07.06.2012 - 07:51

Das Hochfest Fronleichnam in Köln Geheimnis des Glaubens

Das Pontifikalamt an Fronleichnam fand wegen Regens noch im Dom statt, doch die große Prozession durch die Kölner Innenstadt endete bei strahlendem Sonnenschein. Joachim Kardinal Meisner rief die Gläubigen in seiner Predigt dazu auf, Christi und der Kirche treu zu folgen.

"Unheilspropheten innerhalb und außerhalb der Kirche" zum Trotz. Der Kölner Erzbischof eröffnete an Fronleichnam offiziell das Vorbereitungsjahr zum Nationalen Eucharistischen Kongress 2013. Kardinal Meisner betonte, dass Christus für das Heil aller Menschen gestorben sei. Darum seien Christen immer zur Stellvertretung berufen, für die anderen einzustehen. "Sollten wir aber auch noch wegfallen, dann gäbe es auch für die anderen keine Chance mehr, mit dem Herrn in Berührung zu kommen", sagte Joachim Kardinal Meisner in seiner Predigt am Donnerstag im Kölner Dom. "Je weniger Menschen sich noch vor dem eucharistischen Herrn einfinden, für umso mehr haben wir uns vor dem Altar und vor der Monstranz für sie einzusetzen." Manche Christen wollten die Kirche auf einen Weg zwingen, "den Jesus nicht mitgeht", kritisierte der Kardinal. Dieser habe seinen Jüngern nicht gesagt: "Nun bleibt mal alle da. Ich mache es ab jetzt etwas billiger!"

Kleine Herde mit großer Verantwortung
"Fürchte Dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben" (Lk 12,32), zitierte der Erzbischof. Die kleine Herde trage eine große Verantwortung im Geheimnis der Stellvertretung vor dem eucharistischen Herrn.

Mit dem Fronleichnamsfest 2012 ist das Vorbereitungsjahr zum Nationalen Eucharistischen Kongress 2013 in Köln eröffnet worden. Der Kongress ist Teil des mehrjährigen Dialogprozesses der Deutschen Bischofskonferenz, den die katholische Kirche ins Leben gerufen hat, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und findet vom 5. bis 9. Juni 2013 in der Domstadt statt. Mit dem Kongress möchte die deutschen Bischöfe an das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) erinnern und sich den eucharistischen Fragen und Anforderungen wieder neu stellen. Die Vollversammlung der deutschen Bischöfe hat sich für dieses Leitwort entschieden: "Herr, zu wem sollen wir gehen?" (Joh 6,68)

Kardinal erläutert Leitwort des Eucharistischen Kongresses
Das Leitwort des Eucharistischen Kongresses  führe "mitten hinein in eine gefährliche Krisensituation" des Jüngerkreises Christi, erläuterte der Kardinal. Diese Situation erinnere an unsere heutige Situation in der Kirche. Die Apostel begriffen nicht, dass der Herr selbst ihnen sein eigenes Fleisch und Blut nun zur Speise reichen wird. Die Diskussion sei an einen Punkt gekommen, an dem viele nicht mehr weiterwussten und nicht mehr mittun wollten. "Das möchten heute ebenfalls manche Christen: die Kirche auf einen Weg zwingen, den Jesus nicht mitgeht." Die heilige Eucharistie, dieses Mysterium des Glaubens, ist nicht nur ein einzelner Aspekt unseres Glaubens, erinnerte der Kardinal. Die heilige Eucharistie als das Geheimnis des Glaubens konkretisiere unseren Glauben und radikalisiere das Jahr des Glaubens.

domradio.de übertrug an Fronleichnam das Pontifikalamt aus dem Kölner Dom und die Prozession durch die Innenstadt. Nach dem Schlussgebet nahm die Prozession Stellung auf und zog mit dem Allerheiligsten durch die Stadt. Viele hunderte Gläubige nahmen an der Messe und der Prozession teil. An der Minoritenkirche gab es eine so genannte Statio mit Fürbitten. Im Hohen Dom zu Köln versammelten sich alle Gläubigen noch einmal zur Schlussfeier. Mit dem eucharistischen Segen endeten die Fronleichnamsfeierlichkeiten. Die musikalische Gestaltung lag beim Kölner Domchor und dem Mädchenchor am Kölner Dom unter der Leitung von Eberhard Metternich und Oliver Sperling. An der Orgel war Winfried Bönig.

Das Fronleichnamfest am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest, auch Hochfest des Leibes und Blutes Christi, feiert die Eucharistie als Opfer, Kommunion (Opferspeise) und - wegen der Realpräsenz Christi im Tabernakel - zugleich als Gegenstand der Anbetung. Es ist ein Erinnerungsfest an die Einsetzung des Altarsakramentes, das eigentlich Gründonnerstag gefeiert werden müsste, aber der Passionswoche wegen als zu diesem Termin unangebracht empfunden wurde. Es wurde deshalb - in einer Zeit, als der Osterfestkreis mit Pfingsten fünfzig Tage nach Ostern schloß - an das Ende der österlichen Zeit gelegt.

Die Anregung zu diesem Fest entstammt einer Vision der heiligen Augustinernonne Juliana von Lüttich (+ 5.4.1258) und wurde im Bistum Lüttich 1246 eingeführt. Am 11. August 1264 erhob Papst Urban IV. (1261 - 1264), zuvor Erzdiakon in Lüttich, Fronleichnam als "Fest des Leibes Christi" (lat. festum corporis Christi, festum corpus domini) - im Deutschen mit dem Wort "vronlichnam" = Herrenleib wiedergegeben - mit der Enzyklika "Transiturus de hoc mundo" zum allgemeinen kirchlichen Fest. Thomas von Aquin war an dieser Enzyklika wesentlich beteiligt und hat die Texte für das Offizium und die Messe zusammengestellt. Von ihm stammt auch die berühmte Sequenz "Lauda, Sion, Salvatorem", die im Fronleichnamsgottesdienst früher niemals fehlte. Die Dominikaner haben die Ausbreitung dieses Festes stark gefördert. 1311, wurde es unter Papst Clemens V. (1305 - 1314) auf dem Konzil von Vienne bestätigt und 1317 unter Papst Johannes XXII. (1316 - 1334) endgültig weltweit angeordnet wurde. 1264 fanden in Rom, Münster und Orvieto die ersten Fronleichnamsfeien statt, 1273 in Benediktbeuron, 1274 in Köln, 1276 in Osnabrück.

Seit 1279 Prozession in Köln
Den besonderen Charakter erhielt Fronleichnam durch die Prozession, die schon 1279 durch Köln zog. Gerade die Fronleichnamsprozession versinnbildlicht gelebtes Christentum: Zum Ende des Osterfestkreises symbolisiert sie den christlichen Lebensvollzug, das gläubige "Wallen", das Ziehen durch die Zeit, dem ewigen Vater entgegen. Es ist die Heimkehr der Kinder Gottes in das himmlische Jerusalem. Diesen Gedanken nimmt der Introitus des 2. Sonntags nach Ostern ebenso auf ("Der Herr ward mein Beschützer; er führte mich hinaus in die Weite") wie das Tagesevangelium, in dem es heißt: "Es begleitete ihn auf dem Weg das Volk in großen Scharen" (Lk 14,25ff.). In Gestalt der geweihten Hostie wird Christus selbst durch Stadt, Flur und Wald geführt. Der realpräsente Gott wird sichtbar, er verläßt das "fanum" (lat. Tempel, Allerheiligste) und durchzieht das "profanum" (das dem Allerheilgsten Vorgelagerte). Zu diesem Zweck entstand die Monstranz, ein Ostensorium mit Lunula - ein halbmondförmiges Schiffchen, in das die Hostie eingesteckt wird -, sondern auch der Baldachin, der Tragehimmel, ursprünglich ein Herrschaftszeichen der Monarchen, wurde für kultische Zwecke übernommen.

In der Reformation entwickelte sich Fronleichnam zu einem konfessionsscheidenden Merkmal. Luther bezeichnete Fronleichnam 1527 als "allerschädlichstes Jahresfest". Ihm fehlte die biblische Grundlegung, Prozessionen galten ihm als Gotteslästerung. Das Konzil von Trient (1545 - 1563) bestätigte das Fronleichnamsfest, das nun einen demonstrativen Akzent bekam: Mit großem Aufgebot und Aufwand zeigten die Katholiken ihren Glauben. Subdiakone, Diakone, Priester, Nonnen, Mönche und Messdiener zogen mit Fahnen, Schellen und Weihrauch, begleitet von den Honoratioren und Erstkommunikanten, Gruppen von Frauen und Männern, geordnet nach Ständen, Verbänden, Bruderschaften und Vereinen durch Stadt und Flur. Betend und singend begleiteten sie durch festlich geschmückte Straßen das Allerheiligste. Die Prozession endet mit einem feierlichen Gottesdienst.

Übrigens gibt es die Fronleichnamsprozession nicht nur für Fußgänger. Nicht nur am Chiemsee und auf dem Staffelsee bei Murnau und in Köln ("Mülheimer Gottestracht") gibt es zu Fronleichnam Schiffsprozessionen. Fronleichnam heißt auch: Blutstag (Plutstag), corpus Christi (domini, vivificum), dies corporis et sanguinis (domini, sacramenti, sanguinis domini, venerationis corporis), Eucharistia, Festum corporis Christi (dei, sanguinis domini), fête dieu (Frkr.), Gotstag, Hotsleichnamtag, Hergottstag, herrenleichnamstag, Immolabit edum, Lichamestag, Sacramentum, Sakramentstag, Sanguinis Christi, Triumphus corporis Christi, Varleichnam. Der Sonntag nach Fronleichnam heißt Dominica corporis Christi.

© Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln