"Was wir oft nur so lapidar im großen Glaubensbekenntnis runterbeten, entscheidet in anderen Regionen dieser Erde über Leben und Tod"
"Was wir oft nur so lapidar im großen Glaubensbekenntnis runterbeten, entscheidet in anderen Regionen dieser Erde über Leben und Tod"
Kaplan Thomas Hufschmidt
Kaplan Thomas Hufschmidt

23.03.2018 - 07:00

Fastenimpuls von Kaplan Thomas Hufschmidt Freitag der fünften Fastenwoche

Jeden Tag ein Impuls: Mit Kaplan Thomas Hufschmidt aus der Pfarreiengemeinschaft Sinzig durch die Fastenzeit.

Schrifttext:

Joh 10,31-42

In jener Zeit hoben die Juden Steine auf, um Jesus zu steinigen. Jesus hielt ihnen entgegen: Viele gute Werke habe ich im Auftrag des Vaters vor euren Augen getan. Für welches dieser Werke wollt ihr mich steinigen? Die Juden antworteten ihm: Wir steinigen dich nicht wegen eines guten Werkes, sondern wegen Gotteslästerung; denn du bist nur ein Mensch und machst dich selbst zu Gott.

Jesus erwiderte ihnen: Heißt es nicht in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter? Wenn er jene Menschen Götter genannt hat, an die das Wort Gottes ergangen ist, und wenn die Schrift nicht aufgehoben werden kann, dürft ihr dann von dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat, sagen: Du lästerst Gott - weil ich gesagt habe: Ich bin Gottes Sohn? Wenn ich nicht die Werke meines Vaters vollbringe, dann glaubt mir nicht. Aber wenn ich sie vollbringe, dann glaubt wenigstens den Werken, wenn ihr mir nicht glaubt. Dann werdet ihr erkennen und einsehen, dass in mir der Vater ist und ich im Vater bin.

Wieder wollten sie ihn festnehmen; er aber entzog sich ihrem Zugriff. Dann ging Jesus wieder weg auf die andere Seite des Jordan, an den Ort, wo Johannes zuerst getauft hatte; und dort blieb er. Viele kamen zu ihm. Sie sagten: Johannes hat kein Zeichen getan; aber alles, was Johannes über diesen Mann gesagt hat, ist wahr. Und viele kamen dort zum Glauben an ihn.

Das Johannesevangelium unterscheidet sich inhaltlich und theologisch deutlich von den ersten drei, den so genannten synoptischen Evangelien. Als Verfasser gilt traditionell der Apostel Johannes, der mit dem "Jünger, den Jesus liebte", gleichgesetzt wird. Zu den Besonderheiten des Johannesevangelium gehören der Prolog, das Glaubenslied vom fleischgewordenen Wort Gottes, die sieben "Zeichen" (Wunder) Jesu, die Fußwaschung und die Abschiedsreden mit dem Hohepriesterlichen Gebet. Im Zentrum des Johannesevangeliums steht die Einheit Jesu mit Gott, seinem Vater.

Impuls:

Nicht die guten Werke, die Jesus tut, erregen den Hass der Juden im heutigen Evangelium, sondern die Aussagen, die Jesus über sich und Gott trifft. Der Vorwurf lautet Gotteslästerung: „Denn du bist nur ein Mensch und machst dich selbst zu Gott.“ Das werfen die Juden ihm vor.

Genau das ist doch auch noch heute Stein des Anstoßes. Mit der Tatsache, dass Dinge passieren, die nicht für alle erklärbar sind, können noch viele unserer Zeitgenossen mitgehen. Kommen wir dann aber zu Aussagen über die Person Jesu, über seine Eigenschaft als Gottes Sohn, über das, was er von sich selbst sagt, dass in ihm der Vater und er im Vater ist, scheiden sich die Geister recht schnell. Diese Aussage Jesu konnte über Leben und Tod entscheiden; damals wie heute.

Das, was wir oft nur so lapidar im großen Glaubensbekenntnis runterbeten – „wahrer Gott vom wahren Gott; gezeugt, nicht geschaffen; eines Wesens mit dem Vater“ – entscheidet in anderen Regionen dieser Erde über Leben und Tod. Wie viele Christen sterben weltweit, weil sie genau das bekennen und offen leben. Die genauen Zahlen weiß ich selbst nicht, aber die Bilder gekreuzigter Christen durch den IS sind mir noch allgegenwärtig. Und bei uns wird man heute doch auch etwas schräg angeschaut, wenn man das offen und ehrlich sagt.

Vielleicht brauchen wir den Mut, den Jesus hatte. Offen dazu zu stehen, es nicht nur wie nebenbei runterzubeten. Sondern auch davon zu erzählen und uns den Anfragen der Mitmenschen zu stellen.

(DR)