03.10.2017 - 09:00

Autsch? Finger in die Wunde

Wenn jemand sprichwörtlich den Finger in die Wunde legt, dann gehen wir heute meistens davon aus, dass das etwas Unangenehmes ist. Muss es aber gar nicht sein.

Jedenfalls  wird das von einigen Zeitgenossen behauptet. Der Spruch soll nämlich zwei Hintergründe haben

Die Osterszene als Hintergrund

Zu nennen wäre da sicherlich die Osterszene, nach der Apostel Thomas dann seinen Beinamen "der Ungläubige" erhielt.

Die Situation: Der auferstandene Jesus tritt zu den Aposteln, spricht ihnen Mut zu und sendet sie in die Welt. Thomas ist nicht dabei und dann geschieht Folgendes: "Die anderen Jünger sagten zu ihm: ‚Wir haben den Herrn gesehen‘. Er entgegnete ihnen: 'Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht'", so zu lesen bei es bei Johannes Kapitel 20 Vers 25 Folgende. Acht Tage später kommt der Auferstandene wieder zu den Jüngern und sagt zu Thomas: "Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!" Das ist zu finden bei Johannes Kapitel 20 Vers 27.

Ob der Apostel Thomas dann wirklich seine Finger in die Wunden gelegt hat, ist nicht überliefert. Aber, wenn man die Finger in die Wunden eines Gemarterten legt, dann ist das sicher schmerzhaft und weist also auf "den empfindlichen Punkt" hin.

Hintergrund zwei: heilende Hände

Jesus selbst hat oftmals den Finger im übertragenen Sinne in die Wunde oder die Wunden gelegt – von Menschen, die ihn um Heilung baten. Wie der Aussätzige in Markus Kapitel 1 Vers 40 Folgende: "Ein Aussätziger kam zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: 'Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.' Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: 'Ich will es - werde rein!' Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz und der Mann war rein."

Allerdings wird hier der Finger oder die Hand auf und nicht in die Wunde gelegt. Der Hintergrund lässt sich also nicht sauber aus den Erzählungen der Bibel ableiten.

Finger und Aberglaube

Spannend ist, dass alle Bezüge zur Bibel damit zu tun haben, dass es eine Berührung gibt. Sprüche wie "sich etwas aus den Fingern saugen" oder "das sagt mir mein kleiner Finger", die kommen dagegen von dem Aberglauben, dass vor allem der kleine Finger der Sitz von besonderer Weisheit sei.

Moderation: Babette Braun