Eine Prise Hirse in der Hand
Hunger als Fluchtursache

18.02.2018 - 16:00

Sendereihe zu Flucht, Vertreibung, Migration Fluchtmotiv: Hunger

DOMRADIO-Bibel startet am ersten Fastensonntag eine neue Staffel der Reihe "DOMRADIO.DE Bibel". Es geht um Flucht. In der ersten Sendung - zu hören um 16 Uhr im Radio - richtet sich der Blick auf die Flucht vor Hungersnöten und Elend.

Eines der häufigsten Motive für Emigration und Fluchtbewegungen, die uns in der Bibel begegnen, ist das des Hungers. "Israel liegt in einem klimatisch ungünstigen Bereich. Das heißt, der Regen war immer von den klimatischen Umständen abhängig und es gab keine großen Wasserreserven", erklärt Dr. Gunther Fleischer von der Erzbischöflichen Bibel- und Liturgieschule in Köln die im Alten Testament beschriebenen Auswanderungen. Auch Abram, später Abraham genannt, flieht vor einer Hungersnot nach Ägypten, das in der Bibel häufig die Funktion eines Auffanglands übernimmt. Ähnlich ergeht es Jakob und seinen Söhnen, die auf diese Weise wieder auf ihren nach Ägypten verkauften Bruder Josef treffen, wodurch es zur Familienzusammenführung kommt.

Eine von Wüste umgebene Oase ist das Grünland von Moab, in welches Elimelech mit seiner Frau Noomi zog, da eine Hungersnot über das Land gekommen war. Das Besondere an dieser Erzählung ist das Sesshaftwerden in der Fremde. Die Söhne Elimelechs heiraten moabitische Frauen, darunter Rut, nach der das Buch benannt ist. Rut erweist sich als glaubenstreue Zeugin, die ihre Schwiegermutter nach dem Tod der Ehemänner nach Betlehem begleitet und sich für sie aufopfert. Und wenn schon eine Moabiterin nicht dem Klischee entspreche, alle Moabiter seien schlecht, dann gelte auch dieses Klischee nicht, deutet Fleischer die Geschichte der Moabiterin Rut. "Damit wird eine Geschichte erzählt, die das Verbot sich mit Moabitern zu liieren unterwandert."

Einen Vergleich mit der Erfahrung von Durst für das Fehlen des Wortes Gottes beschreibt der Prophet Amos. Dieser wurde vom Volk, auf dessen fehlerhaftes Verhalten Amos hingewiesen hatte, hinausgeworfen. "Damit wurde, wenn man so will, Gott selbst das Wort verboten. Schlimmer geht es nicht", beschreibt Bibelexperte Fleischer die Lage im Buch Amos. Gottes Wort, nach dem der Mensch durch Hunger und Durst verlangt, dieses Bild greift auch die Erzählung der Versuchung Jesu in der Wüste im Matthäusevangelium auf. Der Mensch lebt jedoch weder allein vom Brot noch allein vom Wort. Beides bedingt sich. Das in Versuchung Führen war vor kurzem in der Diskussion um die entsprechende Vaterunser-Bitte noch der Gegenstand von Kontroversen. Für Gunther Fleischer ist hier jedoch klar: "Die Heilige Schrift geht davon aus, dass Gott in Situationen hineinführt, in denen meine Beziehung zu ihm überprüft wird. Und hier wird der Hunger zu einer herausfordernden Situation."

Zu besprechende Texte:

- Gen 12,10-20

- Gen 42,1-17

- Rut 1,1-7a

- Am 8,11-14

- Mt 4,1-4

Moderation: Jan Hendrik Stens