Spitzen des Kölner Doms
Spitzen des Kölner Doms
Neuer Dompropst: Msgr. Guido Assmann
Neuer Dompropst: Msgr. Guido Assmann
Ein Bild aus "alten Zeiten": Das Vokalensemble singt als geschlossene Formation
Ein Bild aus "alten Zeiten": Das Vokalensemble singt als geschlossene Formation
Domkapellmeister Eberhard Metternich
Domkapellmeister Eberhard Metternich

11.10.2020 - 10:00

Kapitelsamt im Kölner Dom Achtundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

In seiner Predigt blickt Dompropst Guido Assmann auf das Evangelium. Jesus spricht zu den Pharisäern und Schriftgelehrten und erzählt ihnen das Gleichnis des Königs, der zur Hochzeit eingeladen hat. Doch die Gäste folgen der Einladung nicht.

"Die, die eingeladen worden sind, waren es nicht wert, eingeladen zu werden," sei die "bittere Erkenntnis des Königs", stellt Dompropst Assmann fest. Deshalb schicke der König nochmals los.

Der Messias, der Sohn Gottes sei gesandt auf die Erde, um die Welt zu erlösen. Das auserwählte Volk hätte doch Jesus erkennen müssen als den Erlöser der Welt. "Sie haben doch die Gesetze gehalten, die Gebote gehalten", so Assmann, "aber sie haben Jesus nicht anerkannt als den, der er war, der Sohn Gottes – der Messias. – 'Sie waren es nicht wert, eingeladen zu werden,' ist die bittere Erkenntnis des Königs."

Motivation für die junge Kirche

Verkündet werde dieses Evangelium der jungen Kirche, den "ersten Christen, die sich haben ansprechen lassen von der Frohen Botschaft: Jesus Christus ist der Sohn Gottes", so Assmann. Es sei eine Motivation für die junge Kirche. So dürfen wir dieses Evangelium verstehen. "Jeder ist eingeladen, jeder darf kommen," er müsse nur bereit sein, sich darauf einzulassen, stellt der Kölner Dompropst fest.

Assmann mahnt, dass auch wir uns heutzutage manchmal allzu leichter Entschuldigungen bedienen und man sich immer fragen könne: "Was ist in diesem Moment wichtiger?"

Auf Jesus Christus einlassen

Im Evangelium wird der Gast, der kein Hochzeitsgewand trägt, hinausgeworfen und somit von der Gemeinschaft wieder isoliert. Wie passt dies in das Bild von Gott als Menschenfreund?, fragt Dompropst Assmann.

Der jungen Gemeinde zeige dies, dass man nicht automatisch dazu gehöre, sondern sich auch auf Jesus Christus einlassen und ihn anerkennen solle. Christsein heiße, "sich jeden Tag neu zu entscheiden", so Assmann.

Übertragung

DOMRADIO.DE übertrug am achtundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom mit Dompropst Guido Assmann. Es sang das Vokalensemble Kölner Dom unter der Leitung von Eberhard Metternich. An der Orgel: Winfried Bönig.

Auslegung zum Sonntagsevangelium (Mt 22,1-14) 
von Franz Kamphaus

           Nein danke

Der König sendet seine Boten zunächst zu den geladenen Gästen. Die wissen bereits, dass das große Fest bevorsteht. Es muss ihnen nur noch mitgeteilt werden: Jetzt ist es so weit! Sie reagieren völlig unverständlich, sie lehnen ab. ... Sie wollen einfach nicht und werden sogar aggressiv, misshandeln die Boten und töten sie. Deutlich steht hier das Gottesvolk des Alten Bundes im Hintergrund des Gleichnisses. Vor allem seine Führer, die ja zu Beginn des Gleichnisses ausdrücklich angesprochen werden, haben die Einladung ignoriert. „Sie wollten nicht kommen“ (3), heißt es kurz und bündig. Der Gegensatz zwischen dem königlichen Gastgeber und den selbstzufriedenen Gästen ist offenkundig: „Sie waren es nicht wert, eingeladen zu werden“ (8). Sie haben sich selber ausgeschlossen.        

           Stammgäste?

Geht’s hier nur um damalige Ereignisse, die wir zur Kenntnis nehmen, die schließlich noch (nicht selten ist das geschehen) antisemitische Affekte wachrufen? Können wir uns zurücklehnen und sagen: ,Das Volk des Alten Bundes hat eben versagt!‘? So einfach kommen wir nicht davon. Wie es im Gleichnis geschildert ist, kann es auch uns treffen. Wir, die wir uns als Stammgäste fühlen und beinahe schon die ersten Plätze an der Königstafel unter uns verteilen, können den Ruf verfehlen. Staunen wir noch über diese einmalige Einladung? Sie ist uns im Laufe unseres Lebens über die frohe Botschaft und die Sakramente wie selbstverständlich in den Schoß gelegt. Ob wir sie nicht gerade deshalb verpassen können? Das Gleichnis gibt zu denken.

Aus: Magnificat. Das Stundenbuch. Oktober 2020