20.09.2015 - 08:50

Sonntagsfrage: Wann beginnt er denn nun, der Herbst? Wenn die Blätter fallen

Wann ist eigentlich Herbstanfang? Am kommenden Dienstag natürlich, den 23. September. Von wegen! Denn auch die Pflanzen haben ihr Wörtchen mitzureden und nicht zuletzt die Meteorologen. In unserer Sonntagsfrage klären wir die Hintergründe.

Ganz so einfach ist die Frage mit dem Herbstanfang tatsächlich nicht zu beantworten, denn er wird wissenschaftlich auf ganz verschiedene Weisen definiert: es gibt den kalendarischen, den meteorologischen und den phänologischen Herbstbeginn. Aber der Reihe nach:

Der 1. September – die Meteorologen

Der Begriff des meteorologischen Herbstanfangs existiert seit den ersten Wetteraufzeichnungen und die fanden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. Aus meteorologischer Sicht beginnt der Herbst auf der nördlichen Halbkugel am 1. September. Der Hintergrund ist, dass sich Ende August meist ein deutlicher Wetterumschwung einstellt, der zum Ende des Sommers führt. Auf der Nordhalbkugel werden mit Beginn des Monats September häufig vermehrte Kaltfronten beobachtet. Allerdings machen die Meteorologen auch eine Einschränkungen und geben zu: Zum Herbstanfang kann sich bisweilen auch ein sogenannter Altweibersommer einstellen. Der ist unter anderem gekennzeichnet durch warme und sonnige Tage, denen aber kühle Nächte folgen.

Der Zeitraum des kompletten Herbstes wird durch Meteorologen auf genau drei Monate festgelegt. Der Herbst erstreckt sich danach vom 1. September bis zum 30. November. Auch die übrigen drei Jahreszeiten umfassen aus meteorologischer Sicht jeweils exakt drei Monate. Man will es nicht unnötig kompliziert machen.

Der 23. September – der Stand der Sonne 

Der kalendarische oder auch astronomische Herbstbeginn hängt vom Stand der Sonne über dem Äquator ab. Tag und Nacht haben in dieser Zeit, in der die Sonne hoch steht, eine fast identische Länge und es vergehen also 12 Stunden von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Bezeichnet wird dieses Phänomen in der Wissenschaft auch als sogenanntes Äquinoktium bzw. als Tag-Nacht-Gleiche. Dass dieser genaue Zeitpunkt Schwankungen unterzogen ist, hängt damit zusammen, dass die Erde keine völlig runde Form hat. So kann der kalendarische Herbstbeginn auf der Nordhalbkugel also zwischen dem 22. und 23. September schwanken. Während der Tag-Nacht-Gleiche überschreitet die Sonne quasi den Himmelsäquator und begibt sich gen Südhalbkugel. Das Ganze kennzeichnet mit dem Herbstbeginn auf der Nordhalbkugel auch gleichzeitig den Frühjahrsbeginn auf der Südhalbkugel.

Wenn die Zwetschgen reif sind – die Pflanzenwelt

Neben dem kalendarischen und meteorologischen Herbstbeginn kann der Anfang des Herbstes auch auf weitere Weisen definiert werden. Ein Beispiel hierfür ist der Herbstbeginn aus der sogenannten phänologischen Sichtweise: Der phänologische Kalender richtet sich nach dem Entwicklungsstand der Flora.

Möchten Sie sich an diesem Kalender orientieren, so beginnt der frühe Herbst damit, dass die Herbstzeitlose Blüten trägt und dass Zwetschgen und Birnen im Garten geerntet werden. Der phänologische Beginn des Vollherbstes ist dadurch gekennzeichnet, dass das Laub vieler Bäume seine charakteristische herbstliche Färbung annimmt und Bäume damit beginnen, Laub abzuwerfen.
Mit Beginn des phänologischen Vollherbstes können beispielsweise Spätkartoffeln, Apfel oder Rüben geerntet werden.

Der Beginn des Spätherbstes findet nach phänologischer Sicht parallel mit dem Aufgehen von Wintergetreide statt. Nun werfen auch Wildbäume vermehrt ihr Laub ab. Der phänologische Spätherbst beginnt in mitteleuropäischen Breiten in der Regel gegen Mitte November.