Trauben in einem Weinberg
Trauben in einem Weinberg

02.03.2018 - 06:59

Fastenimpuls von Kaplan Thomas Hufschmidt Freitag der zweiten Fastenwoche

Jeden Tag ein Impuls: Mit Kaplan Thomas Hufschmidt aus der Pfarreiengemeinschaft Sinzig durch die Fastenzeit.

Mt 21,33-43.45-46

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie.

Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.
Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.
Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.
Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder?
Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.
Als die Hohenpriester und die Pharisäer seine Gleichnisse hörten, merkten sie, dass er von ihnen sprach. Sie hätten ihn gern verhaften lassen; aber sie fürchteten sich vor den Leuten, weil alle ihn für einen Propheten hielten. 

Impuls von Kaplan Thomas Hufschmidt 

Wenn ich mir meine menschlichen Schwächen so vor Augen führe – wovon es mit Sicherheit genügend gibt – fällt mir eine besonders auf: mangelnde Geduld. Es fällt mir oft schwer abzuwarten. Ich kann nicht so gut aushalten, dass sich das ein oder andere noch entwickeln muss und dass es manchmal eben Zeit braucht. Frei nach dem Motto: Geduld ist eine Tugend. Vielleicht kennen sie das ja auch von sich.

Wenn ich mir dann aber das heutige Tagesevangelium anschaue, werde ich da mit einem Ideal von Geduldigkeit konfrontiert. Der Gutsherr, der seinen Weinberg verpachtet und immer und immer wieder neue Knechte zu den Pächtern schickt, scheint ja eine Engelsgeduld zu haben, sonst hätte er wohl schon viel früher die Reißleine gezogen und nicht noch seinen Sohn in dieses Verderben geschickt.

Obwohl da einerseits ein hohes Ideal an uns herantritt, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, steckt darin auch Zuversicht. Irgendwie werde ich die Vermutung nicht los, dass dieser Gutsherr uns nicht nur unsere Schwächen vor Augen führen will. Ich glaube und vertraue darauf, dass sich in ihm die Güte und die Geduld Gottes zeigt, die er ja unweigerlich mit uns haben muss. Wenn er die nicht hätte, wären wir doch schon längst verloren. Wie oft passieren schließlich Dinge, die einfach nicht in seinen Plan passen, aber eben passieren, weil wir Menschen sind, mit unseren Stärken aber auch unseren Schwächen.

Vertrauen wir auf die Geduld Gottes, die er mit uns hat, und ruhen wir uns trotzdem nicht auf den Lorbeeren aus. Vielleicht begegnet Ihnen heute die ein oder andere Situation, in der sie sich in Geduld üben können. Das ist sicherlich eine Tugend, die wir alle nochmal einüben sollten.