Eine besondere Ostertaufe zum Erinnern.
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Große Wohnzimmer-Fenster zum grünen Garten
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Ansgar Puff
Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff
Toller Blick vom Schlafzimmer – Der Kölner Dom!
Toller Blick vom Schlafzimmer – Der Kölner Dom!
Weihbischof Puff vor einem Bild von Lukas Rügenberg
Weihbischof Puff vor einem Bild von Lukas Rügenberg
28 Jahre Ehefrau und 28 Jahre Nonne war Mutter Puff
28 Jahre Ehefrau und 28 Jahre Nonne war Mutter Puff
Reporter-Foto
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Skyline von Düsseldorf
Skyline von Düsseldorf

07.10.2018 - 18:00

Das Schöne an Gott: er geht alle Umwege mit Weihbischof Ansgar Puff

Die Frage nach dem Sinn des Lebens - jeder muss sie für sich beantworten. Für Ansgar Puff war sie viele Jahre der Motor seiner Suche. Von den Antworten, die der heutige Kölner Weihbischof gefunden hat, erzählt er in der Sendung Menschen.

Der Weihbischof hat mich zu sich nach Hause eingeladen. "Zu Hause", das ist das "fromme Kölner Ghetto", wie er flapsig sagt: Er bewohnt in der Domherrensiedlung ein Einfamilienhaus. Allerdings nicht alleine: "Ein Einfamilienhaus mit drei Etagen als meine kleine süße private Dienstwohnung - das geht ja gar nicht!" sagt er. Und findet seine ganz eigene Lösung: "Zum Glück sind die Wohnungen auf den Etagen getrennt. Schon vorher habe ich mit einer albanischen Flüchtlingsfamilie zusammengewohnt, die wohnt jetzt im Erdgeschoss. In der oberen Etage ist eine Gästewohnung, dort wohnt jetzt eine Dame aus Rumänien, die im Winter am Dom draußen schlief."

Hausgemeinschaft mit einer albanischen Familie und einer ehemals Obdachlosen

Die drei Parteien leben als Haus- nicht als Wohngemeinschaft zusammen: "Wir essen manchmal gemeinsam, wir helfen uns und feiern ab und zusammen." Für Ansgar Puff ein gutes Modell: "Ich kann für mich sein und bin doch nicht alleine."

Die Familie "fiel vom Himmel." Vor drei Jahren kam eine Email vom SKM, "der suchte für diese Familie eine Unterbringung. Die Familie lebte in einer Massenunterkunft und ihr Kind war an Leukämie erkrankt. Das Kind sollte, wegen der Infektionsgefahr, möglichst isoliert werden. Ich dachte, bei einem Weihbischof lebt es isoliert genug."Inzwischen hat das Kind das schlimmste überstanden, wird noch kontrolliert, geht aber jetzt ins erste Schuljahr: "In Albanien wäre es gestorben, dort hätte man ihm nicht helfen können."

Hedwig Puff wurde Sr. Sarah Puff

Weihbischof Puff ist ein ordentlicher Mensch, wovon nicht nur die aufgereihten Bücher im Regal zeugen: "Mir hilft das, mich selbst zu sortieren", sagt er. Das Wohnzimmer hat einen schmalen Balkon, einladend stehen ein Tisch und ein Stuhl, umrahmt von weißen und gelben Stiefmütterchen, darauf.  Aber: "Die Idylle täuscht. Ich nutze den Balkon kaum. Direkt darüber ist die Klimaanlage des WDRs, das ist einfach zu laut."

Im Regal steht auch die Todesanzeige seiner Mutter. Ich stutze: zwei Namen stehen darauf! Eine unglaubliche Geschichte: "Mein Vater ist früh gestorben, wir vier Kinder haben uns gefragt, was meine Mutter wohl mache? Mein Horror war, dass sie den ganzen Tag Fenster putzt oder sonst was Unsinniges macht. Wir Kinder haben sie ermutigt, nochmal eine Partnerschaft einzugehen." Aber das Leben hatte andere Pläne: "Meine Mutter hatte Kontakt zur Abtei Mariendonk. Dorthin ist sie erst zum Besuch, dann in Ferien und dann immer öfter gefahren. Irgendwann hat sie uns mit der Frage überrascht, ob wir Kinder etwas dagegen hätten, wenn sie Ordensschwester werde." So wurde aus Hedwig Puff, die 28 Jahre lang verheiratet gewesen war, Sr. Sarah Puff, die 28 Jahre lang im Orden lebte.

Gott geht alle Umwege mit

Seinen langen Weg zum Priesterberuf, über den Sozialarbeiter, das angefangene, abgebrochene, schließlich doch beendete Theologiestudium, hat Ansgar Puff schon oft erzählt. Wir streifen die Stationen. Dass Ansgar Puff seinen Weg lange suchen musste, lag auch daran, dass er das, was ihn schließlich glücklich machen sollte, Priester zu werden, kategorisch für sich ausschloss.

Heute lacht er über sich und seinen Dickschädel damals. "Das war so ein Weg mit vielen Kurven, Umwegen, Sackgassen, in die ich rein gegangen bin. Das Schöne an Gott ist, dass er jeden Umweg mitgeht, mit einer Engelsgeduld, er hat mich immer begleitet, war immer dabei."

Eine Schlägerei, ein Loft, ein blaues  Auge und eine vermeintliche Gebetserhörung

Ansgar Puff hat viel erlebt auf diesem, seinem Weg. Was eine Schlägerei, ein Loft, ein blaues Auge und eine vermeintliche Gebetserhörung damit zu tun hat, das erzählt er in der Sendung.

Klar ist: ohne das blaue Auge hätte er nicht die Gemeinschaft kennengelernt, die ihm wie eine zweite Familie geworden ist: der neokatechumenale Weg. Der medial viel Aufmerksamkeit bekommt. Und auch viel Kritik.

Von anspruchsvollen Straßen und vorprogrammierten Unfällen

Auch Papst Franziskus warnte die Gemeinschaft, z.B. 2014: Der Weg sei eine "anspruchsvolle Straße", sagt er. Unfälle seien vorprogrammiert.“ sagte er und bat das Werk respektvoll mit Aussteigern zu sein. "Ja, natürlich hat es Unfälle gegeben", sagt Weihbischof Puff "Verletzungen seien passiert."

Aber da gebe es auch das schöne Bild des Papstes, dass ihm verbeulte Karosserien lieber seien, als Autos in der Garage. Die "Unfälle" hängen für den Weihbischof nicht ursächlich mit dem Werk zusammen - sondern mit dem Leben in einer Gemeinschaft: "Das kann ihnen in jedem Gospelchor oder in jedem Kolpingverein genauso passieren."

Wo wird einem Weihbischof gesagt: so geht das nicht?

Seit über 30 Jahren ist Ansgar Puff Teil des neokatechumenalen Weges. Als Weihbischof hat nicht mehr so viel Zeit wie früher, um zu den Treffen zu gehen, aber hier ist er zu Hause: "Wenn ich dahin gehe, dann ist das sehr schön, ich bin dann ein Mensch, keine Rolle, die kennen mich, die sagen mir die Wahrheit." Und fragt: "Wo haben Sie als Weihbischof das, dass einem jemand sagt: das geht so nicht."

Sobald das Wetter besser ist, können Sie dem Weihbischof wieder sagen, was Sie denken: Montagnachmittags sitzt er dann wieder auf der großen Freitreppe vor dem Kölner Dom. Bereit mit jedem zu reden, der mit ihm sprechen möchte.

Moderation: Angela Krumpen