22.12.2012 - 18:00

Gedanken zum Advent Bischof Wolfgang Ipolt (Bistum Görlitz)

Auch 2012 haben deutsche Kardinäle, Bischöfe und Weihbischöfe für domradio.de ihre Gedanken zum Advent aufgezeichnet. Heute mit Bischof Wolfgang Ipolt aus dem Bistum Görlitz.

Hildegard lernte Gott nicht kennen. Er, Gott, sollte erst viel später in ihr Leben eintreten und es auch grundlegend verändern. Diese Hinwendung geschah mitten in einer Krankheit, in der sie von Ordensfrauen gepflegt wurde. In diesen Ordensfrauen begegnete ihr etwas von der Gnade Gottes und überwältigte sie. Hildegard Burjan ist die Gründerin der Ordensgemeinschaft Caritas Socialis, die bis heute in der Kirche viel Gutes wirkt. Zwei Schwestern dieser Gemeinschaft leben heute im Geburtshaus von Hildegard Burjan hier in Görlitz und setzen ihr soziales Werk fort. Ende Januar 2012 wurde Hildegard Burjan in Wien im Stephansdom selig gesprochen. Hat diese Frau, die ein Leben ausgespannt zwischen einer tiefen und kindlichen Beziehung zu Christus und praktischer Sozialarbeit geführt hat, etwas mit dem Advent zu tun? Ich meine Ja. Sie hat eine zutiefst adventliche Haltung gelebt, die sie noch einmal vor ihrer Konversion in ihrem Tagebuch so ausgedrückt hat: „Gott, wenn Du bist, zeige Dich mir!“. Wer so etwas schreiben kann, der ist offen für das Kommen Gottes in das eigene Leben. Hildegard Burjan war ein Mensch voller Sehnsucht danach, Gott zu finden. Lange hat sie dazu gebraucht. Es war, so möchte ich es nennen, ihre persönliche Adventszeit, in der Gott sie selbst vorbereitet hat, für seine Ankunft in ihrem Leben.
„Gott, wenn du bist, zeige dich mir!“- Dieses kleine Gebet kann jeder von uns nachsprechen. Inmitten des Trubels dieser letzten Tage vor dem Fest braucht es diesen sehnsüchtigen Ruf bei uns allen. Es gehört eine Menge Aufmerksamkeit dazu unter der Oberfläche der vielen lauten Töne auf den Weihnachtsmärkten und in den Kaufhäusern den stillen Gott zu entdecken. Er will in einem verborgenen Winkel der Welt zu uns kommen und uns dort überraschen.
„Gott, wenn du bist, zeige dich mir!“ Wer so betet, der öffnet sich schon für das Kommen Gottes. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen den Mut, eine solche Bitte auszusprechen. Sie müssen allerdings damit rechnen, dass dieser Gott dann in Ihr Leben einbricht-so wie in das Leben der seligen Hildegard Burjan. Aber das wäre ja durchaus eine Bereicherung! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen aus Görlitz, der östlichsten Bischofsstadt in Deutschland ein gnadenreiches Fest der Geburt unseres Herrn.