Kardinal Marx: deutscher Großprior des Ritterordens
Reinhard Kardinal Marx
Sozialbischof Franz-Josef Overbeck
Bischof Overbeck
Erzbischof Hans-Josef Becker
Erzbischof Becker predigt beim Pontifikalamt

24.12.2013 - 23:45

Deutsche Bischöfe an Heiligabend Frieden, Asyl und Prostitution

Militärische Konflikte, Kirchenaustritte und Fragen der Sexualität: Katholische Bischöfe haben zu Weihnachten viele Themen angesprochen.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat an Weihnachten zu einem versöhnlichen Umgang miteinander aufgerufen. Die Menschen sollten sich von der Kraft Christi durchdringen lassen und auf Unrecht mit Vergebung reagieren, sagte der Erzbischof in der Christmette an Heiligabend im Kölner Dom. Auf ein scharfes Wort könne man mit einer gütigen Antwort und auf Rücksichtslosigkeit mit einem stillen Gebet reagieren. Dann wachse "aus dieser Weihe-Nacht eine Weihe-Tag, und daraus kann dann ein ganzes Weihe-Leben werde".

Meisner wurde während des Gottesdienstes in der Nacht zum Mittwoch 80 Jahre alt. Am Ende der Christmette sprach der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp dem Jubilar Glückwünsche aus. Die Gemeinde sang - dirigiert vom Weihbischof - den Kanon "Viel Glück und viel Segen". Der Kardinal zeigte sich gerührt.  

In seiner Predigt hatte der Erzbischof die Bedeutung der Menschwerdung Gottes unterstrichen. "Gott ist Weihnachten Mensch geworden, damit wir Menschen ein wenig wie Gott werden können." Während die Menschen daran gewohnt gewesen seien, mit dem Schwert zu siegen, habe Christus die Welt mit gebundenen Händen überwunden. "Sie erwarteten einen König, und es kommt ein armes Kind. Sie erwarteten einen Fürsten im Besitz aller irdischen Macht und finden ein armes, weinendes Menschenwesen in der Krippe", sagte der Kardinal.

Der Erzbischof warnte vor dem "Rekordmenschen", der das "Unerhörte, das noch nie Dagewesene, den Weltrekord" suche und dabei innerlich immer schwächer, seelisch blasser und haltloser werde. In der Menschwerdung Gottes zeige dieser jedoch den Menschen einen neuen Weg.

Der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx hat mehr Mitgefühl mit den Flüchtlingen in aller Welt angemahnt. Die christliche Botschaft der Nächstenliebe müsse achtsam machen «für die Verletzungen und Wunden, für die Armen und für jene, die, wie es Papst Franziskus ausdrückt, an der Grenze leben", sagte Marx am Heiligen Abend bei der Christmette in der Münchner Frauenkirche. "Und dann können wir nicht mehr wegschauen, wenn mehr als 45 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind", betonte der Kardinal.

Marx rief auch zu mehr Einfühlsamkeit gegenüber pflegebedürftigen und alten Menschen auf. "Es macht uns unruhig, dass viele Menschen im Alter unzureichend gepflegt werden, einsam sind und dement", erklärte der katholische Oberhirte. Weihnachten müsse verstanden werden als "ein Lernprogramm, eine Schule der Barmherzigkeit, der Liebe und der Empfindsamkeit". Dabei gehe es nicht um das Lernen von Wahrheiten, sondern um das Einüben von Beziehungen. "Es geht nicht darum, etwas zu behaupten, sondern eine neue Lebensweise zu bezeugen. Dann kann das Evangelium wirksam und zur Quelle der Freude werden", sagte Marx. "Natürlich kann Weihnachten uns zu besseren Menschen machen."

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat an Weihnachten die Christen aufgerufen, sich nicht mit den Nöten in der Welt abzufinden. Gerade sie hätten den Auftrag, ihre Stimme zu erheben und sich einzumischen gegen Unrecht und Menschenverachtung, sagte Bode in seiner Predigt am ersten Weihnachtstag im Osnabrücker Dom. So müssten etwa Flüchtlingen in Deutschland Wohnungen und andere Hilfen zur Verfügung gestellt werden, sagte der Bischof mit Bezug auf die Herbergssuche der Heiligen Familie bei der Geburt Jesu.

Solche und andere Probleme gehörten "hineingesungen in den Jubel der Weihnacht, und sei es mit heiserer und gebrochener Stimme", sagte Bode. Gott sei in die Heillosigkeit der Welt hineingeboren, um sie zu wandeln und zu erlösen. "Er schenkt uns den Mut, die Kraft und die Ausdauer, daran mitzuarbeiten", so der Bischof.

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat zu Weihnachten eine größere Hinwendung zu den Armen gefordert. Viele Familien, Alleinerziehende, Jugendliche ohne Bildungsabschlüsse sowie alleinstehende alte Menschen gehörten "zu den Verlierern unseres Lebenssystems. Deren Armut schreit zum Himmel", sagte er in der Christmette an Heiligabend im Essener Dom. Overbeck prangerte besonders Formen von Armut an, die mit Jobverlust, Langzeitarbeitslosigkeit und schlechter Gesundheitsvorsorge einhergehen. Der Bischof forderte, "alte Gewohnheiten der Machtverteilung und der Klientelwirtschaft aufzugeben" und sich "an einem neuen Maß der Bescheidenheit" auszurichten.

Nach den Worten Overbecks verweist die Weihnachtskrippe darauf, dass das Leben Jesu seinen Anfang in Armut genommen habe. Das Evangelium sei für die bestimmt, "die keine Herberge haben und für die in keiner Herberge dieser Welt Platz ist". Gott nehme sich gerade der Geringgeschätzten an. "Er entdeckt Würde und Schönheit dort, wo andere nur Dreck und Niedrigkeit, Abschaum und Minderwertiges entdecken können."

Der Aachener Bischof Mussinghoff hob in seiner Weihnachtspredigt die weltweite Kinderarmut und das Schicksal der Flüchtlinge hervor. Auch "mitten unter uns" müssten Kinder hungern, frieren, auf der Straße leben und würden zur Prostitution missbraucht. Mussinghoff kritisierte vor allem die europäische Flüchtlingspolitik. "Europa hat die Grenzen nach Afrika dicht gemacht, jagt die Flüchtlinge zurück ins sichere Verderben und in den Tod", sagte der Geistliche.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat zu Weihnachten Christen ermutigt, über den Glauben zu sprechen. Geredet werde über alles Mögliche, sagte Becker in seiner Predigt am Dienstag in Paderborn. "Aber es kommt kaum noch durch, was wir der Welt schuldig sind, wir, die Christen: dass wir für Gott einstehen!", erklärte Becker. Von Weihnachten könne man jedoch nicht reden, ohne von Gott zu reden.

"Gott steckt in unserer Haut", sagte der Paderborner Erzbischof weiter. Er komme weder von oben herab, noch seien ihm die Menschen in kalter Distanz egal: "Und weil er mit uns ist, sind wir mehr als wir haben und aus uns machen."

Weihnachten ist nach Worten des Münsteraner Bischof Felix Genn die Herbergssuche Gottes bei den Menschen. Weil Gott sein Herz an den Menschen verloren habe, wage er den Schritt und werde ein Kind in einer armen Krippe, sagte Genn in seiner Weihnachtspredigt in Münster.

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen hat in seiner Weihnachtspredigt Prostitution scharf verurteilt. "Das ist moderne Sklaverei", sagte er in der Christmette an Heiligabend im Hamburger Sankt Marien-Dom. "Und einiges davon spielt sich hier in unserer unmittelbaren Nähe in Sankt Georg ab."

Prostitution widerspreche der Würde des Menschen, so Thissen. Deshalb unterstütze er politische Überlegungen, Menschenhandel und Zwangsprostitution einzudämmen, um betroffenen Frauen besser zu schützen. Die momentane Rechtslage fördere das Geschäftsmodell Prostitution und den Menschenhandel mit jungen Frauen aus armen Ländern wie Bulgarien oder Rumänien. "Das darf nicht sein und deshalb muss Prostitution geächtet werden", sagte der Erzbischof.

Thissen wies darauf hin, dass es in Deutschland mehrere hundert Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels aufgrund sexueller Ausbeutung gibt. Die Dunkelziffer einer solchen Ausbeutung liege um ein Vielfaches höher. Die große Koalition in Berlin hatte sich darauf verständigt, das Prostitutionsgesetz zu reformieren, um den Menschenhandel in Europa zu bekämpfen.

Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke hat zu Weihnachten die Religionen ermahnt, ihrer Rolle als Friedensstifter nachzukommen. "Wir erschrecken über religiösen Fanatismus, über Gewalt und menschenverachtenden Terror im Gewand der Religion: im Nahen und Mittleren Osten, in Ländern Afrikas. Gerade hier müssen sich die Religionen als Friedensmächte bewähren", sagte Jaschke in Hamburg. Die Weihnachtsbotschaft vom Frieden auf Erden müsse ins Herz jeder wahrhaftigen Religion treffen. Besonders müsse sie Christen, Muslime und Juden bewegen.

Die Verantwortlichen auf allen Seiten laden nach Ansicht Jaschkes Schuld auf sich, wenn sie schweigen, so Jaschke, der in der Bischofskonferenz die Unterkommission für den interreligiösen Dialog leitet. "Wo bleiben die flammenden Stimmen des Protest gegen die Vertreibung der Christen in Syrien und dem Irak? Wo bleibt die Verurteilung von Gewalt im Namen der Religion?", fragt der Weihbischof in seiner Botschaft. Notwendig seien deutliche Zeichen des Friedens zwischen Muslimen, Juden und Christen sowie mutige Zeichen der religiösen Führer auf allen Seiten.

"Wer aus eigenen Kräften in dieser Welt das Paradies herstellen will, macht aus ihr eine Hölle“, sagte der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle in seiner Weihnachtspredigt. Im Gottesdienst der Christnacht in der Hildesheimer Basilika St. Godehard mahnte Trelle, Gott wieder den Vorrang zu geben.

"Der Friede auf dieser Erde hängt davon ab, dass zunächst Gott die Ehre gegeben wird“, sagte der Bischof mit Blick auf das Lied der Engel, mit dem sie den Hirten auf den Feldern von Bethlehem die Geburt Jesu verkündet haben. Erst nach dem "Gloria in excelsis Deo – Ehre sei Gott in der Höhe“ sei darin die Rede vom Frieden auf Erden.

Der große Irrtum vieler Menschen sei es, zu glauben, man könne Himmel und Erde trennen. Trotz Hände falten und zum Himmel schauen, sei es möglich, sich auf die Erde zu konzentrieren und zuzupacken. Aber: "Gott die Ehre geben heißt sich vor der Versuchung in Acht nehmen, selber Gott spielen zu wollen“, so Trelle. Konkret bedeute es anzuerkennen, dass Gott den Menschen die Welt als Aufgabe anvertraut habe: „Uns gehört die Welt nicht. Wir sind dem Herrn Rechenschaft schuldig, wie wir unseren Auftrag erfüllen und was wir mit unseren Talenten gemacht haben.“

Der Bischof forderte die Gläubigen auf, mit ihrem ganzen Leben einzustimmen in das Lied von Gottes Ehre und dem Frieden in der Welt. Dafür sei Jesus Christus Mensch geworden: "Er ist der Weg, den wir gehen, die Wahrheit, die wir erkennen und das Leben, das wir empfangen sollen.“

(KNA, epd, dpa, dr, pek)