Laetare-Sonntag: Zeit zum Innehalten
Laetare-Sonntag: Zeit zum Innehalten

22.03.2020 - 10:00

Heilige Messe im Kölner Dom Vierter Fastensonntag – Laetare

In seiner Predigt blickt Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki auf das Evangelium des Tages, in dem die Heilung eines Blindgeborenen beschrieben wird. Jesus öffnet dem Blinden gleich zweimal die Augen.

Zunächst gibt er ihm die Möglichkeit, mit seinen Augen zu sehen, als Jesus ihm aufträgt sich im Teich von Siloah zu waschen. Dann jedoch helfe Jesus dem ehemals blinden Bettler erneut, als er ihn ein zweites Mal trifft.

Kardinal Woelki vergleicht dies mit unserem Leben. Wir seien das erste Mal sehend geworden bei der Taufe, da seien uns "die Augen aufgegangen – für Gott". "Sind sie uns aber auch ein zweites Mal aufgegangen?", fragt Erzbischof Woelki.

Trotz der Taufe könne man aber „immer noch blind sein“, „wenn unser Christentum Christus“ verstelle. Wenn wir ihn nur als Wundertäter sehen, dann seien wir nicht weiter als der Bettler im Evangelium, der in Christus nur einen Propheten sah. Das Evangelium lade gerade an diesem Sonntag dazu ein, „uns zu fragen, wo wir stehen“. Gerade im Gebet könne man merken, wie weit man ist.

Kardinal Woelki betont, der Geheilte im Evangelium habe Christus gar nicht aufgesucht, sondern dieser habe ihn gesucht. Das Evangelium zeige in dieser zweiten Begegnung, wie uns die Augen für Christus aufgehen können – auch ein zweites Mal. Denn Jesus werde nicht erkannt durch Wunder oder Beweise, sondern durch „unsere innere Hingabe an ihn“. Erst wenn wir so weit seien, erleuchte "Christus uns ganz". Dann würden wir zu Christen, "die nicht nur vor und mit Christus leben, sondern in ihm". Dies müsse die Reform sein, um die es in der Kirche gehe.

DOMRADIO.DE übertrug am vierten Fastensonntag die Heilige Messe aus der Marienkapelle des Kölner Domes mit dem Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki. Als Kantor sang Eberhard Metternich. An der Orgel: Winfried Krane

Auslegung zum Sonntagsevangelium (Joh 9,1-41) von Eugen Biser

"Als Licht der Welt bin ich in diese Welt gekommen, damit ich die, die blind sind, sehend mache. Aber auch damit die, die sich für sehend halten, blind werden.“ Das hören einige Pharisäer, und sie kontern mit dem Satz: „Sind denn auch wir am Ende blind?“ Jesus gibt ihnen zur Antwort: „Wenn ihr blind wäret, dann könnte euch geholfen werden. Aber so sagt ihr: Wir sehen. Deswegen ist euch nicht zu helfen.“ Wir aber fragen uns, was diese Geschichte uns zu sagen hat. Natürlich in erster und letzter Hinsicht das, was gleichsam als Überschrift über dieser ganzen Perikope steht und was aus dem ganzen Geschehen herausleuchtet, das Wort: „Ich bin das Licht der Welt.“ Aber dieses Wort ist ein Wort des Gerichtes. Es ist in die Finsternis dieser Welt hineingesprochen. Und wir müssen uns fragen: Wer wehrt sich gegen dieses Licht? Wer will lieber im Dunkeln leben, als dass er sich dieses Licht leuchten lässt? Worin besteht die Finsternis, gegen die dieses in Jesus erschienene Licht angeht?

Wir werden im Sinne unserer Geschichte darauf drei Antworten geben müssen. Die erste Antwort hängt mit dem zusammen, was die Pharisäer dem Blindgeborenen vorwerfen: „Du bist ganz und gar in Sünden geboren und willst uns belehren?“ Ganz am Anfang, als Jesus auf den Blindgeborenen stieß, hatte es geheißen – und diesmal sind die Jünger diejenigen, die die Frage aufwerfen: „Meister, wer hat in diesem Fall gesündigt? Dieser Blinde selbst oder seine Eltern?“ Es ist also die Vorstellung, dass alles Unglück in der Welt ein direkt oder indirekt selbst verschuldetes ist. Überall, wo ein Mensch in Not kommt, muss nach dieser Vorstellung zurückgefragt werden, nach dem, was er an Schuld auf sich geladen hat; denn alles Leid dieser Welt ist Strafe. Das ist die Mentalität, mit der wir uns zunächst auseinandersetzen müssen.

Dieser allgemein herrschenden und selbstverständlich auch heute noch lebendigen Mentalität widerspricht Jesus mit dem befreienden Wort: „Hier hat weder der Blinde gesündigt noch seine Eltern, sondern dieses Unglück ist eine Art Folie, damit die Herrlichkeit Gottes aufleuchte und sichtbar werde.“ Das Unglück ist keineswegs in jedem Fall selbstverschuldet und in keinem Fall eine Strafe Gottes. Wer sich in diese Meinung verstrickt, der ist im Sinne Jesu blind, der lebt in der Finsternis. Wir sollten das sehr ernst nehmen; denn eine tief eingewurzelte Meinung geht davon aus, dass überall dort, wo Leid vorkommt, nach irgendeinem Verschulden zurückgefragt werden müsse, weil alles Unglück Strafe Gottes sei. Jesus aber verkündet einen Gott, der sich nicht an seinen Geschöpfen rächt. … Seine Botschaft ist eine Botschaft, die uns über diese Strafmentalität hinausträgt, und die von Gott größer denkt, als es der aufrechnenden Denkweise der meisten entspricht. Es ist jener Gott, von dem wir in der Bergpredigt hören, dass er gütig ist selbst gegen die Undankbaren und Bösen.

Aus: Magnificat. Das Stundenbuch. März 2020

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