Auch der Kölner Dom ist geostet
Auch der Kölner Dom ist geostet

21.08.2016 - 08:50

Sonntagsfrage: Warum schauen die Türme nach Osten? Ostung von Kirchen

Wir alle wissen: Wo die Sonne aufgeht, da ist Osten. Eigentlich könnte man auch sagen: Da wo der Altarraum einer Kirche liegt, da ist Osten. Denn wenn im Mittelalter eine Kirche gebaut wurde, hat man sie häufig "geostet". Aber wieso?

Die Antwort auf diese Frage liegt wohl in der engen Verbindung vom Sonnenaufgang, oder der sich erhebenden Sonne und der Auferstehung. Vor allem in frühchristlicher Zeit und im Mittelalter war es wichtig, dass der Priester in die Richtung betete, in der ihm die aufgehende Sonne ins Gesicht hätte scheinen können.

Oriens orientium universum obtinet

Große mittelalterliche Kirchenschiffe haben oft die Form eines Kreuzes mit einer Längs- und einer Querachse. Da es von Christus heißt "Oriens orientium universum obtinet"  (übersetzt so viel wie: Der Aufgang aller Aufgänge regiert das All) und der Sonnenaufgang als Symbol der Auferstehung galt, wurden die Längsachsen der Kirchen danach ausgerichtet.

Der Chor mit dem Altar ist also in der Regel im Osten, der Haupteingang entweder im Westen oder im Norden bzw. Süden. In den frühchristlichen Basiliken in Rom hingegen liegt die Frontseite der Kirche im Osten und die Apsis im Westen.

Sonnenaufgang am Tag der Patrozinien

Da die Sonne nicht jeden Tag an der gleichen Stelle aufgeht, sind einige Kirchen auf den Aufgangspunkt eines bestimmten Tages hin geostet. Beim Stephansdom in Wien etwa ist es der 26. Dezember 1137, also der Tag des Patroziniumsheiligen im Jahr des Baubeginns.