09.12.2012 - 18:00

Gedanken zum Advent Bischof Gerhard Feige (Bistum Magdeburg)

Auch 2012 haben deutsche Kardinäle, Bischöfe und Weihbischöfe für domradio.de ihre Gedanken zum Advent aufgezeichnet. Sie erzählen von Geschehnissen, die ihnen in diesem Jahr besonders in Erinnerung geblieben sind, von Situationen, die die Welt bewegt haben, von Ereignissen, die noch bevorstehen und natürlich von der Vorfreude auf Weihnachten. Heute mit Bischof Gerhard Feige aus dem Bistum Magdeburg.

"Was bin ich"? Manche erinnern sich vielleicht noch an diese Fernsehsendung. Ein Rateteam versuchte mit Fragen den Beruf eines Menschen herauszufinden. Vorher aber hatte jeder Kandidat eine Handbewegung zu machen, die für seinen Beruf typisch ist. Wer oder was ist die Kirche? Gibt es für sie auch eine typische Handbewegung, an der man schnell erkennen kann, worum es sich bei ihr handelt? Ich glaube eine für die Kirche typische Handbewegung kann man auf einem ganz berühmten  Gemälde finden. Es ist das Kreuzigungsbild des Isenheimer Altares von Matthias Grünewald. Dort hat der Maler Johannes den Täufer unter das Kreuz gestellt. Historisch ist das zwar falsch, dennoch hat Grünewald das Motiv gewählt, um zu zeigen, dass es die Aufgabe Johannes des Täufers war, auf Christus hinzuweisen und ihn anzukündigen. Das hat er auch ganz besonders durch den ausgetreckten Finger zum Ausdruck gebracht, der übergroß auf Christus deutet. Gerade durch die historische und anatomische Verzerrung macht Grünewald Johannes den Täufer zum Leitbild der Kirche. Denn auch ihre Aufgabe ist es neben dem Kreuz zu stehen und auf den Herrn hinzuweisen. Es ist ihre Aufgabe die Hoffnung auf seine Wiederkunft weiterzugeben und die Freude, die aus dieser Hoffnung erwächst, allen zu vermitteln. Auf den Herrn hinzuweisen bedeutet zugleich ihm einen Weg zu bahnen. Und da  sind nicht nur irgendwelche Amtsinhaber oder Hauptberuflichen Vertreter der Kirche gefragt, sondern alle Getauften. Kein Christ sollte sich dieser Herausforderung entziehen.  Dabei geht es um zweierlei: Zum einen, dass wir erst einmal selbst diesem Gott vertrauen. Manchmal stehen da viele Hindernisse zwischen ihm und uns, müssen erst Berge und Hügel sich senken und Täler sich heben. Martin Luther King hat das einmal so gedeutet: Die Berge seien unser Hochmut und unser Egoismus, die Täler unsere Zweifel und Ängste. Diese gilt es zu überwinden um Gott wieder für uns selbst zu entdecken. Und zum anderen brauchen wir Mut, auch öffentlich für diesen Gott einzustehen, der allein unser Schöpfer und Erlöser ist. Wir schulden das Zeugnis dieser Hoffnung und dieses Trostes. Ob wir das nun mit Worten tun oder einfach durch die kleinen Zeichen unserer Aufmerksamkeit und Fürsorge für die Anderen; entscheidend ist, dass wir dabei auf Ihn verweisen. Ja, das ist unsere Aufgabe als Christen. Gott in unserer Welt den Weg zu bereiten; fantasievoll und tatkräfitg. Lernen wir von Johannes dem Täufer, was typisch für uns als Kirche sein müsste. Sich nicht selbst in den Mittelpunkt zu stellen und nur auf den eigenen Erhalt bedacht zu sein, sondern tatsächlich mit unserer ganzen Existenz auf den gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus zu verweisen.