25.05.2017 - 10:00

Kölner Weihbischof beklagt Anti-Kirchen-Stimmung Christi Himmelfahrt

Der Kölner Weihbischof em. Manfred Melzer hat an Christi Himmelfahrt im Kölner Dom eine wachsende kirchenkritische Stimmung und einen abnehmenden Gottesglauben in der Gesellschaft beklagt.

Gottesdienste scheinen heutzutage überflüssig zu sein, nur 10 Prozent der Gläubigen besuchen regelmäßig die Heilige Messe. Diese deprimierende Bilanz hat der emeritierte Kölner Weihbischof Manfred Melzer in seiner Predigt im Pontifikalamt am Hochfest Christi Himmelfahrt gezogen. Im Kölner Dom warnte er daher die Menschen: "Wer Gott aus seinem Leben streicht, hat als Trost nur noch den Glauben an den Fortschritt." Dann blieben nur Verzweiflung oder Zynismus, so der Weihbischof weiter.

Gleichzeitig beklagte Melzer, nahezu täglich werde in Deutschland auf die Kirche "eingedroschen". Gerade deshalb sollten die Katholiken an ihrem Glauben festhalten und Dienst am Nächsten tun. Es gelte, so Melzer, immer noch die alte christliche Volkswahrheit: "Niemand wird in den Himmel kommen, der nicht durch Gebet und Arbeit wenigstens einen anderen Menschen in den Himmel mitbringt".

Christi Himmelfahrt seit dem vierten Jahrhundert

Seit dem vierten Jahrhundert feiern Christen 40 Tage nach Ostern das Fest "Christi Himmelfahrt". Das Fest fällt stets auf einen Donnerstag, in diesem Jahr auf den 25. Mai, und ist in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag. Der Tag wird in den Kirchen traditionell mit Gottesdiensten auf Plätzen, im Wald und auf Bergen begangen. Außerhalb der Kirche wird der Tag oft als Vatertag oder Herrentag bezeichnet, an dem Männer Ausflüge unternehmen und meist reichlich Alkohol trinken.

Biblische Grundlage des Festes ist neben dem Markus- und dem Lukas-Evangelium die Apostelgeschichte im Neuen Testament. Dort steht, dass der nach seiner Kreuzigung vom Tod auferstandene Jesus Christus vor den Augen seiner Jünger «aufgehoben» wurde (Apostelgeschichte 1,9): "Eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken." Dies ist auch ein bevorzugtes Motiv in der Kunst.

Himmelfahrt wird allerdings in der Theologie kaum noch wörtlich als wirkliche Reise verstanden. Der Himmel ist demnach kein geografischer Ort, sondern der Herrschaftsbereich Gottes. Wenn es im Glaubensbekenntnis heißt "aufgefahren in den Himmel", bedeutet dies nach christlichem Verständnis, dass der auferstandene Christus "bei Gott ist".

Himmelfahrt wird so auch als Symbol der Wandlung und spirituellen Entwicklung der Persönlichkeit gedeutet. Theologen verweisen zur Erläuterung auf den englischen Sprachraum, wo es für das deutsche Wort Himmel zwei Begriffe gibt: "sky" (profan) und "heaven" (religiös).

 

(DR, epd)