Sr. Katharina Hartleib OSF
Sr. Katharina Hartleib OSF vor dem Kölner Dom

09.06.2021 - 06:30

Morgenimpuls von Schwester Katharina Fahrerlaubnis fürs Leben

Schwester Katharina hat auf dem Heimweg eine Schülerin der 4. Klasse bei der Fahrradprüfung beobachtet. Nun überlegt sie, wie schön so ein Führerschein fürs Leben wäre.

Auf der Heimfahrt von einem Termin im Nachbarort kurve ich mit dem Auto noch ganz in Gedanken durch die Straßen und habe plötzlich vor mir eine kleine Radfahrerin. Sie hat eine grüne Warnweste an, einen Fahrradhelm auf und eine Startnummer auf dem Rücken und kurvt sicher und selbstbewusst den nächsten großen Kreisel an. Kurz vor dem Kreisel steht eine Ordnerin, Lehrerin - oder Mama vielleicht - und hat ebenfalls eine Warnweste an. Sie stoppt das Mädchen, erklärt noch mal kurz, wie der Kreisel auch mit den Autos darin zu fahren ist und schickt sie dann los. Bei mir bedankt sie sich mit nettem Winkeln, weil ich geduldig stehen geblieben bin und gewartet habe. Beim Weiterfahren habe ich dann gesehen, dass bei der zu wählenden Ausfahrt wieder ein Ordner steht, der kleinen Radfahrerin Beifall geklatscht hat und sie weitergeleitet hat auf den nächsten Abschnitt des Parcours.

Ah, 4. Klasse, Fahrradführerschein - fiel mir dann ein, weil ich es in der Zeitung gelesen hatte. Später machen die Schüler und Schülerinnen dann sicher den Mopedführerschein oder Motorrad und dann Auto und dann vielleicht den Flugschein. Eigentlich wäre es schön, wenn es so einen Führerschein, eine Fahrerlaubnis fürs Leben geben würde. Man lernt, was man braucht, was so an Regeln zu beachten ist, macht ein bisschen Praxis, weiß, was man tut, wenn mal was schief geht, macht die Prüfung und kann loslegen.

Ich weiß auch, dass das nicht geht, weil das Leben viel zu vielfältig ist. Aber hilfreich wäre es manchmal schon. In der Lesung aus dem Römerbrief heißt es ziemlich einfach: "Was kann uns denn scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?" All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Wenn ich also alles, was im Leben kommt und es an mir ist, zu tun, dann ist es das Wichtigste, es in Liebe zu tun, in Engagement und Leidenschaft. Bedrängnis oder Nöte oder Verfolgung oder Hunger, Gefahr oder Schwert bleiben mir dann wahrscheinlich trotzdem nicht erspart, aber es gibt eine Dauerüberlebensversicherung, die heißt: "Alles überwinden wir durch den, der uns geliebt hat." Selbst wenn wir, wenn ich gerade nicht mehr lieben kann und im Strudel von Sorgen, Problemen und Leid unterzugehen drohe, steht da einer oder eine, ermutigt mich vor dem nächsten Kreisel und hilft mir wieder in die richtige Richtung.

"Krass, oder?" würde die kleine Radfahrerin sicher sagen.

(DR)