15.05.2016 - 08:50

Sonntagsfrage: Was sind Pfingstkirchen? Heiliger Geist in Szene gesetzt

Es ist so eine Sache mit dem Heiligen Geist: Er kommt zu Pfingsten über uns, doch mit seiner Wahrnehmung tun wir uns schwer. Die sogenannten Pfingstkirchen aber versuchen es: Den Heiligen Geist erlebbar zu machen.

Zungenrede, Heilungen, Dämonenaustreibungen - die Pfingstkirchen inszenieren die Präsenz des Heiligen Geistes so offensiv wie er nur geht. Und brechen dadurch mit den traditionellen Kirchen europäischer Prägung.

Von Dämonen und Bekehrungen

Die Pfingstkirchen setzen auf geistliche Aufbrüche und außergewöhnliche Geisterfahrungen. Sie inszenieren die Präsenz des Heiligen Geistes zum Beispiel mit starken Gemeinschaftserfahrungen, mit Heilungen und plötzlichen Bekehrungen.

Vor allem in der südlichen Hemisphäre breiten sich die sogenannten Pfingstkirchen immer stärker aus. Ihre Anhängerschaft ist in den vergangenen Jahrzehnten mit einer Geschwindigkeit gewachsen, die in der christlichen Religionsgeschichte ihresgleichen sucht: Mittlerweile werden bereits mehrere hundert Millionen Menschen dieser Ausprägung des Christentums zugerechnet. Nach Deutschland kam die Bewegung im Jahre 1907. Zwar wachsen die Pfingstgemeinden weltweit, doch ist die Zahl in Deutschland vergleichsweise gering.

Seelische Geborgenheit

Die Pfingstkirchen zielen weniger auf den Verstand, sondern vor allem auf das Gefühl und den Willen ihrer Mitglieder. Um das Erlebnis der Gemeinschaft zu steigern, wird viel und begeistert gesungen. Die Musik spielt eine große Rolle, moderne Instrumente wie Keyboard oder Schlagzeug werden der Pfeifenorgel vorgezogen. Eine Gottesdienstdauer von mindestens einer Stunde ist die Regel.

Dabei wird eine gewisse Voraussehbarkeit und Vertrautheit des Gottesdienst-Ablaufs in den Grundzügen in der pfingstlichen Tradition zwar befürwortet, eine formale Liturgie wird jedoch abgelehnt. Sie könnte – so überzeugte Pfingstler – das Wirken des Heiligen Geistes blockieren.