Krippe auf dem Petersplatz 2014
Krippe auf dem Petersplatz 2014

27.12.2015 - 06:30

Carl Heinrich Graun: "Weihnachtsoratorium" Lange verschollenens Schmuckstück

Der preußische Hofkapellmeister Carl Heinrich Graun komponierte im 18. Jahrhundert ein eindrucksvolles Weihnachtsoratorium, dass erst vor wenigen Jahren wiedergefunden wurde.

In Sachsen geboren fiel Graun schon zu Schulzeiten durch seine schöne Stimme auf. Über die Zwischenstation Braunschweig ging es für Graun bis nach Berlin, wo er schließlich Hofkapellmeister am Preußischen Hof wurde. Ein besonderer Schwerpunkt seines Werks sind die Opern, zu deren Studium er sich auch längere Zeit in Italien aufgehalten hat. Das Weihnachtsoratorium, dass erst vor wenigen Jahren wiedergefunden wurde, ist ein eindrucksvolles Stück barocker Kompositionskunst. Es besticht durch den ausgewogenen Wechsel von streng gearbeiteten Chorsätzen, gefühlvollen und durchaus farbenreich instrumentierten Arien und Rezitativen.

Inhaltlich beginnt das Weihnachtsoratorium von Carl Heinrich Graun in der Zeit vor der Geburt, mit der Ankündigung. "Mache dich auf und werde Licht" beginnt der Eröffnungschoral. Direkt im Anschluss lässt sich der eben beschriebene Wechsel zum ersten Mal gleich auf sehr beeindruckende Weise feststellen. Dem Choral folgt eine innige Arie, die um das Kommen des Erlösers fleht. "Erscheine doch und komm".

Graun versteht es in seinem Oratorium nicht nur in den Arien den Beter über das Gehörte vertiefend nachdenken zu lassen. Auch die Rezitative haben poetischen Anspruch. Zum Beispiel dann, wenn es zu einem Liebeslied an das neu geborene Kind wird. "O wunderbares Kind, Du Ursprung aller Wunder. Natur und Engel stehen bei Dir gebeugt." Besonders ausgestaltet ist natürlich die eigentliche Geburtsszene. Nüchtern beschrieben im Rezitativ, stimmt sogleich eine Sopran-Arie ein, die die herausragende Bedeutung des Geschehens in der Krippe von Bethlehem hervorhebt. "Zeit uns Stunde sind erfüllt". Im Anschluss daran erfährt der Zuhörer auch noch vom Jubel der Engel bei den Hirten auf dem Feld, der Anbetung der Hirten bis hin zum Gesang des Simeon, der "in Frieden sterben kann, weil seine Augen das Heil gesehen haben."

Moderation: Matthias Friebe