08.12.2018 - 13:23

Bischöfe im Advent Bischof Feige über den Reichtum der Fremde

Jeden Tag ein Impuls: Die deutschen Bischöfe haben für DOMRADIO.DE ihre Gedanken zum Advent formuliert. Bischof Gerhard Feige aus Magdeburg erklärt, wie ein tiefer Glaube dabei helfen kann, damit wir uns auf das Fremde einlassen.

Neulich konnte ich wieder einmal hören: Ich habe nichts gegen Ausländer, aber sie sollen sich an unsere Verhältnisse anpassen. Doch woran genau sollen sie sich anpassen? An christliche Tradition oder religionslose Gepflogenheiten? An Bratwurst und Steaks oder vegetarische und vegane Alternativen? An bayerische Folklore oder nordostdeutsche FKK-Strände? An hehre Ideale von gestern oder aktuelle Verhaltensweisen jeder Art? An reaktionäre oder modernistische Bestrebungen? An die Beachtung von Menschenwürde, Freiheit und Solidarität oder die zunehmende Respektlosigkeit und den sich verbreiteten Gebrauch von Hetze und Provokation? Die Übernahme von Verantwortung für den Schutz des Lebens in allen Phasen oder dessen weitere Liberalisierung? Was hält in unserer Gesellschaft eigentlich noch zusammen? Was kann als gemeinsame Identität angesehen werden? Driften wir nicht in vielem immer mehr auseinander? Ohne Zweifel ist die Anerkennung des Grundgesetzes eine unabdingbare Basis für alle, die in Deutschland leben wollen. Aber was hat es dann zum Beispiel mit der sogenannten christlich-abendländischen Kultur auf sich, die immer wieder beschworen und die man angesichts der vielen Zuwanderer bewahren müsse? Wer sich auf das Christentum als Grundlage unserer Identität bezieht, müsste allerdings wissen, dass es universal ausgerichtet und für Menschen aller Kulturen und Nationen offen ist. Bereits im Judentum hieß es, dass man den Fremden nicht nur nicht unterdrücken darf, sondern dass man ihn lieben soll wie sich selbst. In diesem Sinn kann Integration auch weder Assimilation bedeuten noch die Entwicklung einer Parallelgesellschaft. Integration ist keine Einbahnstraße, sondern betrifft beide Seiten. Die Migranten und die einheimische Bevölkerung. So schreibt Fulbert Steffensky: Man weiß nur, wer man ist, wenn man sich dem Schmerz der Fremdheit aussetzt. Man lernt den eigenen Reichtum erst kennen, wo man sich mit fremden Lebensentwürfen und fremder Religionen auseinandersetzen muss. Und man lernt den eigenen Mangel erst kennen, wenn man auf den Reichtum der Fremden stößt. Sich auf solche Erfahrung aber einzulassen, dazu gehören viel Mut und ein tiefer Glaube.

(DR)