Musik für Streicher
Chor- und Orchestermusik
Gottesmutter Maria
Gottesmutter Maria
Johann Sebastian Bach
Johann Sebastian Bach
Die Dresdner Hofkirche
Die Dresdner Hofkirche

01.01.2020 - 20:00

Musik zu Neujahr und dem Hochfest der Gottesmutter Maria Barockes Marienlob

Eine Woche nach Weihnachten feiert die Katholische Kirche nahezu unbemerkt das Hochfest der Gottesmutter Maria - so dominant der Neujahrstag in der öffentlichen Wahrnehmung ist, so wichtig ist doch dieses Hochfest. Ab 20 Uhr erklingen dazu Magnifikat-Vertonungen von Bach und Zelenka

Das Besondere an Neujahr als Hochfest für Maria ist, dass allgemein dem Leben und Wirken der Gottesmutter gedacht wird, nicht einem besonderen Ereignis aus ihrem Leben wie ihrer Geburt oder Empfängnis.

Johann Sebastian Bach vertonte den Lobpreis der Gottesmutter Maria aus dem Lukasevangelium einmal, aber die liegt in zwei Versionen vor. Die Fassung in D-Dur entstand nach der Es-Dur-Fassung. Die schrieb Bach ursprünglich für das Weihnachtsfest, wohl für den weihnachtlichen Vesper-Gottesdienst in Leipzig im Jahr 1723.

Das Besondere: Bach unterbrach die lateinische Bibel-Vertonung durch vier sogenannte Einlagesätze, die teilweise auf Deutsch waren und textlich auf Weihnachtsliedern basieren. So zum Beispiel das Lied „Vom Himmel hoch da komm ich her“.

Durch die vier Einlagesätze erhielt Bachs Magnifikat einen klar weihnachtlichen Charakter. Vermutlich um das Werk öfters oder für ein anderes Fest nutzen zu können, überarbeitete Bach die Komposition etwa neun Jahre später um.

Er transponierte es ins heller klingende D-Dur, glättete die Harmonik etwas und entfernte die Einlagesätze, so dass ausschließlich das Lukasevangelium vertont wurde.

Dann erklingt in "Musica" von Bachs Zeitgenossen Jan Dismas Zelenka dessen Magnifikat-Vertonung in C-Dur. Der wirkte als Musiker und Vertreter des Hofkapellmeisters am Dresdner Hof.

Zelenka schrieb komplett anders als Bach, orientierte sich mehr an der italienische Oper der Zeit und fand doch seinen ganz eigenen Stil. Die beiden kannten und schätzten sich – obwohl sie sich nicht nur musikalisch stark unterschieden.

Auf der einen Seite der evangelische Familienmensch Bach in Leipzig, und dort der katholische Einzelgänger in Diensten des glamourösen Hofes in Dresden.

Für die katholischen Hofgottesdienste schrieb Zelenka zahllose höchst originelle Messvertonungen, aber auch Psalmen und eben auch Vertonungen des Magnifikats. Um das Jahr 1727 schrieb eine Vertonung in C-Dur.

Die Besetzung umfasst Solo-Sopranistin, Chor  und ein Streichorchester plus zwei Oboen und Generalbass.  Anlass war wohl einer der Vespergottesdiensten. Mit der ersten Note kommt der typische Zelenka-Sound durch. Das Orchester wird ziemlich temperamentvoll geführt, dazu kommen die äußerst originellen harmonischen Wendungen. Die tiefsinnige Textdeutung und die wunderbare Melodieführung lassen auch dieses Werk von Zelenka wie eine Kostbarkeit erscheinen.

Moderation: Mathias Peter