Schäfer Günther Czerkus mit seinen Schafen auf der Weide in Wallendorf
"Sonntag vom Guten Hirten"

22.04.2018 - 10:00

Pontifikalamt im Kölner Dom am vierten Sonntag der Osterzeit "Für alle Berufungen beten"

Den vierten Ostersonntag greift die Kirche auf, um für geistliche Berufungen zu beten. Weihbischof Rolf Steinhäuser zelebrierte den Gottesdienst und plädiert dafür, für Berufungen in allen Bereichen des Lebens zu beten.

Weihbischof Rolf Steinhäuser geht zu Beginn seiner Predigt am "Sonntag vom Guten Hirten" auf die wahrscheinlich vielen unterschiedlichen Perspektiven der Gebetsinhalte in diesem Anliegen ein – ein Personalverantwortlicher eines Bistums betet anders in dem Gebetsanliegen als eine Frau, die sich in der Gemeinde engagiert.  Jesus spreche von "Arbeitern seiner Ernte“ und meine damit nicht nur Priester, so Steinhäuser.

"Arbeiter der Ernte Gottes"

Das Zweite Vatikanische Konzil formuliere in seiner Kirchenkonstitution "Lumen gentium“ eine wahre Gleichheit einer gemeinsame Würde und Tätigkeit zum Aufbau des Leibes Christi“. Alle seien gleich an Würde aufgrund der Taufe, alle seien Kinder Gottes und damit eben auch "Arbeiter der Ernte Gottes“ – und damit sei der Dienst in der Kirche kein priesterliches Vorrecht oder sogar ein "Notstopfen“ für Priester und Ordensleute, so Rolf Steinhäuser. Auch sprachlich sei das Wort "Laie“ kein Wort für einen "Nicht-Fachmann“ sondern bedeute "einer aus dem Volke“. Weihbischof Steinhäuser meint, die Rezeption der Konzilstexte sei nicht weit genug gegangen, da die Laien sich generell am Priester orientieren und über diesen definieren. Das verdeutlichen vor allem die ähnlichen Bereiche, in denen sie arbeiten.

Die Sendung des Evangeliums sei es aber, die ganze Welt von der Botschaft Gottes her umzugestalten und das treffe jeden. Einige davon hätten eben den Dienst am Volk inne, Sakramente zu spenden und für Menschen zu sorgen – das seien die Priester. Aber dieser Dienst sei nicht wichtiger, als der von anderen Menschen. "Es ist eine Fehlentwicklung, dass die Gestaltungs- und Entscheidungsmacht fast ganz auf diese Gruppe übergegangen ist. Mit der tragischen Konsequenz, dass viele meinen, das Priestertum des Dienstes nivellieren zu müssen, um so Teilhabe an der Macht zu gewinnen", so Rolf Steinhäuser.

Gebetsaufforderung für alle Menschen

Das Gebet für Priester mache demnach Sinn, da ein Priester nur durch einen Priester zu ersetzen sei, so Steinhäuser – aber der Priester, der gebraucht werde, sei nicht der sakralisierte Machthaber. Im Evangelium von diesem Sonntag stehe ein Schlüsselsatz: "Ich bin gekommen, damit die Menschen das Leben haben und es in Fülle haben". Dieser Satz sei zu einem Lieblingsgedanken für Weihbischof Steinhäuser geworden, denn es gehe um das Leben, nicht um das Überleben. Wenn Jesus das "Leben in Fülle" für alle Menschen wolle, bräuchten wir keine Angst zu haben.

Das verheißene und schon in der Taufe geschenkte Leben solle bezeugt werden. Gefragt seien daher Menschen, die glaubwürdig sind. Damit meint Weihbischof Steinhäuser "Frauen und Männer, die zeigen, wie die Botschaft Jesu zum Leben in Fülle befreit und ermutigt, fördert und fordert". Daher fordert er auf, für alle Frauen und Männer zu beten, die Zeugen in allen Bereichen sind, nicht nur den kirchlichen und geistlichen Bereichen.

Botschaft des Papstes zum Welttag für Berufungen

In seiner Botschaft zum Welttag für Berufungen 2018 warnt Papst Franziskus davor, Lebensentscheidungen aufzuschieben. "Die Berufung ist heute! Die christliche Sendung gilt der Gegenwart!", schreibt der Papst in dem Text, den der Vatikan am Montag veröffentlichte. Egal, ob sich jemand für ein Leben in der Ehe, im Orden oder als Priester entscheide, jeder Christ sei gerufen, ein Zeuge für Jesus Christus zu werden. Die katholische Kirche begeht den jährlichen "Weltgebetstag um geistliche Berufungen" am 22. April. Er steht unter dem Motto "Den Ruf des Herrn hören, erkennen und leben".

Franziskus mahnt, mit den eigenen Lebensentscheidungen nicht "auf besseres Wetter zu warten". Eine christliche Berufung gebe es nicht ohne das Risiko der Entscheidung. Man solle nicht vor eigenen Grenzen und Sünden erschrecken und nicht meinen, perfekt sein zu müssen. Zuerst gehe es darum, auf Gott zu hören. Das sei nicht einfach; Gottes Ruf sei nicht so offensichtlich wie viele andere Lebenserfahrungen. Erschwert werde das Hören zum einen durch die Reizüberflutung in der heutigen Welt, aber auch durch eigene Gewohnheiten und Teilnahmslosigkeit.

(DR)