde mit dem Himmel verbunden.

Aus: Magnificat. Das Stundenbuch. Februar 2021

DOMRADIO.DE hat am zweiten Fastensonntag das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom mit Generalvikar Markus Hofmann übertragen. Es hat ein Ensemble des Mädchenchors am Kölner Dom unter der Leitung von Oliver Sperling gesungen. An der Orgel: Gregor Loers.