Pontifikalrequiem im Kölner Dom

Allerseelen

Im Pontifikalrequiem zu Allerseelen im Kölner Dom gedachte Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki insbesondere der verstorbenen Erzbischöfe und Kardinäle. In seiner Predigt sprach Woelki von der spürbaren Lücke, die der Tod reißen kann.

Allerseelen: Der Verstorbenen gedenken (KNA)
Allerseelen: Der Verstorbenen gedenken / ( KNA )

Es sang die Domkantorei Köln unter der Leitung von Winfried Krane. An den Orgeln: Ulrich Brüggemann und Stefan Klösges.

Predigt

In seiner Predigt an Allerseelen gedachte Erzbischof Rainer Maria Kardinal der verstorbenen Erzbischöfe und Kardinäle, insbesondere Joachim Kardinal Meisner und Joseph Kardinal Höffner.

Kardinal Woelki sprach von der spürbaren Lücke, die der Tod reißen kann. "An diesem Tag werden wir uns eingestehen müssen, die Wirklichkeit, die uns allen gemeinsam ist, ist die Wirklichkeit des Todes." Wir denken nicht immer an ihn, wir reden auch nicht immer von ihm, zumeist verdrängen wir ihn mit Erfolg. Doch es scheine, dass er das Unterbewusstsein vieler Menschen beherrscht.

Viele Menschen entwickelten auch eine Wut auf den Tod. Doch in den Worten des Apostels Paulus lasse sich Hoffnung und Trost finden: "Brüder, wir wollen euch über die Entschlafenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die Anderen, die keine Hoffnung haben. Wenn Jesus, wie wir glauben, gestorben und auferstanden ist, so wird auch Gott die in Jesus Entschlafenen mit ihm vereinen."

Wenn wir hoffen dürfen, dass unsere Verstorbenen beim Herrn sind, so können wir auch folgern, dass sie uns durch Christus nahe sind. Denn was ist der Himmel anderes als die Daseinsweise Gottes, die uns in Christus nahe gekommen ist? Christen dürfen hoffen, dass Gott stärker ist als der Tod, betonte Kardinal Woelki.

Unsere Sinne können zwar nicht eindringen in diese hintergründige Dimension des Himmels, der uns umgibt. Aber wir dürfen Konsequenzen überlegen, die sich aus dieser neuen Nähe der Verstorbenen ergeben. Wir können lernen, sagte Kardinal Woelki, mit den Verstorbenen weiterhin zu leben. Das sei wichtig, denn sie können uns davor bewahren, unser Herz an Dinge zu verlieren, die im Tod keinen Bestand haben, die ihm Tod nicht mitgenommen werden können.

So geben wir an diesem Allerseelentag erneut Zeugnis von unserer festen Hoffnung und unserem festen Vertrauen, dass für unsere Verstorbenen der Tod nicht das Ende, sondern nur der Hinübergang ins ewige Leben ist.

Allerseelen

Schon seit dem zweiten Jahrhundert ist das christliche Gedenken der Toten bezeugt. Den heutigen Allerseelentag als Gedenktag für alle Verstorbenen führte Abt Odilo von Cluny im Jahre 998 ein. Er galt zunächst für die ihm unterstellten Klöster, breitete sich aber seit dem 11. Jahrhundert im Zuge der von Cluny ausgehenden Reformbewegung bald in der ganzen Kirche des Abendlandes aus. In Rom wurde er im 14. Jahrhundert erstmals gefeiert.

Mit dem Allerseelentag ist der Gedanke an den Reinigungsort (Purgatorium oder Fegefeuer) verbunden. Die Bibel selbst kennt den Ausdruck Fegefeuer nicht, sehr wohl aber die Bildwelt reinigenden, läuternden Feuers (Jesaja, Maleachi). Dahinter steht zum einen die Vorstellung, dass wir mit unseren Verstorbenen über den Tod hinaus verbunden bleiben; zum anderen die, dass die Verstorbenen, die noch nicht zu den Heiligen des Himmels zählen, erst noch eine Läuterung erfahren, dann aber in den Himmel kommen. Unser Gebet will ihnen diese Zeit erleichtern. Mit dem Gebet und der Eucharistiefeier für die Verstorbenen verbindet sich häufig ein Gang zum Friedhof, mancherorts auch schon am Allerheiligentag. Blumen und Kerzen auf den Gräbern sprechen vom Leben, das Christen für ihre Toten erhoffen. Sie legen Zeugnis ab von ihrem Glauben, dass die Verstorbenen Anteil haben dürfen an der in Christus verheißenen Fülle des Lebens.

aus: Magnificat. Das Stundenbuch. November 2017